«Ich fordere die Jugendlichen mit Mozarts Requiem heraus»

Schüler und Eltern der Rudolf-Steiner-Schule Bern Ittigen Langnau führen demnächst Mozarts epochales Chorwerk Requiem auf. Zu Besuch an einer der letzten Proben in Ittigen.

Eine geballte Stimmkraft für Mozarts Requiem: Schüler- und Elternchor, Orchester und Solisten bei der Probe im Saal der Rudolf-Steiner-Schule in Ittigen. (Valérie Chételat)

Eine geballte Stimmkraft für Mozarts Requiem: Schüler- und Elternchor, Orchester und Solisten bei der Probe im Saal der Rudolf-Steiner-Schule in Ittigen. (Valérie Chételat)

240 Sängerinnen und Sänger auf einer Bühne platzieren, das kann dauern. Chorleiter Stefan Werren ruft nach und nach die Klassen auf: «Jetzt die Elfteler . . ., husch husch, chömed!» Brav wie eine Kuhherde laufen die Schüler zu ihren Plätzen. Alle haben ein weisses Heft in der Hand, worauf «W. A. Mozart. Requiem» steht. Seit mehreren Monaten üben alle Schüler von der neunten bis zur zwölften Klasse an dem Stück, und nun stehen die Konzerte bevor. «Mit einem klassischen Stück wie Mozarts Requiem fordere ich die Jugendlichen enorm heraus, denn diese Musik ist ihnen nicht sehr nah», erklärt Stefan Werren. Er ist Musiklehrer an der Rudolf-Steiner-Schule und dirigiert dieses Jahr zum 20. Mal das traditionelle Chorkonzert. Die Schüler hätten aber auf das dunkle und dramatische Werk Mozarts sehr gut reagiert, sagt der 51-Jährige. «Das hat vielleicht mit der seelischen Stimmung der Pubertierenden zu tun.»

«Lacrimosa» ist beliebt

Vom «Dies irae», dem Tag des Zorns beim Jüngsten Gericht, singen die jugendlichen Sängerinnen und Sänger im dritten Teil der Totenmesse. Dank deutscher Übersetzung wissen sie, welche Textfragmente Mozart für sein Requiem verwendet hat. Auf Lateinisch zu singen, stört die 17-jährige Annina Banholzer daher nicht. Auch eigne sich das Lateinische zum Singen ganz gut, sagt sie.

Mit ihrem Chorleiter haben die Schüler die Entstehungsgeschichte des Werkes erarbeitet: «Mozart starb während der Arbeit an dem Stück, und andere Komponisten mussten es dann fertigstellen», erklärt Fabian Burri (18) aus Bern. Insofern sei das Stück schon speziell, obwohl ihn sonst klassische Musik nicht sonderlich interessiere, so Burri. Nach dem schönsten Stück im Requiem gefragt, nennen Annina und Fabian einstimmig das «Lacrimosa», den bekannten Satz in der Mitte des Werkes. Warum? «Die Melodie dieses Teiles ist toll, und weil dabei alle Stimmen zusammenkommen, ergibt dies einen besonders schönen Klang», sagt Annina.

Ehemalige Schülerin als Solistin

An der heutigen Probe üben erstmals der Chor, das Ad-hoc-Orchester und die vier Solisten zusammen. Die Sopranistin Marysol Schalit ist ehemalige Schülerin der Rudolf-Steiner-Schule und wird vom Migros-Kulturprozent unterstützt.

Als alle am richtigen Ort sitzen oder stehen, steht Stefan Werren auf das Dirigentenpult, bittet einen Schüler, seine Kapuze zurückzuschieben, und hebt den Taktstock. Der erste Satz beginnt.

Der Bund

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