Moschee in Bern-Brünnen: Blancho wiegelt ab

Der Islamische Zentralrat Schweiz will in Bern eine grosse Moschee bauen. Das Geld dazu soll aus der Golfregion kommen. Gemässigte Muslime distanzieren sich.

Nicolas Blancho ist auf der Suche nach Geldgebern für eine Grossmoschee in Bern.

Nicolas Blancho ist auf der Suche nach Geldgebern für eine Grossmoschee in Bern. Bild: Valérie Chételat

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Nicolas Blancho wiegelt ab. Es sei noch nichts spruchreif, es handle sich vorerst nur um «eine Idee», sagt der Präsident des Islamischen Zentralrats Schweiz (IZRS). Einiges deutet aber darauf hin, dass die Pläne zum Bau einer Grossmoschee in Bern, die der IZRS verfolgt, weiter fortgeschritten sind, als Blancho derzeit zugeben will.

So zitierte die «SonntagsZeitung» gestern ausführlich aus den Bauplänen des IZRS. Demnach dürfte die Moschee über eine Fläche von 2400 m2 verfügen. Im viergeschossigen Gebäude sollen eine Teehalle, ein Konferenzsaal, Schulungsräume, Geschäftslokale, Büros und eine Wohnung untergebracht sein. Herzstück ist ein Gebetsraum für 444 Personen – 270 Männer und 174 Frauen. Ein Garten soll Gebete im Freien erlauben, eine Tiefgarage zudem Platz bieten für 54 Fahrzeuge. Der IZRS rechnet mit Kosten von 20 Millionen Franken.

Besichtigungen in Bern-Brünnen

Doch nicht nur die Baupläne sind ausgereift: Gegenüber dem «Bund» bestätigt Nicolas Blancho, dass eine Delegation von IZRS-Mitgliedern im Frühling 2011 wiederholt – aber «sicher nicht allzu oft» – Grundstücke in Bern-Brünnen besichtigte, um geeignete Objekte für die Moschee zu finden.

«Der Standort Bern-Brünnen ist für den IZRS sehr interessant», sagt Blancho. Einerseits gebe es im Berner Entwicklungsgebiet ausreichend Bauland. Andererseits weise das Gelände rund um das Shoppingzentrum Westside eine attraktive Siedlungsstruktur auf und sei verkehrstechnisch sehr gut erschlossen. «Es haben aber noch keine Verhandlungen stattgefunden», sagt Blancho. «Denkbar sind auch andere Standorte in Bern-West.» Eine andere Stadt als Bern kommt für Blancho aber nicht infrage: «Bern ist eine von wenigen Hauptstädten in Europa, in welcher noch keine Moschee existiert. Das ist tragisch.»

Eröffnung im Jahr 2022?

Nicolas Blancho hofft, dass die Moschee binnen zehn Jahren realisiert werden kann. Zunächst müsse der IZRS aber die Mittel auftreiben. Da dies dem IZRS aus eigener Kraft nicht möglich ist, hat Blancho 2011 mehrmals die Golfregion bereist. Wie Blancho der «SonntagsZeitung» sagte, sei das langfristige Ziel dieser Reisen, an Spenden zu gelangen. Zu den Projekten, die Blancho im Golf präsentierte, zählte auch eine Volksinitiative zur Aufhebung des Minarettverbots. Brisant: Blancho soll unter anderem Tareq al-Essa getroffen haben, den Präsidenten der Revival of Islamic Heritage Society. Diese Organisation hat gemäss UNO Verbindungen zu al-Qaida und den Taliban.

Hisham Maizar, Präsident der Föderation Islamischer Dachverbände der Schweiz, ist irritiert von den «pompös anmutenden Plänen» des IZRS. «Das Vorhaben ist der Sache der Muslime nicht dienlich und ein Beweis mehr dafür, dass der Zentralrat eine Splittergruppe ist. Von Unabhängigkeit vom Ausland kann keine Rede sein, denn wer zahlt, befiehlt.» Wie Hisham Maizar hat auch Stadtpräsident Alexander Tschäppät aus der Zeitung vom Projekt erfahren. Er relativiert: Das Projekt sei offenbar noch sehr weit entfernt von einer Realisierung. Prinzipiell hat Tschäppät keine Einwände gegen den Bau einer Moschee in Bern. Selbstverständlich hätten auch Schweizer Muslime Anrecht auf ein Gotteshaus. Aber: «Eine fundamentalistische Moschee, in der extremistische Kreise verkehren, ist sicher nicht das, was wir in Bern brauchen.» (Der Bund)

Erstellt: 16.01.2012, 06:49 Uhr

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