Kirchenfeld gegen Handyantenne

Sunrise plant am Rand des Dählhölzliwalds eine neue Mobilfunkanlage. Die Firma will auf einem Tennisplatz eine Natelantenne erstellen. Die Anwohner im Kirchenfeldquartier planen, dagegen Einsprache zu erheben.

Lisa Stalder

Eine Baupublikation, die am 17. November im «Anzeiger Region Bern» erschienenen war, sorgt im Berner Kirchenfeldquartier für grossen Ärger: Der Mobilfunkanbieter Sunrise plant an der Thormannstrasse 78, also auf dem Gelände des Tennisclubs Bellevue, eine neue Mobilfunkanlage. Dabei handelt es sich gemäss Plan um eine Anlage mit einem 20 Meter hohen Mast. Daran sollen drei Antennen sowie zwei Richtstrahlantennen befestigt werden.

Dieses Vorhaben ist vielen im Quartier ein Dorn im Auge: Um es zu verhindern, ruft eine Gruppe von Anwohnerinnen und Anwohnern zu Einsprachen auf. In der letzten Woche wurde an alle betroffenen Haushalte – alle, die im Umkreis von 522 Metern von der geplanten Antenne wohnen – eine Broschüre verteilt. Diese enthält unter anderem eine Vorlage für ein solches Schreiben.

Derzeit könne er nicht genau sagen, wie viele Leute dem Aufruf folgen werden, sagt der betroffene Anwohner Christoph Tschumi auf Anfrage. Er wisse von zahlreichen Einzelparteien, die sich gegen die Antenne wehren werden. Zudem gebe es mindestens eine Sammeleinsprache, der sich bisher mindestens 50 Personen angeschlossen hätten.

«Antenne ist wie Faust aufs Auge»

Die Argumente sind immer etwa die gleichen: So werde moniert, dass der mächtige Mast das Quartier- und Strassenbild der Wohngegend störe. Dies auch vor dem Hintergrund, dass viele umliegende Gebäude unter Denkmalschutz stehen. Den Anwohnern würden stets äusserst strenge Auflagen gemacht, wenn sie beispielsweise ein Dachfenster oder einen Balkon bauen möchten, sagt Tschumi. Dasselbe sollte für die Antenne gelten. Denn: «Die Antenne passt in diesem Gebiet wie die Faust aufs Auge.»

Ein weiteres Argument: Die geplante Mobilfunkanlage käme direkt am Rande des Dählhölzliwalds, einem Naherholungsgebiet, zu stehen. Da das Quartier bereits mit genügend Mobilfunkantennen ausgestattet sei, sei an dieser Stelle keine weitere Anlage nötig, findet Tschumi. Zudem fänden es viele Quartierbewohner störend, dass die Stadt auf ihren eigenen Liegenschaften keine Antennen duldet, diese auf Privatliegenschaften jedoch zulässt.

Clinton Friedman von Alcatel-Lucent, der für Sunrise die Standorte für Mobilfunkanlagen sucht, spricht hingegen von einer «Anlage im üblichen Rahmen». Der Mast werde bis knapp über die Baumgrenze hinaus reichen.

«Willkommener Zustupf»

Das Projekt hat allerdings nicht nur Gegner: Der Vorstand des TC Bellevue sei einst von Sunrise angefragt worden, ob er Land für eine neue Mobilfunkanlage zur Verfügung stellen würde, sagt TC-Präsidentin Christina Gubler auf Anfrage. Nachdem sich der Vorstand dafür ausgesprochen hatte, stimmte auch ein Grossteil der Mitgliederversammlung für die geplante Anlage, wie Gubler weiter sagt. Zudem habe die Burgergemeinde als Grundeigentümerin dem TC Bellevue mitgeteilt, dass sie keine Einwände gegen die Erstellung einer Antenne auf dem Clubgelände habe.

Es sei kein Geheimnis, dass eine solche Mobilfunkanlage dem Tennisclub einen gewissen Mietzins einbringe, sagt die Präsidentin. Wie hoch dieser wäre, wollte Gubler aber nicht sagen. Nur so viel: «Es wäre sicher ein willkommener Zustupf.» Allerdings, betont sie, sei es mitnichten der Fall, dass der Tennisclub ohne diesen Betrag in den nächsten Jahren schliessen müsste. Zudem habe der Tennisclub Bellevue keine Garantie, dass die Antenne auch tatsächlich gebaut werde.

Andere Tennisclubs mit Antennen

Clinton Friedman betont aber, dass «nach Möglichkeit» an diesem Standort gebaut wird. Dies, weil die Wahl des Standortes bereits bei der öffentlichen Vernehmlassung ein strenges Selektionsverfahren durchlaufen habe. Bei der Planung eines Mobilfunkstandortes prüften die Mobilfunkbetreiber sowohl technische als auch strenge umwelt- und raumplanungsrechtliche Rahmenbedingungen, so Friedman. Der Standort müsse sich in ein bestehendes Netz integrieren. Zum weiteren Zeitplan kann sich Friedman derzeit nicht äussern. «Der Zeitpunkt einer möglichen Realisierung ist von diversen Faktoren abhängig.» Das komme unter anderem auf die Einsprachen sowie auf allfällige weitere Abklärungen an.

Sollte die Mobilfunkanlage dereinst bewilligt werden, wäre der TC Bellevue nicht der erste Berner Tennisclub mit einer solchen Anlage: Auf dem TC Rotweiss sowie dem TC Sporting stehen bereits Mobilfunkantennen (siehe Karte). Eine weitere Anlage befindet sich auf dem Gelände der KA-WE-DE.

Der Bund

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