Heisse Debatte um Nukleargeschäft mit Russland

Die Axpo steht wegen Atomgeschäften mit Russland in der Kritik. Die BKW lud einen Befürworter dieser Kooperation ein.

Simon Thönen@SimonThoenen

Die BKW nahm gestern Donnerstag einen Anlauf, Transparenz über die Beschaffung des Brennstoffs für ihr AKW Mühleberg zu schaffen. Die Konkurrentin Axpo hatte dies schon 2008 mit einem wesentlich detaillierteren Bericht für ihre zwei AKW in Beznau versucht. Dumm nur: Die Angaben stellten sich als falsch heraus. Anfang September musste Axpo-Chef Manfred Thumann in der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens zugeben: «Wir müssen leider feststellen, dass ein Teil des Urans leider auch aus Majak kommt.» Die Axpo versprach damals, ihre Untersuchungen nachzubessern. Heute Freitag wird sie darüber informieren. Majak ist ein gigantischer Atomkomplex in Russland. 1957 ereignete sich dort ein schwerer Atomunfall, dessen Auswirkungen mit Tschernobyl vergleichbar sind. Nicht nur die Altlasten, auch der aktuelle Betrieb verursachten weiträumige radioaktive Verseuchung, kritisieren unabhängige Experten und Umweltorganisationen.

Brennstoff in Russland bearbeitet

Die BKW räumte ein, dass auch für sie bestimmte Brennstoffbestandteile in Russland bearbeitet wurden. Sie wisse aber nicht, ob dies in der Anlage Majak geschah. An ihr Hintergrundgespräch lud die BKW einen überzeugten Verteidiger der Kooperation mit Russland ein: Bruno Pellaud hatte als ehemaliger stellvertretender Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA den Abrüstungsprozess zwischen den USA und Russland begleitet.

Das Programm «Megatonnen zu Megawatt» sieht in diesem Zusammenhang vor, dass Atombomben und anderes militärisches Nuklearmaterial der beiden Supermächte zu Brennstäben für zivile Atomkraftwerke umgearbeitet werden. In Russland geschieht dies unter anderem in der Anlage Majak. Dieses Programm habe viel dazu beigetragen, zu verhindern, dass nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion waffenfähiges Uran in falsche Hände geraten sei, betonte Pellaud.

Er räumte zwar ein, dass die Zustände in Majak Mitte der 1990er-Jahre bedenklich waren. Seither habe sich die Lage vor allem dank der Geschäfte mit dem Westen verbessert, meinte Pellaud, der auch Vizepräsident der Lobbyorganisation Nuklearforum Schweiz ist. Pellaud hatte Majak als IAEA-Funktionär mehrmals besucht.

Für Medien und Umweltorganisationen hingegen ist Majak Sperrzone. Stefan Füglister, Experte für Greenpeace in dieser Sache, recherchiert seit Jahren über die Geschäfte der Schweizer AKW-Betreiber mit Russland. Sein Fazit lautet: «Majak ist wohl der dreckigste Ort für die Vorproduktionsstufe von Brennelementen, den man sich auf der Welt vorstellen kann.»

Der Bund

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