Naphthalin schadet dem Schulklima

95 von 264 Berner Schulanlagen und Kindergärten könnten naphthalinbelastet sein. Zwar bestehe keine Gefährdung der Gesundheit. Trotzdem sollen alle betroffenen Gebäude auf Schadstoffe überprüft werden.

Im Schulhaus Manuel wurden wegen der Naphthalinbelastung zwei Schulzimmer geschlossen.

Im Schulhaus Manuel wurden wegen der Naphthalinbelastung zwei Schulzimmer geschlossen. Bild: Adrian Moser

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Stinkt es in einem Gebäude nach Mottenkugeln, kann das ein Hinweis auf Naphthalin sein. Seit bekannt ist, dass die Messwerte für den Schadstoff in drei Schulanlagen der Stadt Bern über dem WHO-Richtwert von 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegen, sind sowohl Eltern, Lehrer als auch Behörden verunsichert. «Naphthalin ist für uns ein völlig neues Problem», sagte Irene Hänsenberger, Leiterin des Schulamts, gestern an einer gemeinsamen Medienkonferenz von Stadtbauten Bern und der Stadt Bern.

Das Teeröl Naphthalin wurde zwischen den Fünfziger- und den Achtzigerjahren zur Isolierung von Böden sowie als Feucht- und Insektenschutz verwendet. Heute ist es verboten. Doch 95 von 264 Berner Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten – deren Eigentümerin die Stadtbauten sind – wurden genau in dem Zeitraum gebaut, als Naphthalin noch als Baustoff eingesetzt wurde. Theoretisch könnten sie alle von einer Naphthalinbelastung betroffen sein, bestätigte René Tschanz von den Stadtbauten Bern anlässlich der Medienkonferenz.

Schadstofffreie Schulräume

Doch zurzeit wisse man weder genau, mit welcher Messmethode man den Schadstoff messen soll, noch könne man bereits Angaben über die Anzahl betroffener Gebäude machen. «Wie viele Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten insgesamt betroffen sind, wissen wir nicht», sagte Tschanz. Er geht allerdings davon aus, dass noch weitere Anlagen hinzukommen werden. Momentan sind es zwei Anlagen, die geprüft werden. Um welche es sich dabei handelt, wollte er nicht bekannt geben.

«Unser Ziel ist es, dass alle Schul- und Kindergartenanlagen schadstofffrei sind», betonte Hänsenberger gestern nicht zum ersten Mal. Dies sei eine Grundvoraussetzung, damit die Stadt Schulräume mit gutem Lernklima zur Verfügung stellen könne. Deshalb sollen alle Berner Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten auf Naphthalin und andere Schadstoffe untersucht werden. Überall wo Naphthalin nachgewiesen werden kann, müsse man überlegen, wie man weiter vorgehe, sagte Tschanz, ob man schliesse, saniere oder den Betrieb unter Einhaltung eines strengen Lüftregimes weiterführe.

Keine Gefahr für Schüler

Die bisher gemessenen Naphthalin-Werte seien nicht gesundheitsschädigend, sondern bedeuteten primär eine Belästigung durch den Geruch, erklärte Annemarie Tschumper, Leiterin Gesundheitsdienste: «Wenn es stinkt, ist es lästig.» Auch kann der Geruch zu Befindlichkeitsstörungen wie Reizempfindungen an Haut und Atemwegen, zu Kopfschmerzen oder zu Übelkeit führen. «Darüber hinaus sind keine gesundheitlichen Risiken zu erwarten», sagte sie. Daher steht Tschumper auch dafür ein, dass betroffene Schulen wie die Manuel-Schule weiterbetrieben werden.

Angefangen hat die Naphthalin-Welle im Kindergarten Haspelweg. Ein Vater, selber Baubiologe, wurde darauf aufmerksam, weil sein Kind nach Mottenkugeln stank. Sein Verdacht bestätigte sich. Der Kindergarten wurde Anfang April geräumt. Er wird nun abgerissen und durch einen Doppelkindergarten ersetzt. Auch im Schulhaus Manuel überstieg die Naphthalinmessung den Richtwert. In einem Viertel der Räume hat man laut René Tschanz eine Konzentration zwischen 20 bis 50 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Zwei Klassenzimmer wurden vorsorglich bereits geschlossen. In den anderen Räumen werden die Fenster während des Unterrichts regelmässig geöffnet. «Durch regelmässiges Lüften lässt sich die Luftbelastung sowie die Geruchsbelästigung vermindern», sagte Tschanz. Die beiden geschlossenen Schulzimmer werden in den Herbstferien saniert. Er erhofft sich daraus Erkenntnisgewinne für die Zukunft.

Worstcase-Szenario gibt es nicht

Aktuellster Fall ist der Kindergarten Rossfeld, wo die Messwerte eine Naphthalin-Konzentration von 34, beziehungsweise 20 Mikrogramm pro Kubikmeter anzeigten. Der Kindergarten soll 2012 saniert werden. Bis dahin wird dem Gift ebenfalls mit Lüften begegnet.

Doch was, wenn sich herausstellt, dass viel mehr Gebäude naphthalinbelastet sind als vermutet? Tschanz: «Wenn wir überrannt werden, haben wir ein Problem.» In diesem Falle würde man zuerst die Anlagen sanieren, die am schlimmsten betroffen seien, sagte er. Müsste man Ersatzräume finden, könnte es knapp werden. Bei Kindergärten sei das noch einfacher als bei ganzen Schulanlagen. Momentan geht man aber nicht vom Schlimmsten aus – ein Worstcase-Szenario gibt es bisher nicht. (Der Bund)

Erstellt: 06.09.2011, 06:40 Uhr

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