Murat Yakins grossartige Rückkehr

Murat Yakin kehrte mit Aufsteiger Thun nach Basel zurück und verliess den St.-Jakob-Park als Sieger. Er hatte seine Mannschaft perfekt eingestellt.

Murat Yakin nimmt die Gratulation von FCB-Trainer Fink entgegen. (Keystone)

Murat Yakin nimmt die Gratulation von FCB-Trainer Fink entgegen. (Keystone)

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Thun-Trainer Murat Yakin setzte sein breitestes Lächeln auf. Soeben hatte der schwache österreichische Schiedsrichter Dietmar Drabek das Spiel zwischen Ligakrösus Basel und Aufsteiger Thun abgepfiffen. Das Bild, das die grosse Anzeigetafel im St.-Jakob-Park zeigte, wird sich für immer im Kopf von Yakin festsetzen: Basel 1, Thun 3. Der erste Sieg der Oberländer in Basel in der neueren Fussball-Zeitrechnung.

Yakin meinte nach dem Spiel, es sei ­alles perfekt für Thun gelaufen. Die frühe Führung durch den von Scarione verwandelten Elfmeter sei ihrer Spielweise entgegengekommen. Das ist nur die halbe Wahrheit. Vielmehr hatte der junge Trainer, der noch am Tag zuvor in ­Magglingen seine Prüfung für die Uefa-Pro-Lizenz abgelegt hatte, sein Team ­perfekt eingestellt. Yakin hatte in seiner Karriere selbst während insgesamt sieben Jahren beim FC Basel gespielt und war bei den Höhepunkten der Bebbi ein tragender Teil der Mannschaft. Darum wusste er: «Wer sich in Basel hinten hineinstellt, kommt früher oder später unter die Räder.» Folglich liess er seine Spieler frech vorchecken. Glarner und Andrist auf den Seiten, Proschwitz als einzige Sturmspitze wie auch Spielmacher ­Scarione attackierten die Basler sehr früh und brachten den Favoriten damit aus dem Konzept. «Es braucht Mut, in Basel vor 30?000 Zuschauern so aufzutreten. Und eine körperliche Topleistung. Deshalb bin ich besonders stolz auf meine Mannschaft», so Yakin weiter.

Thuns Trainer hatte seinen Spielern unter der Woche eingeimpft, mutig und frech zu spielen, und dass der Druck aufseiten der Basler liege. Sie selbst hätten als Aufsteiger nichts zu verlieren. Timm Klose, selber ein Basler, erklärte: «Yakin hat uns gesagt, wir sollen daran denken, was uns gelingen, und nicht daran, was schieflaufen könne.» Der Plan ging auf.

Dabei stellt sich auch die Huhn-oder-Ei-Frage. War Thun so stark oder ­Basel so schlecht? Für Basels Trainer Thorsten Fink war klar: «Eine der beiden Mannschaften war überheblich, die andere topmotiviert.» Um dann auch deutlich zu sagen, dass seine Mannschaft Thun unterschätzt habe. Es ist ein schmaler Grat zwischen zur Schau gestelltem Selbstvertrauen à la Bayern München, welches Fink in Basel leben möchte, und der unverständlichen Überheblichkeit, die seine Mannschaft am Samstag auf dem Rasen gezeigt hatte.

Inferiore Basler

Der Aussetzer von Aussenverteidiger ­Inkoom, Nationalspieler von Ghana, der sich erst von Glarner ausspielen liess und sich dann nur noch mit einem Foul im Strafraum zu helfen wusste. Der daraus resultierende Penalty führte schon nach sechs Minuten zum 1:0 für Thun. Oder Gilles Yapi, der mit einem unglaublichen Fehlpass am Anfang des 2:0 durch Proschwitz stand und in der zweiten Halbzeit nach einer rüden Attacke gegen Glarner vom Platz gestellt wurde. Das waren nur zwei Beispiele für die desolate Leistung, welche die bestbezahlten Spieler im Schweizer Fussball ablieferten.

Insofern waren die Basler zwar schlecht, die Thuner aber eben auch sehr gut. Das clevere und mutige Spiel der Oberländer in Basel war eine der erfrischendsten Leistungen der laufenden Super-League-Saison. Wer hätte gedacht, dass Murat Yakin den Ort seiner grössten Erfolge auch als Thun-Trainer als Sieger verlässt? (Der Bund)

Erstellt: 15.11.2010, 07:24 Uhr

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