Ihr vermeintlich Dummen, die ihr die Freiheit verteidigt

Brunner, Blocher und Maurer hatten an der SVP-Kundgebung vom Samstag je zehn Minuten, um ihrer Gemeinde zu schmeicheln.

Parteipräsident Toni Brunner sagt in seiner Rede, man sei zusammengekommen, um zu zeigen, dass in einer Demokratie nicht extreme Gruppierungen entscheiden dürften, wer sich wo und wann treffen darf.

Parteipräsident Toni Brunner sagt in seiner Rede, man sei zusammengekommen, um zu zeigen, dass in einer Demokratie nicht extreme Gruppierungen entscheiden dürften, wer sich wo und wann treffen darf. Bild: Keystone

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Im Mittelpunkt stehen sie nicht an diesem Samstag, die Reden. Dafür ist das Programm zu gedrängt. Zwischen Jodlern, Treichlern und Alphornbläsern stehen Parteipräsident Toni Brunner, Alt-Bundesrat Christoph Blocher und Bundesrat Ueli Maurer je zehn Minuten zu. Im Grundsatz sagen sie alle dasselbe: Ihr, die ihr heute gekommen seid, werdet von denen da oben – hier kommt der Blick in Richtung Bundeshaus – für dumm verkauft. Aber wenn wir eine freie Schweiz erhalten und unser Schicksal selbst bestimmen wollen, brauchen wir Leute, welche die Wahrheit sagen. Leute wie euch – Leute wie uns.

Parteipräsident Toni Brunner sagt, man sei heute zusammengekommen, um zu zeigen, dass in einer Demokratie nicht extreme Gruppierungen entscheiden dürften, wer sich wo und wann treffen darf. «Ihr», sagt er, «habt die Wichtigkeit erkannt. Es lebe die Freiheit.»

Mit «Liebi Froue u Manne» begrüsst danach Christoph Blocher die Gemeinde. Im Moment lebten sie noch in einer freien und unabhängigen Schweiz, sagt er ihnen, aber diese Schweiz sei bedroht – von der Classe politique, die in die EU wolle, von kriminellen Ausländern. Am meisten Applaus erntet Blocher mit einem Spruch, den nur jene zum ersten Mal hören, die Blocher zum ersten Mal hören. Zuerst komme das Volk und dann das Parlament und dann erst der Bundesrat, und «als sie mich aus dem Bundesrat geschmissen haben», hätten sie ihn gleich von der dritten auf die erste Stufe gespickt – und das solle ihm zuerst einer nachmachen. «Är isch eifach immer wider guet», sagt eine ältere Frau zu ihrem Mann. Blocher schliesst mit einer Devise von bestechender Simplizität: Wenn die SVP gewinne, komme es gut. Wenn nicht, dann nicht. «Zugabe», ruft die «Familie».

Bundesrat Ueli Maurer schliesslich erzählt ein Märchen. Die Quintessenz: Jene, die die Wahrheit sagen, werden für dumm verkauft, sind am Schluss aber die Gescheiten. Jene, die die SVP-Familie für dumm verkauften, die seien dort drüben, sagt er und zeigt auf das Bundeshaus. Aber das Land brauche Leute wie diejenigen hier vor ihm, die den Mut hätten, auf nackte Tatsachen hinzuweisen.

«Ich bin stolz auf dich»

Toni Brunner gesellt sich nach seiner Rede unter seine Leute. Hier klopft er jemandem auf den Rücken, da macht er einen Spruch, konsequent aufgestellt, laut lachend. Er ist gut darin, den Leuten das Gefühl zu geben, dass sie wichtig sind und das Richtige tun. «Ich bin stolz auf dich», sagt er zum einen und gleich darauf zum Nächsten. Oder: «Die, die heute gekommen sind, das sind die, mit denen man in den Krieg ziehen könnte.» Allen dankt er für das Kommen und gibt ihnen das Gefühl, damit etwas Mutiges getan zu haben. Leute mit Waffen seien an den Eingängen festgenommen worden, hat er vernommen und sagt es gleich weiter, Chaoten hätten sich «verkleidet» unter das Volk gemischt, um die Kundgebung zu stören. Doch die seien «herausgepickt» worden. Passiert ein abfahrender Car den Parteichef, winkt er mit ausladenden Gesten. Und die ganze Busladung winkt zurück. (Der Bund)

Erstellt: 12.09.2011, 09:42 Uhr

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