Fingerfertig in der Manege

Als Cello spielender Zirkusartist jongliert der Berner Stefan Wepfer virtuos mit den Gefühlen der Zuschauer. Zurzeit gastiert er mit dem Circus Monti in Bern.

Berner mit flinken Händen: Zirkusartist Stefan Wepfer. (Valérie Chételat)

Berner mit flinken Händen: Zirkusartist Stefan Wepfer. (Valérie Chételat)

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Keulen wirbeln in atemberaubendem Tempo über Stefan Wepfers Kopf. Im gleissenden Scheinwerferlicht jongliert er mit seinem 14-jährigen Partner Mario Muntwyler in lockerer Körperhaltung. Nur kleine Schweissperlen auf seiner Stirn zeugen von der Anstrengung. «Erste Zirkuserfahrungen sammelte ich an der Scuola Teatro Dimitri, den Ärmel reingezogen hat mir dann die Zirkusschule in Budapest», erzählt der im Sulgenauquartier Aufgewachsene. In Montreal absolvierte er die Nationale Zirkusschule in den Disziplinen Jonglieren sowie Partnerakrobatik.

Frisch von der Schule weg engagierte ihn der Cirque Eloize. Dort feierte er einen seiner bisher grössten Erfolge: Fünf Jahre tourte er mit dem neben dem Cirque du Soleil zweiten weltbekannten Zirkus aus Montreal in 15 Ländern rund um den Globus. Nach einem kurzen Gastspiel in Argentinien kam Stefan Wepfer zum Circus Monti.

Zirkusartisten sind oft Spitzenathleten, Verletzungen kommen trotz gezieltem Training vor. Im letzten Jahr riss ihm eine Bizepssehne, in Montreal verletzte er sich am Rücken. Mit Yoga und Pilates oder Physiotherapie und Krafttraining baute sich der Exilberner jeweils wieder auf. «Mein Ziel für diese Spielzeit ist, verletzungsfrei zu bleiben», so sein Vorsatz. Er verzichtet deswegen zurzeit auf den Chinesischen Masten, seine eigentliche Disziplin. «Da trage ich bis zu drei Menschen auf meinen Schultern», fügt er hinzu. Sagts und verabschiedet sich, um sich auf die bald beginnende Vorstellung vorzubereiten.

Starke Berner Premiere

Kein Sägemehl, keine Tiernummern, dafür volles Haus respektive Zelt am Abend: Der Circus Monti kann mit seinem Programm so falsch nicht liegen. Hinter der Bühne wartet Wepfer angespannt auf den Beginn der zweistündigen Vorstellung. Er sei vor Beginn jeweils etwas nervös – gerade wenn er in Bern auftrete. Gleich wird er gemeinsam mit den 15 anderen Artisten gekonnt «artistische Höhepunkte, Musik, Tanz und Rhythmus miteinander verschmelzen», wie es im Programmheft steht. Nach der Partnerjonglage begleitet der Sohn einer Musikerfamilie am Cello, mit chinesischem Gong und Trommeln die Auftritte anderer Artisten. Im Circus Monti ist dies Usus: Jedes Mitglied nimmt in fast jeder Szene eine andere Rolle ein. Dabei entsteht die Illusion, es seien Hundertschaften am virtuosen Geschehen beteiligt. Das Premierenpublikum dankt es der Equipe mit tosendem Applaus und stehenden Ovationen.

Europatournee oder zur Sanität

Szenenwechsel: Wepfer sitzt vor seinem Wohnwagen, die Morgensonne wärmt den Allmendrasen. «Ich stehe jeden Tag gerne auf», sagt er und lächelt dabei zufrieden. Ernsthafter wird der 29-Jährige bei der Frage nach seinen Zukunftsplänen. «Entweder gehe ich mit einem anderen Zirkus auf eine mehrjährige Europatournee, oder ich werde wieder in Bern sesshaft und beginne hier im April die Ausbildung zum Rettungssanitäter.» Eine Entscheidung, die ihm nicht leichtfällt. Er, der mit 16 Jahren aus Bern in die weite Welt zog, ist stark mit der Zähringerstadt verwurzelt, wo Familie und Freundeskreis wohnen. Und bestätigt gleich noch ein gängiges Vorurteil: «Das im Vergleich mit anderen Metropolen gemächlichere Tempo finde ich extrem schön.»

Der Circus Monti gastiert bis 17. Oktober auf der Berner Allmend. Reservationen unter Telefon 056 622 11 22. (Der Bund)

Erstellt: 08.10.2010, 14:47 Uhr

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