Hintergrund

Im Zeichen des Halbmondes

Ein Bieler Jungunternehmer baut am neuen Wahrzeichen der islamischen Welt in Mekka mit. Dominik Scheurer konstruiert unter anderem den Halbmond zuoberst auf dem zweithöchsten Gebäude der Welt.

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Dominik Scheurer hat sein kleines Büro in einem unscheinbaren Wohnblock in der Nähe des Bieler Strandbodens eingerichtet. Oft ist er hier nicht anzutreffen. Wenn der 28-Jährige nicht gerade beim Rennstall von Ferrari in Maranello gebraucht wird, kümmert er sich in Dubai um sein bisher grösstes und prestigeträchtigstes Projekt. Seine Viermannfirma Scheurer Design & Engineering konstruiert die Zeiger der grössten Uhr der Welt und einen riesigen, begehbaren Halbmond, der das zweithöchste Gebäude der Welt krönen wird. «Das ist schon ein spannender Auftrag», sagt Scheurer lapidar.

Sein Spezialgebiet ist die Konstruktion von ultraleichten und -stabilen Bauteilen aus Kohlefasern. In der Werft seines Vaters in Nidau hatte Scheurer Bootsbauer gelernt und an der Konstruktion von Hightech-Jachten mitgewirkt. Nach Abschluss der Lehre waren seine Erfahrungen mit dem Werkstoff Karbon in der Formel 1 gefragt. Zunächst arbeitete Scheurer im Sauber-Team mit, später wechselte er zu Toyota nach Köln. Nachdem sich die Japaner 2009 aus dem Rennsport zurückgezogen hatten, gründete der junge Schweizer schliesslich seine eigene Firma.

Uhr mit 43 Metern Durchmesser

Derzeit fliegt der Bieler mindestens einmal pro Monat nach Dubai. Dort werden Bauteile für die grösste Baustelle der Welt in Mekka vorfabriziert. In der heiligsten Stadt der Muslime entsteht rund um die Grosse Moschee ein gigantisches neues Quartier – für das gar ein Fort aus dem 18. Jahrhundert dem Erdboden gleichgemacht wurde. Alles überragen wird der Mecca Royal Clock Tower, den die «New York Times» als «Kitsch-Kopie» des Big Ben bezeichnet. Das neue Wahrzeichen der islamischen Welt stellt die Londoner Touristenattraktion jedoch durch seine schiere Grösse in den Schatten. Mit voraussichtlich 621 Metern wird der Turm nach dem Burj Khalifa in Dubai zum zweithöchsten Gebäude der Welt. Mit 43 Metern Durchmesser gilt die Uhr als grösste der Welt.

Die Konstruktion der bis zu 23 Meter langen und 3,5 Meter breiten Zeiger stellte Scheurer vor enorme Herausforderungen. «Durch den Wind wirken auf die Zeiger vergleichbare Kräfte ein, wie auf Rennwagen-Karosserien», sagt der Jungunternehmer. Solch grosse Teile aus Karbon herzustellen, sei für alle technologisches Neuland. Zwei Tonnen Kohlefasern wurden allein für den Minutenzeiger verwendet.

Kaum Interesse am Islam

Die Uhr wird nicht nur den Millionen von Mekka-Pilgern die Gebetszeiten anzeigen. Dereinst soll die ganze islamischen Welt ihre Uhren danach richten. Und muslimische Geistliche fordern gar, dass künftig Mekka und nicht wie früher der Londoner Stadtteil Greenwich Ausgangspunkt für die Weltzeit wird. Solche Überlegungen kümmern Scheurer wenig. Er merke zwar, dass einheimische Mitarbeiter in Dubai und auf der Baustelle vor Ort unglaublich stolz seien, am symbolträchtigen Projekt mitzuarbeiten. Selber aber habe er sich nur am Rande mit dem Islam auseinandergesetzt. Auch die Folgen der Minarettabstimmung oder die Diskussion um den in Biel beheimateten Islamischen Zentralrat interessieren ihn nicht. Viel mehr beschäftigen ihn konkrete Probleme vor Ort.

Als Nichtmuslim darf Scheurer die Heilige Stadt nicht betreten und muss daher alles von Dubai aus koordinieren. Lediglich einmal sei er mit einer Spezialbewilligung in Mekka gewesen. «Die Baustelle ist sowieso schon extrem chaotisch. Durch die vielen Auflagen wird unsere Arbeit noch zusätzlich erschwert», sagt Scheurer. Ursprünglich hätte zum Beispiel der begehbare, 23 Meter grosse Halbmond, der auf der Spitze des Turms montiert werden soll, in Dubai zusammengesetzt werden sollen. Ein russischer Transporthelikopter hätte die Karbonkonstruktion nach Mekka geflogen. Die Behörden haben dem Schweizer Unternehmer nun aber beschieden, dass der Luftraum über Mekka für sämtliche Flüge gesperrt sei. Nun wird der Halbmond, der unter anderem einen exklusiven Gebetsraum und ein Weltraum-Observatorium beherbergen soll, in Dubai probehalber zusammengebaut, danach wieder zerlegt, per Lastwagen nach Mekka gefahren und mit einem Kran in 600 Meter Höhe gehievt.

