Hochdeutsch erobert Stadtberner Kindergärten

Die Stadtberner Kindergärteler sprechen meist Hochdeutsch. Grossrat Erich Hess (SVP) will im ganzen Kanton Mundart festschreiben.

Mundart-Debatte: Soll Berndeutsch im Kindergarten zur Regel werden? (Archiv/Adrian Moser)

Mundart-Debatte: Soll Berndeutsch im Kindergarten zur Regel werden? (Archiv/Adrian Moser)

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Die Zeiten sind günstig für die SVP-Forderung nach Mundart im Kindergarten: In Basel-Stadt und im Kanton Zürich haben die Stimmbürger Initiativen angenommen, die den Dialekt im Kindergarten stärken. In Bern hat Grossrat Erich Hess (SVP) das Thema bereits mit zwei Vorstössen aufgegriffen – den zweiten hat er gestern eingereicht. Die Regierung hatte den ersten Vorstoss abgelehnt mit der Begründung, dass in den bernischen Kindergärten bereits heute mehrheitlich Mundart gesprochen werde. Zumindest ein Blick in die Kindergärten der Stadt Bern ergibt jedoch ein anderes Bild.

Der Hochdeutschanteil in der Stadt Bern liegt wohl bei über 50 Prozent, wie eine Telefonumfrage des «Bund» ergab. Ein extremes Beispiel ist der Kindergarten Kleefeld. Dort ist die Standardsprache der Normalfall, da der Anteil an fremdsprachigen Kindern bei über 70 Prozent beträgt. «Die Kinder würden nur verwirrt, wenn im Kindergarten Dialekt gesprochen würde», sagt Schulleiter Andreas Wiedmer. Einzelne berndeutsche Unterrichtssequenzen seien aber durchaus erwünscht.

Kinder sprechen schlecht Deutsch

Gelegenheiten, Berndeutsch zu üben, seien etwa Verse und Lieder, sagt Kindergärtnerin Eva Maria Kammler, die im Kleefeld unterrichtet. «Die Hälfte der Kinder versteht am ersten Tag kein Deutsch», erklärt sie. Deshalb müsse der Wortschatz von Grund auf erarbeitet werden, und das sei sinnvoller auf Hochdeutsch, denn in der Schule werde später Deutsch gesprochen. Die meisten Kinder lernten aber auch im Westen der Stadt den Berner Dialekt, sagt Kammler: etwa auf dem Spielplatz. Die Kindergärtnerin unterstützt die heutige Regelung, die es den einzelnen Schulen überlässt, wie viel Dialekt gesprochen wird. An einem Ort mit wenig fremdsprachigen Kindern sei Berndeutsch zu bevorzugen, sagt Kammler.

Beim Schulamt der Stadt Bern kann man mit der SVP-Forderung wenig anfangen: «Hochdeutsch hilft den fremdsprachigen Kindern später in der Schule», sagt Irene Hänsenberger, Leiterin des Schulamtes. Da viele Berner Kindergärten einen hohen Anteil an fremdsprachigen Kindern aufwiesen, werde in Bern verbreitet Standarddeutsch gesprochen, sagt sie.

Erich Hess betrachtet seinen Vorstoss als Beitrag zur Integration: «Man findet leichter eine Lehrstelle, wenn man ein akzentloses Berndeutsch spricht», sagt er. (son)

Erstellt: 09.06.2011, 08:10 Uhr

Kopftuchverbot scheitert

Die bernischen Schulen sollen weiterhin eigenständig entscheiden, ob muslimische Schülerinnen Kopftücher tragen dürfen im Unterricht. Der Grosse Rat lehnte gestern eine Motion von Erich Hess (SVP) mit 134 zu 3 Stimmen klar ab, die ein kantonales Verbot von «Kopfbedeckungen» in den Schulzimmern forderte. Dabei stimmte die Mehrheit der eigenen Partei gegen Hess, und auch die bibeltreue EDU war dagegen. Der Grosse Rat folgte Regierungsrat Pulver, der sagte: «Wir müssen den Lehrkräften vor Ort Vertrauen schenken.» Es mache keinen Sinn, ein kantonales Verbot auszusprechen, denn die Unterschiede zwischen den Schulgemeinden seien gross im Kanton Bern.

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