Gottfried Locher neuer Präsident des Evangelischen Kirchenbundes

Der Berner Pfarrer Gottfried Locher will als Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK das unleserlich gewordene Profil der Reformierten schärfen.

Der Berner Gottfried Locher obsiegte in der Ausmarchung um das SEK-Präsidium. (Archiv: Valérie Chételat)

Der Berner Gottfried Locher obsiegte in der Ausmarchung um das SEK-Präsidium. (Archiv: Valérie Chételat)

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24 Jahre lang waren Zürcher Pfarrer an der Spitze des Kirchenbunds. Sie vertreten die grösste Kirche im Kirchenbund. Hat sich der Berner Machtanspruch durchgesetzt?

Gottfried Locher: Dass Bern wie Zürich eine Grosskirche ist, war gewiss ein legitimer Einwand gegen meine Kandidatur. Ich eigne mich aber nicht als Vertreter des Berner Machtanspruchs. Im Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund werde ich bestimmt nicht als Interessenvertreter der Berner Reformierten auftreten. Auch von meiner Arbeit im Reformierten Weltbund weiss ich, dass die meisten reformierten Kirchen kleine Kirchen sind.

Sie wollen das unleserlich gewordene reformierte Profil schärfen. Wie das?

Etwa über die Bekenntnisfrage. Wir brauchen Bekenntnistexte, sodass das, was man glaubt, lesbar und verbindlich wird. Oder indem wir das ungelöste Problem der Zusammenarbeit von kleinen und grossen Kirchen angehen. Die sind in ihrer Identität recht verschieden. Kleine, oft im letzten oder vorletzten Jahrhundert entstandene Kirchen wie jene von Luzern, sind von Katholiken umgeben und definieren sich aus ihrem Anderssein heraus. Meine Berner Kirche hingegen gehört zu den grossen Kirchen, die in der Reformation die katholische Kirche ablösten. Sie leben nicht aus dem Anderssein heraus, sondern versuchen, eine Mehrheitskirche und eine Stimme der Öffentlichkeit zu sein.

Gemäss einer neuen Studie schrumpft die reformierte Bevölkerung bis 2050 auf 20 Prozent. Macht Ihnen das Angst?

Das ist zunächst einmal einfach eine Studie, die sicher gewisse Megatrends wie die demografische Veränderung korrekt beschreibt. Die Reformierten haben nun mal weniger Kinder. Auch darum werden wir kleiner. Für mich ist das aber kein Problem. Die Glaubwürdigkeit einer Kirche hängt zum Glück nicht von ihrer Grösse ab.

Sie plädierten vor Jahren für ein reformiertes Bischofsamt. Worauf man Ihnen Klerikalismus vorwarf.

Früher konnte ich noch ungeschützt Ideen lancieren, da bin ich im neuen Amt eher eingeschränkt. Was sich aber nicht ändert: Die Kirche lebt als Institution von Menschen, und innerhalb des Protestantismus und seinen Gemeinden brauchen wir Menschen, die eine Ausstrahlung haben. Das meine ich mit dem Bischofsamt. Und denke da etwa an Bischöfin Margot Kässmann, die weniger Macht hatte als etwa der Zürcher Kirchenratspräsident, aber eine ungeheure Ausstrahlung.

Nach einer Promillefahrt ist Kässmann als Bischöfin und höchste evangelische Christin Deutschlands zurückgetreten. Würden Sie das auch so tun?

Ich hoffe, ich hätte auch die Grösse dazu. Ich finde, dass Kässmann in allem, was sie tut, glaubwürdig erscheint.

Man sagt Ihnen eine gewisse Nähe zu den Katholiken nach. Weshalb haben Sie Papst Benedikt nach seiner Regensburger Rede in der «Arena» verteidigt? Die Muslime fühlten sich durch ihn beleidigt.

Muslime, mit denen ich sprach, sagten das Gegenteil: Jetzt haben wir endlich ein Visavis, mit dem wir einen Dialog führen können. Es ist dem Papst ja geglückt, eine Gruppe von muslimischen Gelehrten um sich zu scharen.

Für die Schweizer Bischofskonferenz hatten Sie das Jesus-Buch von Papst Benedikt XVI. positiv gewürdigt, obwohl dieser die historisch-kritische Sicht der modernen Theologie auf die Bibel ausblendet.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass er mit diesem Buch einen wichtigen Nerv getroffen hat. Gewiss: Gerade auch beim Studium muslimischer Texte ist die historisch-kritische Methode unentbehrlich. Aber man darf sie nicht verabsolutieren. Ich muss allerdings sagen: Ich bin relativ jung in wichtige Funktionen gekommen und merkte erst allmählich, dass ich ein eigenes Profil einbringen muss. Ökumene darf nicht bedeuten, das eigene Profil aufzugeben, nur damit man einander besser versteht. (Der Bund)

Erstellt: 15.06.2010, 07:32 Uhr

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