Nur eine Dosis Mann

Die Rolle der Männer am Streik: Eine Schicht für eine weibliche Kollegin übernehmen oder für die demonstrierenden Frauen kochen.

Auch Männer solidarisieren sich mit den Frauen. Sie möchten aber im Hintergrund bleiben.

Auch Männer solidarisieren sich mit den Frauen. Sie möchten aber im Hintergrund bleiben.

(Bild: Susanne Keller)

Was machen eigentlich die Männer am Frauenstreiktag? Schweizweit gibt es die unterschiedlichsten Antworten auf diese Frage. So fordern einzelne Komitees, dass einzig Frauen beim Streik mitmachen dürfen. Die Berner Frauenstreikkoordination ist etwas toleranter: Sie spricht sich grundsätzlich nicht gegen eine Beteiligung der Männer aus. «Wir appellieren an die Männer, den Streik zu unterstützen», sagt Patricia D’Incau.

Die Männer sollen eine konkrete Unterstützung bieten, die es den Frauen ermöglicht, sich am Streik zu beteiligen. Eine auf der offiziellen Seite der Koordinationsgruppe aufgeschaltete 12-Punkte-Liste bietet konkrete Vorschläge. So heisst es beispielsweise: «Du bist ein Freund: Dann schlage vor, die Kinderbetreuung zu übernehmen.» Oder: «Du bist ein Arbeitskollege: Dann biete an, am Tag des Streiks die Schicht einer Kollegin* zu übernehmen.» Die Kundgebung in Bern sei offen für alle – die «Demospitze» gehöre aber den Frauen, sagt D’Incau weiter.

«Du bist ein Kollege: Dann biete an, die Schicht einer Kollegin zu übernehmen.»Tipp an die Männer, 12-Punkte-Liste der Frauen

Bei der Unia klingt es ähnlich: Eine solidarische Unterstützung wird gerne gesehen. Helfer sollen Hand anlegen und anpacken, so Leena Schmitter, Mediensprecherin der Unia. Sie präzisiert allerdings: «An den Kundgebungen stehen die Frauen im Vordergrund, so wie das am 1. Mai bereits sehr gut und selbstverständlich geschehen ist.»

Männer kochen

Ganz in diesem Sinne übernehmen die Männer am 14. Juni in Bern rein unterstützende Aufgaben: Auf dem Bundesplatz wird in erster Linie für die weiblichen Helfer gekocht, im «Chinderchübu» an der Sulgenbachstrasse Kinder gehütet. Auch für den Auf- und Abbau der Bühne auf dem Bundesplatz konnten sich spezifisch Männer in einen vom Gewerkschaftsbund Bern lancierten Einsatzplan eintragen. An einem «Vätertreff» sollen sich Männer über Themen wie Lohn- und Chancengleichheit im Beruf, Elternzeit oder gemeinsame Kinderbetreuung austauschen. Denn: «Viele Forderungen der streikenden Frauen* betreffen uns alle», schreibt die solidarische Männergruppe Bern.

Diese hat sich aktiv auf den Streiktag vorbereitet, um die Frauen zu unterstützen und sich mit ihren Anliegen zu solidarisieren. Seit Anfang Jahr haben sich die «Soli-Männer» regelmässig getroffen. Heute umfasst die Gruppe ungefähr 30 Männer. «In erster Linie sollen die Frauen zu Wort kommen», heisst es. Deshalb halten sich die Männer bewusst im Hintergrund und geben nur wenig Auskunft über ihr Tun. David Böhner, der seit dem ersten Treffen dabei ist, verrät nur eines: «Wir sind für den Streiktag bereit.»

Neben der Gruppe gibt es auch Männer, die sich dem Thema Frauenstreik angenommen haben. So etwa der Coiffeur David von Graffenried, der in Bern das Geschäft Kopfstand führt. Auf der Website des Ladens wendet er sich an die Männer: «Liebe Männer: Unterstützt die Frauen und kämpft mit!» Da er in einem Frauenberuf arbeite und selbst Kinder habe, sei er auf Themen wie Rollenbilder sensibilisiert, so von Graffenried. Vom Streik erhofft er sich deshalb, dass die Frauen mehr Aufmerksamkeit erhalten und mehr Bewusstsein geschaffen wird.

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