Prämien steigen 2012 kaum – dafür zahlt der Kanton

Die Krankenkassenprämien der Visana steigen überhaupt nicht, jene der KPT nur «sehr moderat». Der Grund dafür ist ein neues Gesetz.

Die Visana preschte mit der Nachricht vor, sie könne in 15 Kantonen mit einer Prämien-Nullrunde aufwarten.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Die Visana preschte mit der Nachricht vor, sie könne in 15 Kantonen mit einer Prämien-Nullrunde aufwarten.

(Bild: Keystone)

Adrian Sulc@adriansulc

Es gehört zum Herbst wie die fallenden Blätter: Schweizer Krankenkassen kündigen dann reihum Prämienerhöhungen an. Jahr für Jahr steigen die Kosten im Gesundheitswesen. Am Dienstag preschte jedoch die Visana mit der Nachricht vor, sie könne in 15 Kantonen mit einer Prämien-Nullrunde aufwarten. Wer im Kanton Bern bei der Visana oder ihren Töchtern Vivacare oder Sana 24 versichert ist, wird nächstes Jahr also die gleiche Prämie bezahlen wie dieses Jahr (bei der Sana 24 gar 2 Prozent weniger).

Warum sie so «attraktive Prämien» anbieten kann, schreibt die Visana in ihrer Mitteilung nicht: Am 1. Januar 2012 tritt ein neuer nationaler Verteilschlüssel für die Spitalkosten in Kraft, die neue Spitalfinanzierung. Je nach Status quo entlastet dieser neue Schlüssel die Versicherer und wälzt Kosten auf den Kanton über – oder umgekehrt. Im Kanton Bern ist Ersteres der Fall.

Konkret: Was die Versicherten weniger an Prämien bezahlen müssen, belastet die Kantonsfinanzen und damit die Steuerzahler. Die 2007 von den eidgenössischen Räten beschlossene neue Spitalfinanzierung beschert dem Kanton Bern ab nächstem Jahr wiederkehrende Mehrkosten von 260 Millionen Franken &endash was den Finanzpolitikern bereits heute Bauchweh bereitet. Um jene 260 Millionen Franken werden nun im Kanton Bern die obligatorische Krankenversicherung (200 Millionen) sowie die Zusatzversicherungen (60 Millionen) entlastet.

Gesundheitskosten im Rahmen

Die Prämien-Nullrunde der Visana lässt also nicht auf stagnierende Gesundheitskosten schliessen. Immerhin steigen diese heuer um lediglich 3 bis 4 Prozent, wie Visana-Sprecher Christian Beusch sagt. Drei Faktoren hemmen laut Beusch die Kostensteigerung:

• Tiefere Medikamentenpreise: Die Arbeit der Bundesräte Couchepin und Burkhalter zeigt nun Wirkung.

• Leicht tiefere Spitalkosten: Die stationären Kosten gehen zurück, und die ambulanten Kosten steigen nicht in gleichem Masse.

• Tiefere Pflegekosten in Heimen: Diese sind gesunken, ohne dass die Krankenkassenbranche weiss, warum.

Auch die nach der Visana zweitgrösste Berner Krankenkasse, die KPT, wird ihre Prämien im Kanton Bern nur «sehr moderat» erhöhen, wie KPT-Sprecher Reto Egloff sagt. Und wie die Zeitung «Der Sonntag» berichtete, plant die Helsana gar Prämiensenkungen in mehreren Kantonen – darunter womöglich auch im Kanton Bern.

Ob auch die Billigkassen ihre Prämien für das nächste Jahr halten können, ist hingegen offen. Denn am 1. Januar 2012 tritt auch ein veränderter Risikoausgleich zwischen den Versicherern in Kraft, der für Kassen mit vielen jungen, gesunden Versicherten wiederum teuer werden könnte. Ein Prämienvergleich wird sich im Herbst so oder so lohnen.

Der Bund

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