K107 heisst der Übeltäter

Kaputte Türen, ein streikender Schalter: Am diesjährigen Gurtenfestival stieg bereits zweimal die Gurtenbahn aus. Jürg Leuthold, technischer Mitarbeiter des städtischen Betriebs, hat das in 14 Jahren noch nie erlebt.

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Hanna Jordi

Das Relais K107 ist schuld. Der zigarettenschachtelgrosse Schalter kontrolliert normalerweise die Motorfunktion, doch am Samstagabend, kurz vor sieben Uhr, quittierte er den Dienst. Die Folge: Die Gurtenbahn war während einer halben Stunde nicht mehr fahrtüchtig – und das bereits zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen. In solchen Momenten zeigt sich, wo die logistische Achillesferse des Berner Festivals liegt: bei der Gurtenbahn.

Offene Fragen

Normalerweise befördert die Bahn alle fünf Minuten 120 Personen auf den Berg. Fällt sie aus, bleiben Hunderte Besucherinnen und Besucher buchstäblich auf der Strecke. Diese waren denn am Samstag auch gezwungen, den Weg auf den Gurten bei 30 Grad im Schatten zu Fuss auf sich zu nehmen. 322 Meter Höhenunterschied, während derer sie sich allerlei Fragen stellen konnten, etwa: «Hat die Gurtenbahn am Ende bei der Wartung geschlampt?» oder: «Ist die Bahn gar marode – schliesslich stammt sie noch aus dem Jahr 1999?»

Jürg Leuthold, technischer Leiter bei der Gurtenbahn AG, winkt ab: «Solche Pannen bei der Elektronik lassen sich kaum vermeiden - mit der Wartung hat das nichts zu tun.» Er steht im Maschinenraum im Untergeschoss der Gurtenbahn-Bergstation. Das Antriebsrad rotiert angestrengt, der Motor bläst den Besuchern heisse Luft ins Gesicht. Das Zugseil ist damit beschäftigt, die fast 24 Tonnen Bruttogewicht der vollbesetzten Gurtenbahn auf den Berg zu ziehen. Der Lärm ist ohrenbetäubend.

«Äusserst unglücklicher Zufall»

Zweimal im Jahr wird hier eine Wartung durchgeführt, im Frühling und im Herbst je eine Woche lang. Dass ein Relais streikt oder sich wie bei der ersten Panne am Donnerstag die Waggontüren nicht schliessen lassen, ist dann immer noch möglich. «Ich vergleiche das gern mit einem Autoservice: Auch danach kann es passieren, dass plötzlich die Autobatterie aussteigt», so Leuthold, der von sich sagt, «am schönsten Ort Berns» zu arbeiten.

Dass allerdings zwei Pannen so kurz aufeinander den Betrieb aufhalten, und das auch noch während eines Gurtenfestivals, bezeichnet Leuthold als einen «äusserst unglücklichen Zufall». «Seit 14 Jahren arbeite ich hier, und 14 Mal lief die Bahn während des Festivals störungsfrei.» Bloss einmal stand sie still, im Jahr 2000. Das hatte allerdings keine technischen Gründe - jemand hatte einen Abfallcontainer auf die Geleise geworfen. Der Chauffeur konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen, die Pneumatik nahm Schaden.

«Ab jetzt störungsfrei»

Im Vergleich zu jenem Unfall durfte sich Leuthold am Samstag noch glücklich schätzen: Nachdem die Anzeige am Steuerschrank die Störung angezeigt hatte, brauchte er nur noch den Übeltäter - Relais K107 - ausfindig zu machen. Und ihn zu ersetzen.

Und jetzt? Müssen sich die Gurtenfestivalbesucherinnen und -besucher am Sonntag erneut auf einen Gewaltsmarsch bergwärts einstellen? «Ab jetzt fahren wir störungsfrei», prognostiziert Leuthold, um aber sogleich anzufügen: «Und ansonsten haben wir noch genügend Ersatzteile auf Lager.»

DerBund.ch/Newsnet

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