Kein Sonntags-Shopping in der Altstadt

Der Berner Stadtrat lehnt einen Vorstoss für längere Ladenöffnungszeiten an Samstagen und Sonntagen in der unteren Berner Altstadt ab. Die rot-grüne Mehrheit setzte sich mit ihren arbeitsrechtlichen Bedenken durch.

Für die Souvenirläden in der Berner Altstadt gibt es keine generelle Erlaubnis, am Sonntag geöffnet zu haben.

Für die Souvenirläden in der Berner Altstadt gibt es keine generelle Erlaubnis, am Sonntag geöffnet zu haben. Bild: Valérie Chételat

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Henri-Charles Beuchat (CVP) griff zu grossen Vergleichen. Städte wie Paris, Berlin oder London lebten auch vom Einkaufstourismus. Im Unterschied zu Bern könne man dort aber auch abends und an Sonntagen einkaufen. «Wir müssen Arbeitsplätze schaffen und die Logiernächte verdoppeln», sagte Beuchat. Mit einer Motion verlangte er, dass sich der Gemeinderat beim Kanton für eine Aufnahme der Berner Altstadt in die Liste jener Tourismusorte einsetze, deren Läden am Samstag und Sonntag von 6 Uhr früh bis 22.30 Uhr offen haben können. «Dieser Vorstoss rüttelt nicht am generellen Arbeitsverbot an Sonntagen», beteuerte Beuchat.

«Gefährdung fürs Familienleben»

Bei den rot-grünen Parteien stiess er damit auf Granit. «Die Berner Altstadt ist kein Tourismuspark», sagte Christine Michel (GB). Mit der Arbeit an Sonntagen werde das Familienleben der Angestellten im Detailhandel gefährdet. Michel zeigte sich erstaunt, dass just die Familienpartei CVP ein solches Anliegen propagiere. Sie führte auch eine Umfrage der Gewerkschaft Unia ins Feld, wonach sich selbst unter den befragten Ladenbesitzern der unteren Altstadt eine deutliche Mehrheit gegen längere Öffnungszeiten ausgesprochen habe. Thomas Göttin (SP) übte Kritik am Vorgehen des Motionärs. «Seit Jahren suchen die bürgerlichen Parteien gesetzliche Schlupflöcher, um längere Arbeitszeiten durchzusetzen.» Göttins Parteikollege Ruedi Keller wies darauf hin, dass gemäss kantonalem Gesetz bereits heute Lebensmittelläden bis 120 Quadratmeter Grundfläche sonntags offen gehalten werden können. Tania Espinoza (GFL) bemängelte schliesslich die «globale Form» des Vorstosses und lehnte diesen namens der Fraktion ab. Längere Ladenöffnungszeiten für einzelne touristische Läden sollten zwar ermöglicht werden. Ein Ja zu längeren Öffnungszeiten in der Altstadt als Ganzes sei jedoch abzulehnen.

Nause will in «Champions League»

Support erhielt Beuchat von den bürgerlichen Kollegen. Bernhard Eicher (FDP) fand die arbeitsrechtlichen Bedenken deplatziert. «Der Arbeitnehmerschutz wird über das Arbeitsgesetz und nicht über die Ladenöffnungszeiten geregelt.» Laut Erich Hess (SVP) werden mit längeren Öffnungszeiten auch Arbeitsplätze geschaffen. Zudem gehe es nicht um eine Aufhebung des Sonntagsarbeitsverbotes in der ganzen Stadt, sondern nur in einem kleinen Bereich, der touristisch interessant sei. «Wo es nötig ist, soll man am Sonntag die Läden offen halten können», sagte Hess. Jimy Hofer (parteilos) zeigte sich erstaunt, dass von «atheistisch-linker Seite» der Sonntag derart hochgehalten werde. Die untere Altstadt sei abhängig vom Tourismus, sagte Hofer.

«Touristisch ist Bern in den letzten Jahren in die Nationalliga A aufgestiegen», sagte Gemeinderat Reto Nause (CVP) unter Hinweis auf die gestiegenen Logiernächtezahlen. Die Gäste aus dem Ausland suchten auch das Einkaufserlebnis. Um in die «Champions League des Tourismus» zu gelangen, brauche es aber offene Läden in der Kram- und der Gerechtigkeitsgasse. Diese Gassen seien sonntags voll mit Bärenpark-Besuchern, die ratlos vor verschlossenen Türen stünden. Mit offenen Läden könnte Bern noch mehr Touristen anziehen. Nauses Plädoyer blieb chancenlos. Die Motion wurde mit 33 zu 27 Stimmen (bei 6 Enthaltungen) abgelehnt. (Der Bund)

Erstellt: 20.08.2010, 07:19 Uhr

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