Im Knechtenloch schlummert ein Geheimnis

Um die Senke in der Aare gegenüber dem Dählhölzli ranken sich Legenden.

Starben wirklich Knechte in den Strudeln des Knechtenlochs?

Starben wirklich Knechte in den Strudeln des Knechtenlochs? Bild: Valérie Chételat

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Wer vom Schönausteg am rechten Ufer flussaufwärts läuft, kommt zu einem Ort, der etwas Unheimliches verströmt. Die Aare wirkt wütend, Wirbel wühlen die Fluten auf, und Gischt schiesst aus der Tiefe. Vis-à-vis liegen Gehege des Tierparks, fünfzig Meter weiter flussaufwärts steht das Vereinshaus des Pontoniervereins Freiheit. Das Knechtenloch befindet sich hier.

Das Knechtenloch ist eine Stelle, wo der Fluss ungewöhnlich tief wird. Legenden ranken sich um die Senke: Einst sei ein Knecht in den Wirbeln ertrunken, lautet eine. Eine andere, die herumgeistert: Lebensmüde Knechte, die sich in die Aare gestürzt hätten, habe man jeweils hier gefunden. Ihre toten Leiber seien am Grund hängen geblieben.

Der Panda wurde hier gefunden

Was gesichert ist: Das Knechtenloch steht tatsächlich im Zusammenhang mit einem Unglück, das sich in jüngerer Zeit ereignet hat. Taucher der Sanitätspolizei fanden im Winter 1997 zufälligerweise einen Fiat Panda im Knechtenloch, als sie ein Ortungsgerät testeten. Das Auto gehörte einer Frau, die drei Monate zuvor bei Belp in die Aare gefahren war. Die Leiche der Frau wurde erst später gefunden. Ob sie willentlich in den Fluss gefahren war, konnte nie eruiert werden.

Einer, der bei der Bergung des Pandas dabei war, ist Beat Marti. Er ist Einsatztaucher der Sanitätspolizei Bern und weiss, wie es im Knechtenloch aussieht. Mehrmals ist er schon in die Senke getaucht, meist zu Übungszwecken. Das Knechtenloch sei eine Vertiefung, die sich hinter einer Felsenplatte gebildet habe, die ins Flussbett rage. Die Felsnase drückt das Wasser an die Oberfläche – daher die Gischt, die sich regelmässig aus dem Wasser erhebt. Zurzeit sei das Knechtenloch ungefähr fünfeinhalb Meter tief, früher sei es tiefer gewesen, sagt Marti. «Nach den beiden Hochwassern von 1999 und 2005 hat sich das Loch verändert.» Auch die Renaturierungen auf der gegenüberliegenden Seite beim Tierpark Dählhölzli hätten den Flusslauf verändert. Unten im Knechtenloch sei das Wasser fast still, es herrsche gar eine kleine Gegenströmung, weiss Marti. Zudem gebe es eine kleine Höhle am Ufer, das die Aare unterspült hat.

Über das Knechtenloch werde viel Aarelatein erzählt, meint Marti. Gefährlich sei die Stelle für Schwimmer nicht – zumindest nicht gefährlicher als andere Stellen. «Flussschwimmen ist mit Risiken verbunden, das muss man wissen», sagt Marti. Schwimmt aber ein Erwachsener flach über einen Wirbel, vermag ihn dieser nicht runterzuziehen. Gelangt man dennoch in einen Sog, sollte man nicht dagegen ankämpfen. Sich bis an den Grund ziehen zu lassen und dort abzustossen, ist die beste Lösung.

Obwohl Marti das Knechtenloch so gut kennt wie kaum jemand in Bern – etwas kennt auch er nicht: die Geschichte, wie die Vertiefung zu ihrem Namen kam. Und damit steht er nicht alleine da.

Auch Petri Hansueli weiss es nicht

Ein Anruf beim Tiefbauamt der Stadt Bern, zuständig für Strassennamen und Flurbezeichnungen: Nicht mehr nachvollziehbar, heisst es dort. Anruf beim Wasserfahrverein Freiheit Bern, der sein Klubhaus gleich beim Knechtenloch hat: «Weiss auch nichts», sagt der erste Fahrchef. Vielleicht wisse man beim Pontonierfahrverein Bern mehr. Dessen Fahrchef meint: «Wenn es einer weiss, dann der Petri Hansueli.»

Das Pontonier-Urgestein Petri weiss tatsächlich viele spannende Episoden zu erzählen, wie das Knechtenloch zu seinem Namen kam, weiss aber auch er nicht. «Der Walther Hans, der hätte das gewusst», sagt Petri. Der «Möndu», wie man ihn genannt habe, habe sein Wissen aber mit ins Grab genommen. Und so bleibt noch eine letzte Instanz, die Aufklärung bringen kann: das Stadtarchiv. Dort finden sich immerhin Anhaltspunkte. Die Insel gegenüber dem Knechtenloch, auf der heute unter anderem der Streichelzoo und das Restaurant Dählhölzli stehen, hiess im 19. Jahrhundert auch Knechten-Inseli, wie im Historisch-topographischen Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber zu erfahren ist. Erstmals erwähnt wird das «Chnächteinseli» 1838 in «Die Ortschaften des eidgenössischen Freistaates Bern». Ob die Senke aber den Namen der Insel erhalten hat oder umgekehrt – dies sagen die Dokumente nicht. Und sie sagen nicht, wie Knecht verstanden werden soll: Im Mittelhochdeutschen steht das Wort auch für einen jungen Mann, einen Knappen oder Helden.

Eine Quelle findet sich dann doch noch, wo das Knechtenloch namentlich erwähnt wird. Und zwar in der Ausgabe des «Intelligenzblatts» vom 24. August 1911. Darin wird erwähnt, dass ein 21-jähriger Monteurgehilfe bei der Schwelle tot aus der Aare geborgen wurde. Verschwunden war er beim Knechtenloch. (Der Bund)

Erstellt: 28.07.2010, 08:02 Uhr

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