Kanton plant ohne Herzchirurgie an Klinik Beau-Site

Auf der provisorischen Spitalliste 2012 hat die spezialisierte Herzchirurgie nur noch am Inselspital Platz. Die Kooperation von Beau-Site und Insel ist gefährdet.

Matthias Raaflaub

Ende September hat die bernische Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) ihren Entwurf der Spitalliste 2012 publiziert. Zugestellt wurde sie bislang nur den Spitälern. Die Liste ist jedoch seit wenigen Tagen auf dem Internet aufgeschaltet und somit öffentlich einsehbar. Überraschend: Geht es nach der Planung des Kantons, verliert die Hirslanden-Klinik Beau-Site 2012 ihre spezialisierte Herzchirurgie. Sie soll laut der schwierig zu interpretierenden Spitalliste künftig alleine am Universitätsspital angeboten werden. Thomas Spuhler, stellvertretender Vorsteher und Leiter der Abteilung Planung des Spitalamts, bestätigt den Befund auf Anfrage: «Die Klinik Beau-Site hat nicht alle Kriterien hinreichend erfüllt, welche für die Erteilung des Leistungsauftrags relevant sind.»

Herzzentrum droht jähes Ende

Träte die Spitalliste auf den 1. Januar 2012 wie vorgesehen in Kraft, würde sie der erst im September angekündigten Zusammenarbeit von Inselspital und Klinik Beau-Site in der Herzchirurgie ein jähes Ende setzen. Diese Vereinbarung sieht vor, dass die beiden Häuser bei Operationen am offenen Herzen strategisch zusammenarbeiten. Das neue «Zentrum für Herzchirurgie Bern» kommt jedoch nur zustande, wenn beide auf der Spitalliste figurieren. So will es eine Klausel im Vertrag. Noch vor Monatsfrist hatten die Direktionen von Insel und Beau-Site fest damit gerechnet, dass beide Häuser auf der Liste erscheinen würden.

Beau-Site-Direktor Adrian Dennler liess gestern einen Abgesang auf die Zusammenarbeit gar nicht erst zu. Er gibt sich kämpferisch: «Wir sind überhaupt nicht weg von der Liste», sagte er. Laut Dennler hat die Klinik von der GEF zeitgleich ein Schreiben erhalten, dass die Beau-Site mit rund 30 Prozent der Eingriffe hinter dem Inselspital als Nummer zwei bei der Herzchirurgie im Kanton figuriere und damit «versorgungsnotwendig» sei. Zur Liste will Dennler erst Stellung nehmen, wenn er wisse, «dass wir und der Kanton vom selben sprechen». Klar sei, dass es sich vorerst um einen Entwurf handle. An der Art, wie die GEF die Liste veröffentlicht habe, übt Dennler Kritik. Diese verunsichere das Personal jetzt sehr und befeuere die Gerüchteküche.

Insel äussert sich nur knapp

Der Entwurf der Spitalliste stützt sich auf eine Bewertung der Spitäler in drei Hauptbereichen: Die GEF hat die Wirtschaftlichkeit und Qualität der von den Spitälern angebotenen Leistungen überprüft und zudem eruiert, wie wichtig sie für die Versorgung der Regionen und des Kantons sind. Die Leistungen werden dabei detaillierter aufgelistet als je zuvor. Es ist das erste Mal überhaupt, dass sich die GEF an die flächendeckende Prüfung und den Vergleich einzelner Kriterien der Spitäler gemacht hat. Die GEF berücksichtigt bei ihrem «Benchmark» von Qualität und Wirtschaftlichkeit nur je ein Kriterium. Bei der Qualität gäben «potenziell vermeidbare Re-Hospitalisationen» den Ausschlag, sagte Thomas Spuhler – wie häufig es also vorkommt, dass Patienten wegen derselben Diagnose oder desselben Eingriffs binnen eines Monats erneut das Spital aufsuchen müssen. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit war die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Patienten.

Bis zum 28. Oktober haben alle auf der Liste geführten Häuser Zeit, sich zum Entwurf zu äussern. Die Direktion des Inselspitals nahm gestern Abend lediglich knapp schriftlich Stellung. Die Gründe für den Entscheid der GEF seien ihr nicht bekannt. Man gehe zudem davon aus, das die Hirslanden-Klinik Beschwerde einlegen werde, teilte der ärztliche Direktor Andreas Tobler mit.

Der Bund

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