Gemeindefusion Zulgtal vom Tisch

Auch die moderatere Variante einer Fusion von zehn zu zwei Gemeinden fand keine Gnade. Laut dem Projektausschuss Zukunft Zulgtal dürfte das Thema für die nächsten Jahre vom Tisch sein.

Die Gemeinden im idyllischen Zulgtal bei Thun wollen unabhängig bleiben (Marius Schären)

Die Gemeinden im idyllischen Zulgtal bei Thun wollen unabhängig bleiben (Marius Schären)

Die zehn Gemeinden im Zulgtal schliessen sich nicht zu einer einzigen zusammen. Die Bevölkerung hat am Freitagabend einem der grössten Gemeindefusionsprojekte im Kanton Bern eine Absage erteilt. Auch eine moderatere Variante mit zwei Gemeinden fand nicht überall Gefallen.

Dass der ganz grosse Wurf mit dem Zusammenschluss zu einer einzigen Gemeinde gelingen würde, war kaum zu erwarten. Mit dieser Grossfusion wäre eine Gemeinde mit einer Fläche von 96 Quadratkilometern und rund 5600 Einwohnern entstanden. Die Zahl der Behördenmitglieder wäre von 282 auf 49 gesunken. Spannender war indessen die Frage, ob sich die Gemeinden rechts und jene links des Zulggrabens zu zwei Gemeinden zusammenschliessen würden. Diese Variante überzeugte immerhin rund die Hälfte der Gemeinden. Allerdings gab es auf beiden Seiten des Zulggrabens befürwortende und ablehnende Gemeinden. Das heisst, dass auch die Bildung von zwei Gemeinden in der vorgeschlagenen Form vom Tisch sein dürfte.

Lieber «Konkubinat» als Heirat

Gegen jegliche Form von Fusion sprachen sich die Gemeinden von Eriz, Buchholterberg, Oberlangenegg, Horrenbach-Buchen und Schwendibach aus. Unterlangenegg, Fahrni, Wachseldorn, Homberg und Teuffental konnten zumindest der moderateren Variante etwas abgewinnen. Die Vorlage mobilisierte viele Leute für die Gemeindeversammlungen vom Freitag. Das Thema Fusion dürfte wohl für die nächsten paar Jahre nicht mehr aufs Tapet kommen, vermutete Hans-Rudolf Zaugg, Leiter des Projektausschusses Zukunft Zulgtal, am Samstag auf Anfrage. Es sei denn, dass sich die Rahmenbedingungen änderten, etwa beim Finanz- und Lastenausgleich, den Steuererträgen oder bei der Rekrutierung von Personal und Behördenmitgliedern.

Die fusionswilligen Gemeinden müssen sich nun überlegen, wie es für sie allenfalls auf einer anderen Basis weitergehen könnte. Am wahrscheinlichsten ist auf den ersten Blick aber, dass alles beim Alten bleibt. Verschiedene fusionswillige Gemeinden arbeiteten schon heute sehr eng zusammen, sagte Zaugg. «Die leben so stark im Konkubinat, dass sich eine Hochzeit wohl kaum mehr lohnt.»

Ängste waren zu gross

Die Bevölkerung habe an den Gemeindeversammlungen vom Freitag einen Herzentscheid getroffen, sagte Zaugg. Hüben und drüben habe er Ängste gespürt, dass man mit der Fusion einiges aufgeben und nichts bekommen würde. Die Region Zulgtal liegt an der Grenze zwischen dem Berner Oberland und dem Emmental östlich von Thun.

sda

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