Nationalrat will das Munitionslager Mitholz rasch räumen

Das ehemalige Munitionslager im Berner Oberland ist gefährlich, darin sind sich alle einig. Nun drängt auch der Nationalrat auf eine rasche Lösung.

Der Eingang zum ehemaligen Munitionslager Mitholz.

Der Eingang zum ehemaligen Munitionslager Mitholz.

(Bild: Raphael Moser)

Das ehemalige Munitionslager der Armee in Mitholz im Berner Oberland soll rasch komplett gefahrlos gemacht werden. Das fordert der Nationalrat. Er hat am Freitag eine entsprechende Motion von Jürg Grossen (GLP/BE) angenommen.

Der Bundesrat hatte die Ablehnung beantragt. Verteidigungsministerin Viola Amherd versicherte, sie würde das Problem auch lieber heute als morgen lösen. Rasch sei das aber nicht möglich. Laut den Experten steige nämlich das Risiko einer Explosion mit Beginn einer Räumung markant an.

Eine Kernfrage sei deshalb, wie bei der Räumung die Sicherheit gewährleistet werden könne. Alle Beteiligten arbeiteten mit Hochdruck daran, sagte Amherd. Zurzeit wird ein Zwischenbericht mit Empfehlungen erarbeitet. Dieser soll laut Amherd nach den Sommerferien vorliegen.

Vollständige oder teilweise Räumung

Bereits jetzt könne sie sagen, dass der Fokus der empfohlenen Varianten auf einer vollständigen oder zumindest teilweisen Räumung liege, sagte die Verteidigungsministerin. Zum heutigen Zeitpunkt könne der Bundesrat aber nicht zusichern, dass dies komplett gefahrlos möglich sei. Der Nationalrat setzte jedoch ein Zeichen und hiess die Motion mit 131 zu 41 Stimmen bei 4 Enthaltungen gut. Darüber muss noch der Ständerat entscheiden.

Vor rund einem Jahr war der Bericht einer Expertengruppe publiziert worden. Dieser kam zum Schluss, dass im ehemaligen Munitionslager ein höheres Risiko für eine weitere Explosion von Munitionsrückständen besteht als angenommen. In den eingestürzten Anlageteilen und im Schuttkegel davor befinden sich noch rund 3500 Bruttotonnen Munition mit mehreren Hundert Tonnen Sprengstoff. Äussere Einwirkungen wie ein Felssturz, ein Einsturz weiterer Anlageteile oder auch eine Selbstzündung der verschütteten Munitionsrückstände könnten eine Explosion verursachen. Laut den Experten werden die Grenzwerte im Umgang mit Risiken nicht eingehalten.

Entscheide bis Mitte 2020

Bis Mitte 2020 sollen die Varianten zur Beseitigung beziehungsweise Senkung des Risikos so weit abgeklärt sein, dass konkrete Entscheide getroffen werden können. Bei einer Informationsveranstaltung vom Herbst 2018 hatten die Einwohnerinnen und Einwohner von Mitholz deutlich gemacht, dass sie eine vollständige Räumung des Munitionslagers erwarten.

1947 hatten drei grosse Explosionen etwa die Hälfte der in Mitholz eingelagerten 7000 Bruttotonnen Munition vernichtet. Neun Menschen starben, als herumfliegende Felsbrocken Häuser trafen, sieben Menschen wurden verletzt und 200 verloren ihr Obdach.

cse/sda

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