Nach dem Spiegelei eine warme Dusche

In einem Wohnmobil ist man unterwegs und zugleich zu Hause. Der «Bund» hat ausprobiert, wie gut es sich im Eigenheim auf Rädern wirklich schläft und lebt.

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Nachts ist es draussen kalt. Doch der «Bund»-Gast im Wohnmobil friert nicht. Immer wieder vernimmt er vor dem Einschlafen ein leises Blasen und Rumpeln, wenn die Gasheizung einsetzt und warme Luft aus den Rohren strömt, bis die am Thermostat eingestellte Temperatur von 18 Grad Celsius erreicht ist. Späht er nach draussen – die Rollos sind noch nicht zugezogen –, bemerkt er Bewohner der anderen Wohnmobile auf der Allmend hinter dem Berner Messegelände, die leicht bekleidet mit einem Necessaire dem zentralen Sanitärbereich zustreben. Einige dieser Aussteller oder Messebesucher hausen in umgebauten Kleinbussen, in denen es zwar Betten und sogar eine Küchenzeile gibt, aber kein Bad. Andere schonen den vorhandenen Fäkalien- und Abwassertank im eigenen Fahrzeug, damit er nicht so bald geleert werden muss.

Der «Bund»-Gast verbringt nur eine Nacht in seinem vierrädrigen Zuhause der französischen Marke Pilote, weshalb er die Entleerungstätigkeit gerne in house erledigt. Die in Hindelbank ansässige Camping-Firma Bantam hat ihm das sechs Meter lange Gefährt mit dem Beinamen Essentiel zur Verfügung gestellt. Es stimmt, die essenziellen Dinge sind vorhanden: Wärme, Licht, Frischwasser, Gas und «Landstrom», denn das Mobil ist mittels Kabel ans 220-Volt-Stromnetz angeschlossen. Ein Bantam-Mitarbeiter hat die Vorderräder des Fahrzeugs geschickt auf zwei Keile manövriert, um die Schräge des Platzes etwas auszugleichen. Es gibt Luxusmobile, die das auf Knopfdruck mittels Stützen automatisch erledigen.

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Ein besonders eindrucksvolles Exemplar dieses Genres hat der Gast in der Messehalle bestaunt: 430'000 Franken kostet die Eigentumswohnung auf Rädern. «Mein Wohnmobil ist grösser», sagt ein Aussteller, mit dem der Gast ins Gespräch kommt. «Ich habe meine Wohnung verkauft», sagt der Mann, der ständig im Auto lebt. Dieses residiert auf dem Parkplatz hinter der Messehalle – ein Nachbar also. Der Platz sei super, gross und schön, sagt er: «Auf manchen Campingplätzen lassen sie mich fast nicht herein.» Dieses Problem kennt nicht, wer den schnuckligen VW-Bully-Bus fährt, der an der Messe gezeigt wird. Mit solchen Vehikeln ratterten junge Leute vor 50 Jahren gen Indien – mit einer selbst gedrehten Zigarette im Mund. «Spiessige» Campingplätze liessen sie links liegen.

Es ist Morgen. Wieder hat der «Bund»-Gast Mühe, auf Anhieb die richtigen Lichtknöpfe zu erwischen. Am Hauptpanel drückt er auf Aux, und das Radio spielt. Der Geschirrkiste entnimmt er Teller, Besteck – und eine Bratpfanne, denn zu einem Hotelfrühstück gehören Spiegeleier. Der zweiflammige Gasherd arbeitet ohne Verzug: Die Butter läuft an den Pfannenrand, denn ganz plan steht das Fahrzeug nicht. Die Eier gelingen, und niemand soll meinen, dass der nörgelnde «Aufgetischt»-Schreiber so etwas nicht hinbrächte.

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Dann dreht der «Bund»-Gast Wand und WC zur Seite, und es erscheint eine geräumige Duschkabine. Unter dem warmen Strom wird er richtig wach. Doch gefahren ist er noch keinen Meter. So ist es verabredet – und es ist vielleicht auch besser so. Vor Jahren mietete er bei besagter Firma ein nagelneues Wohnmobil und brachte es am ersten Tag fertig, beim Rückwärtsfahren die Stossstange aus Plastik plattzumachen. Der Selbstbehalt war empfindlich hoch, ebenso die Busse am Bielersee, als es blitzte, weil der Lenker nur darauf konzentriert war, die Übersicht über das lange Gefährt zu bewahren. «Für dieses Geld hätten wir etliche Nächte im Viersternhotel verbringen können», maulten die Frauen. Aber was verstehen die schon von der grenzenlosen Freiheit des Reisens? (Der Bund)

Erstellt: 27.10.2017, 06:46 Uhr

Immer komfortabler

Der am Donnerstag eröffnete Suisse Caravan Salon ist die 50. Auflage. Die erste Messe fand 1964 statt – in Zürich. Nach der Pionierzeit mit Zeltplätzen, die oft ohne sanitäre Einrichtungen waren, galt der Wohnwagen als Mass aller Dinge. Nach mehrjähriger Pause fand die Messe 1976 erstmals in Bern statt, um welsche Besucher eher anzulocken. Im Trend waren nun Zelt-Klappanhänger.

In den späten 1980er-Jahren schwappte aus den USA die Motorcaravan-Welle herüber. Die Wohnmobile wurden sicherer, schöner und komfortabler und enthielten Dusche und WC. In diesem rasch wachsenden Segment buhlen um die hundert Marken um Kundschaft. Etliche gehören zum deutschen Hymer-Konzern oder zur französischen Trigano-Gruppe. Es gibt Einsteigermarken, die gezielt Kunden mit kleinerem Budget ansprechen. Die Messe an der Bernexpo dauert noch bis Sonntagabend. Gastregion ist das Camper-Paradies Mecklenburg-Vorpommern.

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