SVP-Politiker Roland Jakob im Clinch

Hauseigentümer werfen Malermeister Roland Jakob «Pfusch» vor. Da Jakob hohe Steuerschulden habe, könne er nicht belangt werden.

Risse in der Fassade: SVP-Fraktionschef Roland Jakob.

Risse in der Fassade: SVP-Fraktionschef Roland Jakob. Bild: Adrian Moser

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Die Vorwürfe sind happig: Malermeister Roland Jakob habe bei der Sanierung einer Hausfassade in Herrenschwanden «gepfuscht». Dies sagen drei Stockwerkeigentümer gegenüber der Sendung «Kassensturz».

Gemäss dem Bericht bleibt die Hauseigentümergemeinschaft auf einem Schaden von insgesamt 50'000 Franken sitzen, weil das Malergeschäft des SVP-Fraktionschefs im Berner Stadtrat zahlungsunfähig ist.

Im Betreibungsregisterauszug fänden sich Verlustscheine in der Höhe von 80'000 Franken. Ein Grossteil davon beträfe die Mehrwertsteuer. Jakob verrechne diese seinen Kunden zwar, gebe sie aber nicht an den Staat weiter, so der Bericht.

«Sämtliche Forderungen erfüllt»

Jakob nahm in der Sendung bloss schriftlich Stellung. Gegenüber dem «Bund» sagt er Folgendes: Vor zwei Jahren sei er mit den Hauseigentümern vor der Schlichtungsbehörde gestanden. Am Ende der Verhandlungen hätten alle Beteiligten eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach der Fall «per Saldo aller gegenseitigen Ansprüche» erledigt sei. «Ich habe sämtliche Forderungen aus dem Vergleich erfüllt. Es ist eine alte Geschichte, die hier wieder aufgerollt wird.»

Die R. Jakob Maler- und Gipsergeschäft GmbH hatte den Auftrag 2013 erhalten. Gemeinsam mit seinem Lieferanten habe er damals die Fassade besichtigt. Dabei seien sie zum Schluss gekommen, dass eine sanfte Sanierung möglich sei. «Die Fassade hatte aber bauliche Mängel, die zunächst weder ich noch mein Lieferant bemerkt hatten», sagt Jakob. Bereits wenige Monate nach der sanften Sanierung traten erste Risse auf.

Vorwurf der Fehleinschätzung

In der TV-Sendung sagt ein Fachexperte, Jakob habe die Sachlage falsch eingeschätzt. Er hätte gemäss dem üblichen Vorgehen, wie es auf einem Merkblatt des Maler- und Gipsermeisterverbandes festgehalten sei, nie eine sanfte Sanierung durchführen dürfen.

Jakob hält demgegenüber fest, dass die baulichen Mängel erst später zum Vorschein gekommen seien, als der Putz aufgeschnitten wurde. Der gesamte Aufbau der Fassade, namentlich die Netzeinbettung und die Isolation, seien mangelhaft erstellt worden.

Die Eigentümer sagen, Jakob habe von ihnen die Begleichung der Materialkosten verlangt. Jakob hingegen sagt, die Eigentümer hätten versucht, ihn für die Gesamtsanierung der Fassade haftbar zu machen. «Weil ich mich gewehrt habe, für die Bauschäden Dritter haftbar gemacht zu werden, ist es zur Schlichtungsverhandlung gekommen», sagt Jakob.

Zu den Verlustscheinen seiner Firma will der Malermeister nicht Stellung nehmen. So bleibt insbesondere offen, ob Jakob tatsächlich Mehrwertsteuerschulden nicht weitergeleitet hat.

Dieselben und ähnliche Vorwürfe wurden bereits vor fünf Jahren erhoben. Damals ging es nebst den Steuerschulden auch um Pensionskassenbeiträge, die nicht weitergeleitet, und Löhne, die vorübergehend nicht bezahlt wurden. Die Gewerkschaft Unia setzte Druck auf, und Jakob zeigte sich überzeugt, dass diese eine Hetzjagd veranstalte.

Schliesslich kam er einer Forderung der Gewerkschaft nach und trat aus der städtischen Beschaffungskommission zurück. Zu einem allfälligen politischen Hintergrund der aktuellen Vorwürfe will Jakob nicht Stellung nehmen.

Zu sanfter Sanierung überredet?

Die Eigentümer schildern den Sachverhalt anders. Sie seien von Anfang an von der Notwendigkeit einer Grundsanierung ausgegangen, sagt Stockwerkeigentümer David Bucher. Jakob habe aber die preisgünstigste Offerte mit der Begründung eingereicht, dass eine sanfte Sanierung «jetzt noch» zu machen sei. Wenn sie zwei Jahre zuwarten würden, sei es zu spät. «Er hat uns die sanfte Sanierung schmackhaft gemacht», sagt Bucher.

Und nun verstecke sich Jakob hinter der Beurteilung seines Lieferanten. Vor der Schlichtungsstelle sei Jakob dazu verknurrt worden, die Fassade wieder instand zu stellen. «Er hat einfach weitergepfuscht», sagt Bucher.

Gemäss neuen Offerten koste die Instandstellung der Fassade 90'000 Franken. «Aufgrund der finanziellen Situation Jakobs wäre eine Klage auf Schadenersatz aber leider chancenlos», sagt Bucher. So müssten sie den Betrag wohl selber berappen.

Der Stockwerkeigentümer betont, dass die Geschichte nichts mit Jakobs politischer Tätigkeit zu tun habe. «Uns geht es um die Sache», sagt Bucher.

Partei stellt sich hinter Jakob

Auch für SVP-Präsident Rudolf Friedli hat die Geschichte nichts mit dem Politiker Jakob zu tun. Dies sei nur für das «linke Staatsfernsehen» der Fall. Die finanziellen Probleme Jakobs seien nichts Neues. Solange nicht etwas Strafrechtliches oder moralisch Verwerfliches vorliege, seien die Vorwürfe nicht von Interesse.

«Roland Jakob lebt nicht auf grossem Fuss. Wenn er genug Geld hätte, würde er alles zurückbezahlen», sagt Friedli. (Der Bund)

Erstellt: 18.05.2016, 22:02 Uhr

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