Perrenoud setzt Rotstift bei Spitälern an

Wegen der Krise will Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud 2010 bei den Spitälern sparen. Diese rechnen nun teils auch mit einem Stellenabbau.

SP-Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud setzt den Rotstift bei den bernischen Spitälern an. Im April hat er sich an die Regionalspitäler, das Inselspital und die Rehakliniken gewandt. 2010 würden dem Gesundheitswesen weniger Mittel zur Verfügung stehen als im laufenden Jahr, warnt Perrenoud im Brief, der dem «Bund» vorliegt. Demnach soll die sogenannte Baserate, die Abgeltung, welche die Spitäler vom Kanton für eine Spitalbehandlung erhalten, «im einstelligen Prozentbereich» gesenkt werden. Pro Fall erhalten die Spitäler im Durchschnitt etwa 10 000 Franken. Hintergrund des Sparbefehls ist nicht die Kostenexplosion im Gesundheitswesen, sondern rückläufige Steuererträge. Aufgrund des wirtschaftlichen Umfelds rechne der Kanton mit sinkenden Einnahmen, schreibt Perrenoud. Der Sparauftrag ist Teil der Bemühungen des Regierungsrates, eine Neuverschuldung zu vermeiden, und noch nicht beschlossen. Laut Jean-Philippe Jeannerat, Stabschef bei der Gesundheitsdirektion (GEF), will Perrenoud damit rund 20 Millionen Franken einsparen. Dem Vernehmen nach sind die Spital-Netz Bern AG mit rund fünf Millionen und die Spital Region Oberaargau AG (SRO) mit rund zwei Millionen betroffen. Vergangene Woche haben sich die Spitaldirektoren mit der GEF getroffen. Inselspital: «Harter Sparauftrag»Am stärksten tangiert ist indes das Inselspital als grösstes bernisches Spital. Gerold Bolinger, Direktor Dienste des Inselspitals, rechnet mit einer Senkung der Baserate von mindestens zwei Prozent – dies mache 13 Millionen Franken aus. «Es ist ein harter Sparauftrag», sagt er. Die Leitung des Inselspitals hat nun die Kliniken und Institute beauftragt, die Budgets für 2010 um zwei Prozent zu kürzen. «Die Kürzung muss bei unveränderter Leistungserbringung erfolgen», sagt Bolinger. Auch Bruno Haudenschild, Direktor des Regionalspitals Emmental, rechnet mit harten Entscheiden. «Sparauflagen ohne Stellenabbau sind nicht möglich», sagt er. Dies sei für alle Regionalspitäler ein Thema. Denn: Bei den Spitälern macht der Personalaufwand im Durchschnitt zwischen 60 und 70 Prozent der Gesamtkosten aus. Für Fachleute gibt es denn auch keinen anderen Weg, als unter anderem beim Personal zu sparen. Haudenschild will aber auch Prozesse optimieren und die Zusammenarbeit mit nachgelagerten Institutionen verbessern, etwa mit den Pflegeheimen. «Spitäler, die schon heute am Limit sind, haben es noch schwerer», sagt Beat Straubhaar, Direktor der Spitalgruppe Thun Simmental AG (STS). Die STS habe ihre Hausaufgaben früh gemacht und kooperiere bei der Augenchirurgie etwa mit der Klinik Hohmad. Zudem habe das Spital Thun im vergangenen Jahr einen starken Patientenzuwachs verzeichnet – und erhält damit auch mehr Abgeltungen. Kritik von links und rechtsDer Kanton könne nicht das Geld kürzen und gleichzeitig von den Regionalspitälern erwarten, eine umfassende Grundversorgung anzubieten, sagt BDP-Grossrat und SRO-Verwaltungsratspräsident Dieter Wiedmer. Der grüne Grossrat Blaise Kropf (Bern) hat zwar Verständnis für den Spardruck der Regierung. «Wir können nicht einfach auf bessere Zeiten warten.» Gleichzeitig erachtet er Perrenouds Pläne aber als «hoch problematisch». Es sei «illusorisch», von den Spitälern mit weniger Geld die gleichen Leistungen einzufordern. Die Lage im Gesundheitswesen sei bereits angespannt. Laut Kropf würde der Kanton besser bei den Strukturen der Spitäler ansetzen – Fachleute gehen von einer Spitalüberversorgung im Raum Bern aus. VPOD-Gewerkschaftssekretärin Bettina Dauwalder will ebenfalls eher beim Angebot der Spitäler ansetzen, auch wenn Strukturanpassungen hart seien. «Die Spitäler werden nicht darum herumkommen, zu schauen, wo sie was noch anbieten können.» Die Gewerkschaften würden sich entschieden wehren, auf dem Buckel des Personals zu sparen. >

Der Bund

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