101 Meter über der Bundesstadt

Im Jahr 2014 wird das Berner Münster seinen «Rucksack» für zwei Jahrzehnte ablegen. Bis dahin wird der obere Turmhelm bis zur Spitze restauriert – erstmals seit über einem Jahrhundert.

In schwindelerregender Höhe werden derzeit Arbeiten am Münster vorgenommen.

In schwindelerregender Höhe werden derzeit Arbeiten am Münster vorgenommen. Bild: Valérie Chételat

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Alle Jahre wieder lädt die Berner Münster-Stiftung die Medien zur Baustellenbesichtigung ein. Und jedes Jahr hangeln sich die Journalisten in noch luftigeren Höhen durch die Baugerüste. Zwischen 1954 und 2002 war erst der viereckige Grundbau eingepackt, und Schwindelfreiheit war noch keine Grundvoraussetzung für die Teilnahme am Rundgang. Nach der gerüstlosen Phase bis 2005 wanderte die Baustelle auf eine Höhe von 64 Metern über dem Münsterplatz und umfasste nun das sogenannte Oktagon. In diesem Jahr nun ist die vertikale Wanderbaustelle an der Turmspitze und damit auf rund 101 Metern über Boden angelangt. Somit ist das Gerüst vom Oktagon bis zur Turmspitze die derzeit höchste Baustelle Berns – und gilt mit 16 Etagen und 32 Metern Höhe nach Baurecht selbst als Hochhaus.

Bis Ende Jahr sollen die Arbeiten an der Turmspitze abgeschlossen sein; bereits im Oktober wird das Baugerüst um das Oktagon abgebaut. Etwas länger wird noch am unteren Turmhelm gearbeitet. Erst ab 2014 lässt sich das Münster wieder völlig ohne «Rucksack» bewundern – dann aber gleich für mindestens zwei Jahrzehnte.

Bausubstanz in gutem Zustand

«Was wird denn jetzt schon wieder gemacht?» Die Frage werde ihm in letzter Zeit wieder öfters gestellt, sagt Jürg Schweizer, Präsident des Münsterbaukollegiums. «Gar nichts wird ‹schon wieder› gemacht», antworte er dann jeweils. Seit das 1421 begonnene Berner Münster vor 115 Jahren fertig gebaut worden ist, sei die obere Turmhälfte kaum angetastet worden. Dies obwohl das vergangene Jahrhundert nicht spurlos am Turmhelm vorbeigegangen ist. Die exponierte Lage und die Skelettbauweise unterscheiden den Turmhelm vom Rest des Monumentalbaus. Der Wind pfeife ungebremst durch die filigran geformten Sandsteinblöcke, und Regen gelangt ungehindert ins Innere des Turmhelms.

Dennoch befinde sich der Turmhelm in erstaunlich gutem Zustand. Nur zwei bis drei Prozent der Bausubstanz müssen ausgewechselt werden, ansonsten wird restauriert und nicht ersetzt. Ebenfalls bemerkenswert ist, dass nicht die wetterexponierte Seite des Turmes, sondern die Schattenseite stärker von Wind und Wasser in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Innen- und die Rückseite des Steins trockneten langsamer aus, weil sie nicht von der Sonne beschienen würden, erklärt Schweizer.

Was passiert, wenn die Erde bebt?

Wo nichts ersetzt werden muss, werden in erster Linie Risse repariert, Hohlstellen ausgegossen und die Fugen gesamthaft überholt. Besondere Aufmerksamkeit bekommen diejenigen Risse, welche auf das letzte grosse Erdbeben in der Schweiz im Jahr 1946 zurückgehen. Das Beben mit Epizentrum in Sierre im Rhonetal erschien damals mit einer 6 auf der Richterskala. Trotz der beträchtlichen Entfernung habe es auch in Bern gerüttelt, weiss Münsterarchitekt Hermann Häberli. Bereits damals habe man am Münster einige Werkstücke mit eisernen Hilfskonstruktionen vor dem Abbrechen schützen müssen. 1999 wurden die Massnahmen noch ergänzt. Heute droht den Bernern auf dem Münsterplatz jedenfalls kein Steinschlag mehr.

Aber ist das Münster auch für künftige Erdbeben gewappnet? Häberli holt aus: «Anders als der Rest des Helmes ist die Turmspitze ein Kompaktbau.» Die einzelnen Bauelemente werden durch eine senkrechte, zwölf Meter lange Eisenstange zusammengehalten. An deren Unterseite ist ein 500 Kilogramm schweres Gewicht befestigt. Diese Stange lässt gewisse Schwankungen des Turms zu. Bereits wenn die Glocken läuten, bewegt sich die Turmspitze um etwa sieben Millimeter. Zum Beweis steht Häberli auf die Turmspitze: «Es fühlt sich an wie auf einem Segelmast.» Ausser dass die Stange in Worblaufen gefertigt wurde und (da nicht verzinkt) rostanfällig ist, wisse man herzlich wenig über deren Bauweise. Bisher sei es jedenfalls nicht gelungen, die Stange aus dem Helm zu ziehen. Sämtliche Tests liessen allerdings «mit 99-prozentiger Sicherheit» den Schluss zu, dass die Stange auch heute noch ihre Dienste tue.

Bezüglich Erdbebensicherheit gebe es bei Gebäuden aus dem Mittelalter aber grundsätzlich keine absolute Sicherheit. Es sei letztlich ein Frage der Verhältnismässigkeit, ob man dies überhaupt anstrebe – und zu welchem Preis. «Schliesslich ist das Münster kein AKW», sagt Häberli. Immerhin: Ein Hochwasser dürfte dem Münster nichts anhaben. (Der Bund)

Erstellt: 24.08.2011, 10:54 Uhr

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