Lötschberg-Komitee will weiter für Doppelspur kämpfen

Die Lobbyisten für einen Ausbau des Lötschbergtunnels bedauern die Rückstufung des Projekts durch den Bundesrat.

Arbeiter wechseln eine Hochgeschwindigkeitsweiche im Lötschberg-Basistunnel aus.

Arbeiter wechseln eine Hochgeschwindigkeitsweiche im Lötschberg-Basistunnel aus.

(Bild: Adrian Moser)

Dölf Barben@DoelfBarben

Die Lobby der Lötschberg-Achse mit dem ehemaligen BLS-Direktor Mathias Tromp an der Spitze hat ein klares Ziel: Der 2007 eröffnete, 34,6 Kilometer lange Basistunnel zwischen Frutigen und Raron soll früher oder später durchgehend zweispurig befahrbar sein. Seit Mittwoch ist klar, dass dieses Ziel eher später als früher erreicht werden dürfte.

Der Bundesrat erachtet den Ausbau des mittleren Teils des Tunnels auf zwei Spuren zwar als dringlich – aber doch nicht als so dringlich, dass das Projekt in die erste Ausführungstranche aufgenommen wurde, für die 3,5 Milliarden Franken zur Verfügung gestellt wird und die bis 2025 realisiert sein soll.

Beim Lötschbergtunnel muss man sich stets in Erinnerung rufen, dass er – trotz Doppelportalen auf beiden Seiten – nur auf rund einem Drittel der Strecke auf der Walliser Seite tatsächlich zweispurig befahrbar ist. Auf dem mittleren Abschnitt ist eine zweite Röhre zwar bereits ausgebrochen – sie existiert aber erst im Rohbau und dient als Rettungsstollen. Das erste Ziel des von den Kantonen Bern und Wallis vor anderthalb Jahren lancierten Lötschberg-Komitees ist es, diesen mittleren Abschnitt bis 2025 für knapp 800 Millionen Franken mit Bahntechnik, also mit einem Gleis und einer Stromleitung, auszustatten. Die Länge des zweispurigen Abschnittes würde sich dadurch verdoppeln und die Kapazität des Tunnels erhöhen.

Halbstundentakt liegt nicht drin

«Heute ist der Tunnel voll», sagt Mathias Tromp. Das heisst: Wenn mehr Personenzüge verkehren sollen, wie das gewünscht wird, «müssen Güterzüge raus», wie Tromp sagt. Sämtliche Forderungen, welche den Ausbau des Personenverkehrs oder die Verlagerung von Gütern auf die Schiene betreffen, «kann man grad vergessen – wenn etwas voll ist, dann ist es voll». Der Halbstundentakt Bern–Visp sei so nicht realisierbar.

So schnell will das Lötschberg-Komitee aber nicht aufgeben. Laut Tromp werden nun Möglichkeiten geprüft. Informiert über das weitere Vorgehen wird an der Generalversammlung Anfang März. Die einfachste Möglichkeit wäre laut Tromp, dass das eidgenössische Parlament bei seiner Beratung im Laufe dieses Jahres die Bundesmittel erhöhte. «Dann kann es sagen, welche Projekte es zusätzlich hineinpacken will.»

Kein Anspruch auf den Ausbau

Diskutiert werden im Lötschberg-Komitee auch alternative Finanzierungsideen. Dabei geht es um Abschreibungen in der Höhe von mehreren Dutzend Millionen Franken jährlich, die seit der Inbetriebnahme des Tunnels anfallen, aber in die allgemeine Bundeskasse fliessen. Bis 2030 käme auf diese Weise die Summe zusammen, die für den Ausbau benötigt würde. Allerdings: Selbst wenn eine solche Finanzierung zustande käme, liesse sich daraus kein Anspruch auf den Ausbau ableiten, wie es im Bundesamt für Verkehr heisst. Das letzte Wort hätte so oder so das Parlament.

Vom Komplettausbau auf zwei Spuren ist in den Papieren des Bundesrats noch nichts zu finden. Er würde eine weitere halbe Milliarde Franken kosten. Dazu müsste im nördlichen Drittel der bestehende Rettungsstollen ausgeweitet und mit Bahntechnik ausgestattet werden. Erst dann wäre der Basistunnel kein «gerupftes Huhn» mehr. Als solches war er bei der Eröffnung bezeichnet worden. Im politischen Wettstreit mit der Gotthard-Konkurrenz war für die Westschweiz seinerzeit nicht mehr zu haben als ein gestutzter Lötschberg-Ast. Ohne dieses Zugeständnis hätte es überhaupt keinen Tunnel gegeben.

Auch hier sähe Tromp gern ein rascheres Vorgehen. «Wenn man am Lötschberg etwas macht, sollte man es grad ganz machen.»

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...