Zum aussergewöhnlichen Auftrag gekommen ist Scheurer durch einen Bekannten aus dem Rennsport. Der Deutsche Hannes Waimer, der sich durch Boots- und Chassisbau einen Namen gemacht hatte, betreibt heute mit dem Scheich von Abu Dhabi in Dubai die Firma Premiere Composite Technologies. Waimer hat die Verwendung von Glas- und Kohlefasern in der Architektur weiterentwickelt und produziert unter anderem riesige Moscheekuppeln – etwa für die Holy Prophets Mosque in Medina, der zweitwichtigsten Stadt des Islam. In Waimers Fabrik wurden auch Scheurers Bauteile gefertigt.

Einweihung ohne Scheurer

Mit grosser Verspätung wird der Turm zu Mekka voraussichtlich im Sommer vollendet sein. Über eine riesige Lautsprecheranlage werden dann die Muslime vom eigentümlichen Minarett herab zum Gebet gerufen. Im Halbmond an der Spitze werden sich Klappen öffnen und Scheinwerfer zehn Kilometer in den Nachthimmel leuchten. Das Hotel und die Appartements werden sich mit Gläubigen füllen. Je tiefer sie in die Tasche greifen, desto besser ist ihr Blick auf die Kaaba, das wichtigste muslimische Heiligtum. Einzelne Stimmen werden den neuen Gigantismus in Mekka und die Kommerzialisierung der Pilgerfahrt kritisieren. Doch Scheurer und sein Team werden an der Einweihung nicht dabei sein. Im kleinen Büro an der Bieler Badhausstrasse werden sie weiter die Grenzen des Machbaren ausloten oder irgendwo auf der Welt nach neuen Herausforderungen suchen. (Der Bund)

Erstellt: 07.02.2011, 13:23 Uhr

Der 28-jährige Bieler Dominik Scheurer. (zvg)

Pilgerfahrt nach Mekka

Das saudische Königshaus mischt in Mekka Religion und Kommerz.

Der Hadsch, die Pilgerreise der Muslime in die saudi-arabische Stadt Mekka, gehört wie das Gebet oder das Fasten zu den fünf Säulen des Islam. Jeder Muslim – ob Frau oder Mann – ist verpflichtet, einmal in seinem Leben an den Geburtsort des Propheten Mohammed zu reisen – sofern er körperlich dazu in der Lage ist und es sich leisten kann. Mit zunehmendem Wohlstand steigt die Zahl der Pilger von Jahr zu Jahr. Lag sie vor zehn Jahren noch unter zwei Millionen, dürfte sie sich unterdessen bereits drei Millionen annähern. Der Massenauflauf stellt die Behörden vor immer grössere logistische Probleme, bietet dem saudischen Königshaus aber auch kommerzielle Möglichkeiten.

Der Mecca Royal Clock Tower entsteht unmittelbar neben der Grossen Moschee, in deren Innenhof sich die Kaaba befindet. Während ihrer Pilgerfahrt umrunden die Gläubigen den schwarzen Würfel siebenmal gegen den Uhrzeigersinn. Wegen der Nähe zum zentralen Heiligtum des Islam zählt die «New York Times» die rundherum entstehenden Neubauten zu den wertvollsten Immobilien der Welt. In den Gebäuden sind bereits ein gigantisches Einkaufszentrum sowie ein Hotel mit 800 Zimmern in Betrieb. Der Uhrturm sowie die umliegenden Hochhäuser sollen dereinst gegen 100 000 Personen beherbergen können. Zudem werden ein Gebetsraum für 10 000 Pilger sowie ein islamisches Museum eingerichtet.

Islamischer Mondkalender

Der Kommerz geht in Mekka immer auch mit viel religiöser Symbolik einher. Wie bei Moscheen und Minaretten krönt ein Halbmond – das Symbol des Islam – den über 600 Meter hohen Uhrturm. In der begehbaren, vergoldeten Konstruktion soll unter anderem ein Observatorium zur Beobachtung der Mondphasen eingerichtet werden. Diese sind etwa für die Berechnung des Beginns der Fastenzeit oder der Wallfahrt entscheidend. Der islamische Kalender rechnet denn auch nach Mond- und nicht nach Sonnenjahren. Der neue Monat beginnt, wenn die Mondsichel nach Neumond wieder sichtbar wird.

Der gigantische Mecca Royal Clock Tower ist zwar dem Uhrturm des Westminster-Palasts in London nachempfunden, erfüllt jedoch im Prinzip die Funktion eines Minaretts. Über Lautsprecher werden die Gläubigen künftig zu festgelegten Zeiten fünfmal am Tag zum Gebet aufgerufen. Die Uhr ist noch aus 25 Kilometern Entfernung zu sehen. Nachts signalisieren 21 000 weisse und grüne Lampen die Zeit zum Gebet. An der Konstruktion der grössten Uhr der Welt hat neben der Bieler Firma Scheurer Design auch die Straintec AG in Wollerau SZ mitgewirkt.(rw)

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