Hundertjährige Bäume formen sich zum Chutzenturm

Die erste Etappe beim Bau des Chutzenturms auf dem Frienisberg ist geschafft.

Für den Turmbau sind schwindelfreie Handwerker gefragt. (Valérie Chételat)

Für den Turmbau sind schwindelfreie Handwerker gefragt. (Valérie Chételat)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Chutzenturm auf dem Frienisberg wächst in die Höhe. Nach einer Woche Arbeit ragt die Holzkonstruktion bereits 16 Meter auf. Die Hauptpfeiler bilden vier Baumstämme: «Es sind Douglasien, dank dem hohen Harzanteil ist es ein sehr dauerhaftes Holz», sagt Andreas Burren, Präsident des Vereins Chutzenturm. Fast hundert Jahre lang wuchsen die Douglasien still und leise vor sich hin, bevor sie zum Bau des Turms verwendet wurden. «Einen der Bäume haben wir nur 70 Meter von hier geholt.» Man sei mit den Arbeiten in der letzten Woche gut vorangekommen, weil vieles vorbereitet gewesen sei. Das Fundament aus 400 Tonnen Beton wurde bereits zu einem früheren Zeitpunkt gebaut. «Lange wurde vom Bau gesprochen, nun sieht man, dass etwas geht.» Fast alles verwendete Holz stammt von Douglasien, nur die rund 220 Treppentritte sind aus Eiche.

Von der Region für die Region

Die Finanzierung sei gesichert, sagt Burren. «Alle ausgelösten Arbeiten sind bezahlt.» Die Kosten werden auf 980 000 Franken veranschlagt: 150 000 Franken werden durch Naturalspenden und Gratisarbeiten abgedeckt, weitere 150 000 Franken durch Sponsorenbeiträge, 200 000 Franken sind durch den Lotteriefonds zugesichert, und rund 400 000 Franken sollen durch den Verkauf von Treppentritten und Podesten gesammelt werden. Kommt man auf die Beschwerde zu sprechen, die wegen eines Darlehens der Gemeinde Seedorf hängig ist (siehe auch Kasten), so wird Burrens Ärger spürbar. «Man wollte mit dem Turm Wahlkampf betreiben.» Weiter will er die Angelegenheit nicht kommentieren.

Alles verwendete Material, mit Ausnahme der Zugstangen aus Stahl, mit denen die Pfeiler kreuzförmig verstrebt wurden, stammt aus der Region, wie Burren erklärt. «Auch die Arbeiten werden von in der Region ansässigen Firmen ausgeführt.» Oben auf 16 Metern Höhe laufen und balancieren die Holzbauer und Zimmerleute auf den Trägern herum und montieren den Boden der ersten Plattform. «Die Arbeiter sind alle mit Seil und ‹Gstältli› gesichert», sagt Burren. «Bis jetzt hat alles gepasst», sagt Thomas Schwendimann. Nur das Aufstellen der grossen, rund fünf Tonnen schweren Baumstämme am letzten Dienstag sei eher knifflig gewesen. «Wegen der Bise hat der Kran geschwankt.»

«Man sieht die halbe Schweiz»

Wegen der Höhe sei es besser, ein bisschen vorsichtiger und langsamer zu arbeiten, sagt Reinder Bearda. «Wenn man angebunden ist, fühlt man sich aber eigentlich relativ sicher.» Trotzdem ist die Arbeit in luftiger Höhe ohne richtigen Boden unter den Füssen nicht jedermanns Sache. «Einer, der nicht schwindelfrei ist und sich nicht sicher fühlt, ist auch eine Gefahr für andere», sagt Schwendimann. Das typische Beispiel: Der Hammer fällt in die Tiefe und einem anderen Arbeiter auf den Kopf. Für Bearda – einen gebürtigen Holländer, der aber schon lange in der Schweiz lebt und arbeitet – ist es nicht der erste Turmbau: «Ich habe schon beim Turm auf dem Gurten als Montageleiter gearbeitet.»

Burren ist zuversichtlich, dass der Turm am 26. Juni plangemäss eingeweiht und eröffnet werden kann. Der Turm, dessen Lebensdauer Burren auf fünfzig Jahre schätzt, werde eine Attraktion für die Region darstellen. «Schon die Baustelle lockt viele Besucher an.» Die Aussichtsplattform wird sich auf einer Höhe von 40 Metern befinden. «Von dort aus sieht man die halbe Schweiz», schwärmt Burren. Zudem soll ein Waldlehrpfad eingerichtet werden. Der Frienisberg sei sehr reich an Pflanzen und Tieren, sagt Burren. «Wir haben zum Beispiel wilde Orchideenarten.» Unten beim Turm wird es jedoch keinen Rastplatz geben: Burren will keinen Anziehungspunkt für nächtliche Trinkgelage schaffen. Etwas weiter unten will der Verein aber eine Waldhütte vom Kanton Bern übernehmen. Hier darf dann auch nach Herzenslust gefeuert und grilliert werden. (Der Bund)

Erstellt: 10.05.2010, 08:16 Uhr

Werbung

Immobilien

Kommentare

Blogs

Sweet Home Zeit, sich ums Esszimmer zu kümmern

Tingler Schreiben Sie Tagebuch?

Werbung

Volltreffer! Die Fussballkolumne.

Grädel schreibt über Fussball und die Welt. Wenn einer in Bern und Umgebung echten Fussballsachverstand hat, dann er.

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...