Mühleberg: 26 neue Forderungen zur Sicherheit

Die Atomaufsicht Ensi stellt zusätzliche Sicherheitsforderungen. Und: Das Ensi wirft dem BKW-Verwaltungsrat ungenügende Verantwortung für die Sicherheit vor.

Das AKW Mühleberg erfüllt gemäss ENSI die Sicherheitsanforderunegn, obwohl das Kraftwerk zuviel Radioaktivität an die Umwelt abgibt.<p class='credit'>(Bild: Valérie Chételat (Archiv))</p>

Das AKW Mühleberg erfüllt gemäss ENSI die Sicherheitsanforderunegn, obwohl das Kraftwerk zuviel Radioaktivität an die Umwelt abgibt.

(Bild: Valérie Chételat (Archiv))

Simon Thönen@SimonThoenen

Simon Thönen

Die Mühlen des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) mahlen langsam. Erst jetzt hat das Ensi seine Schlussfolgerungen aus dem Bericht zur periodischen Sicherheitsüberprüfung (PSÜ) gezogen, den die Betreiberin BKW bereits Ende 2010 bei der Atomaufsicht eingereicht hatte.

Der Bericht der BKW war natürlich gut zwei Monate später über weite Strecken schon durch die Ereignisse überholt: durch die Katastrophe in Fukushima am 11. März 2011, die sich in Atomkraftwerken ereignete, die baugleich sind mit Mühleberg, wenn auch teilweise anders nachgerüstet. Das Ensi hat seine Stellungnahme, die es gestern auf seiner Internetseite publizierte, deshalb ergänzt mit Erkenntnissen aus Fukushima. Sowie mit Schlussfolgerungen zu Sicherheitsdefiziten, welche internationalen Beobachtern bei der Inspektion in Mühleberg aufgefallen waren.

Massnahmen für Betrieb bis 2019

Dass das Ensi die Schlussfolgerungen aus dem alten Bericht erst jetzt zieht, begründete Ensi-Vize Georg Schwarz auf der Internetseite der Atomaufsicht so: Das Ensi habe wegen des Gerichtsverfahrens zur Betriebsbewilligungen zuerst seine Forderungen zum «Langzeitbetrieb» formulieren müssen. Erst danach habe es die Auswertung des Berichts von 2010 vornehmen können. Anmerken könnte man, dass auch der Vorschlag der BKW, das AKW Mühleberg mit geringeren Sicherheitsauflagen bis 2019 zu betreiben, das Ensi zu einer neuen Stellungnahme zwang.

Faktisch bedeuten die jetzt publizierten Ensi-Schlussfolgerungen, dass die BKW noch einmal zusätzlich in die Sicherheit von Mühleberg wird investieren müssen, falls sie ihr AKW wirklich bis 2019 betreiben will. Das Ensi stellt insgesamt 26 zusätzliche Forderungen, welche zu den Massnahmen dazukommen, die das Ensi am 21. November angeordnet hat.

Becken für verstrahltes Wasser?

Wie bereits bei der Ensi-Stellungnahme vom November ist allerdings unklar, welche Sicherheitsmassnahmen das Ensi letztlich für nötig hält. Wie damals erhält die BKW auch jetzt Fristen, um Vorschläge zu machen, die das Ensi dann später prüfen wird. Folgende Punkte fallen auf:

•Unzuverlässige Sicherheitsventile? Die BKW wird aufgefordert, «eine Beurteilung der Zuverlässigkeit der verwendeten sicherheitstechnisch klassierten Sicherheitsventile vorzunehmen und mögliche Verbesserungsmassnahmen zu identifizieren». Dafür erhält der Konzern eine Frist bis 30. Juni 2014.

•Weniger Strahlung im Abwasser: Im Normalbetrieb liegt die Radioaktivität des Abwassers aus Mühleberg zwar unter den gesetzlichen Limiten – aber weit über jener, welche die anderen Schweizer AKW ans Abwasser abgeben. Das Ensi fordert Massnahmen zur Reduktion der Strahlung im Abwasser.

•Massnahmen gegen verseuchtes Löschwasser: Fukushima hat gezeigt, dass radioaktiv verseuchtes Löschwasser, welches zur Kühlung der Unglücksreaktoren verwendet wurde, bis heute in den Boden und ins Meer fliesst. Das Ensi fordert bis 30. Juni 2014 ein «Löschwasserrückhaltekonzept für die Gesamtanlage» für den Fall einer Katastrophe.

Rüge für den BKW-Verwaltungsrat

Brisant ist schliesslich ein unüblich klarer Rüffel des Ensi an die BKW: «Aus Sicht des Ensi nimmt der Verwaltungsrat der BKW Energie AG seine Verpflichtung nicht genügend wahr, auf systematische Weise die Sicherheit des KKM zu bewerten, um vorausschauend die nötigen Verbesserungen einzuleiten.»

Der Bund

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