Kein Naturpark im Hohgant-Gebiet

Nach Habkerns Nein kann der Naturpark Thunersee-Hohgant nicht wie geplant realisiert werden. In der überzeugten Parkgemeinde Eriz wird an einer weiteren Parkzukunft gezweifelt.

Die Park-Gegner markierten am Montagabend in Habkern Präsenz. (Franziska Scheidegger)

Die Park-Gegner markierten am Montagabend in Habkern Präsenz. (Franziska Scheidegger)

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Bruno Käufeler war guter Dinge vor der Abstimmung in Habkern. Der Projektverantwortliche des Naturparks Thunersee-Hohgant rechnete damit, dass die Bevölkerung dem Beitritt zum Naturpark zustimmen würde. In den vergangenen zwei Wochen hatte Käufeler nämlich «ermutigende Signale» erhalten aus dem Dorf hoch über dem Brienzersee. Insbesondere weil sich ein paar bedeutende Persönlichkeiten in der Gemeinde für einen Beitritt ausgesprochen hatten, war Käufeler überzeugt, dass die Abstimmung anders laufen würde als in Sigriswil. Doch sie verlief ziemlich gleich: Auch Habkern sagte sehr deutlich Nein. Ja, Käufeler spricht von einer «Kopie der Gemeindeversammlung in Sigriswil» Ende April, an welcher der Beitritt zum Naturpark auch wuchtig abgelehnt wurde. Einen bedeutenden Unterschied indes gibt es zwischen den beiden Versammlungen: Die Befürworter des Parks liess man in Habkern zu Wort kommen.

Nochmals zurück an den Start

Mit dem Nein aus Habkern ist nun klar, dass der Naturpark Thunersee-Hohgant in seiner ursprünglich gedachten Version nicht realisiert werden kann. Denn Artikel 8 des Parkvertrags, welcher zwischen den beteiligten Gemeinden und der Trägerschaft abgeschlossen wird, hält klar fest: Lehnen eine oder mehrere Vertragsparteien den Parkvertrag ab, muss er neu ausgehandelt und den Stimmberechtigten aller Gemeinden und dem Vorstand der Trägerschaft neu vorgelegt werden. Eine Ausnahme ist nur möglich, wenn der Anteil der Parkfläche jener Gemeinden, die den Parkbeitritt ablehnen, weniger als 75 Quadratkilometer beträgt. Sigriswil und Habkern zusammen halten indes bereits 106 Quadratkilometer am geplanten Park. Ohne Sigriswil und Habkern fiele der Gemeinde Oberried am Brienzersee nun quasi die Rolle einer Park-Enklave zu – und das geht nicht. Denn der Park muss aus einem geografisch zusammenhängenden Gebietsstück bestehen. Deshalb fällt die Gemeinde Oberried, die einem Parkbeitritt zustimmte, ebenfalls weg und damit 130 Quadratkilometer des Parks.

Für die Parkverantwortlichen hat sich Artikel 8 im Vertrag, den der Kanton ausgearbeitet hat und der zwischen den Gemeinden und der Parkträgerschaft abgeschlossen wird, als eigentlicher Pferdefuss entpuppt. Käufeler spricht sogar von einem «verheerenden» Vertrag. Besagter Artikel zwingt nun alle Beteiligten, nochmals von vorne zu beginnen. Offenbar hat niemand so richtig damit gerechnet, dass der betreffende Artikel jemals zur Anwendung kommen könnte.

Beim Kanton hat man sich indes genau überlegt, weshalb man diesen Artikel in die Verträge hineingenommen hat: «Die Bundesvorgabe lautet, dass die Pärke eine Mindestgrösse haben müssen. Deshalb ist dieser Artikel drin», erklärt Christoph Miesch, Vorsteher des Amts für Gemeinden und Raumordnung.

Wer macht weiter?

Die Frage stellt sich nun, ob jene 19 Gemeinden, die ihre Bereitschaft bekundet haben, beim Park mitzumachen, nach dem Wegfall von Sigriswil und Habkern nach wie vor am Projekt festhalten. Und ergo bereit wären, nochmals von vorne zu beginnen – inklusive der dafür nötigen Abstimmungen.

Daniel Jost ist Gemeindepräsident von Eriz, und er hat sich am Tag nach der Abstimmung in Habkern mit seinen Gemeinderatskollegen getroffen, um über genau diese Frage zu diskutieren. Jost sagt, das Nein der beiden Gemeinden sei zu akzeptieren. Doch er verhehlt seine Enttäuschung und die seiner Ratskollegen nicht: «Nun sind zwei Schlüsselgemeinden weg. So macht das Projekt keinen Sinn mehr. Den Park nun dennoch realisieren zu wollen, käme einer Zwängerei gleich. Wir können nun nicht so tun, als wäre da nichts gewesen.» Dabei freute man sich in Eriz auf den Park, insbesondere auch der Gemeinderat, der sich davon eine Förderung des Tourismus erhoffte. Zwar gab es auch in Eriz Widerstand, vorab seitens der Bauern, doch die Mehrheit der Bevölkerung stimmte einem Parkbeitritt zu. In der Gemeinde gibt es mittlerweile bereits einen Parkladen, in welchem regionale Produkte verkauft werden, und man war daran, weitere Projekte auszuarbeiten.

Nach dem Nein aus Sigriswil und den Bedenken der dortigen Landwirte bezüglich neuer Auflagen ging der Erizer Gemeinderat gar in die Offensive: Man verlangte vom Kanton eine schriftliche Bestätigung, dass der Park wirklich keine neuen Auflagen bringen würde. Daniel Jost blickt trotz allem zuversichtlich in die Zukunft: «Wir werden jetzt auf freiwilliger Ebene die angedachten Projekte weiterführen.» Zwar fehle nun natürlich das Geld für diese, doch das dürfe nicht den Ausschlag dazu geben, aufzuhören: «Wir brauchen wirtschaftliche Entwicklung hier.»

Nun zählt auch das Eriz mit seiner wunderschönen Moorlandschaft zu den Schlüsselgemeinden des Parks. Ohne Eriz stellte sich die Frage noch viel mehr, ob das Projekt überhaupt noch Sinn macht. Beim Kanton will man zuerst «eine Standortbestimung vornehmen, auch mit den Verantwortlichen des zuständigen Bundesamts», sagt Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP). Erst danach soll entschieden werden, wie es weitergeht. Eigentlich hätte der Grosse Rat nächstens über den künftigen jährlichen Rahmenkredit an die vier Pärke im Kanton abstimmen sollen – rund eine Viertelmillion Franken pro Jahr. Vermutlich wird nun vorerst über den Kredit an die drei anderen Pärke abgestimmt werden. (Der Bund)

Erstellt: 19.05.2010, 08:17 Uhr

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