FC Thun vermeidet einen Gerichtsprozess

Im letzten Moment einigen sich der FC Thun und der ehemalige Mittelfeldspieler Roman Friedli in einem arbeitsrechtlichen Streit.

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«Es geht um die Frage, wer geredet hat. Zeugen werden zeigen, dass es nur einen gab», sagte Fürsprecher Stefan Friedli gestern vor dem Zivilgericht in Thun. Er und die ehemalige Geschäftsführerin des FC Thun, Beatrice Blatter, vertraten den Oberländer Fussballklub im arbeitsrechtlichen Streit zwischen ihm und dem ehemaligen Mittelfeldspieler Roman Friedli. Dieser wurde im Januar 2008 fristlos entlassen, weil Indiskretionen über ihn an die Öffentlichkeiten gelangten. Konkret soll Friedli dem «Blick» Einzelheiten über den Sexskandal beim FC Thun preisgegeben haben, obwohl alle Spieler einen Maulkorb erhielten, nachdem die Affäre aufgeflogen war. Obwohl der FC Thun bereits damals sicher war, die Entlassung sei die richtige Massnahme gewesen und auch Fürsprecher Friedli sich gestern seiner Sache sicher schien, sah dies der ehemalige Fussballprofi von Anfang an anders. Er habe dem «Blick» nichts verraten, sagte Roman Friedli gestern. Für die ungerechtfertigte Entlassung hatte er deshalb finanzielle Forderungen auf dem Gerichtsweg gestellt. «Der FC Thun glaubte, sie könnten etwas sparen, weil ich unter Trainer René van Eck nicht viel gespielt habe», sagte er. Der Mittelfeldspieler war von den Thunern zunächst ein halbes Jahr an YB ausgeliehen worden und verletzte sich später bei seinem Stammklub. Vor dem Thuner Zivilgericht forderte Friedli seinen Lohn von 66 000 Franken, den er bis Vertragsende Mitte Jahr noch zugut gehabt hätte. Zudem verlangte er eine Genugtuung von 10?000 Franken, eine Entschädigung von 20?000 Franken gemäss OR für eine ungerechtfertigte Entlassung sowie die Kosten für seinen Anwalt.

Risiken «hüben wie drüben»

Die gleichen Parteien wurden bereits vor das Schiedsgericht der Swiss Football League geladen. Dort kam aber keine Einigung zustande. «Die Positionen lagen zu weit auseinander», sagte Markus Stähli, Verwaltungsratspräsident des FC Thun, auf Anfrage. Auch Vergleichsbemühungen im Vorfeld des Gerichtstermins hätten nicht gefruchtet, weil die Forderungen laut Stähli noch deutlich höher gewesen seien. Er sprach von 140 000 bis 150 000 Franken. Erst mithilfe der Richterin sei es nun zu einer Einigung gekommen.

Die Öffentlichkeit war allerdings von den Vergleichsverhandlungen ausgeschlossen. Erst nach längerem Hin und Her und einem Telefonat der FC-Thun-Vertreter mit Verwaltungsratspräsident Stähli zeichnete sich eine Einigung ab, worüber die Parteien Stillschweigen vereinbarten. «Genug», kommentierte Friedlis Fürsprecher Stefan Gerber die Frage, wie viel der ehemalige Fussballer nun bekomme. Gerber liess durchblicken, dass sein Mandant aber auf die Genugtuung verzichten muss. Für diese hätte es eine Beweisführung gebraucht, die aber nicht vorgenommen wurde, da es dank der gerichtlichen Vereinbarung nicht zum Prozess kam. «Beide Parteien mussten Haare lassen», sagte Stähli. Zudem hätte ein Prozess «hüben wie drüben» Risiken geborgen. Beide Seiten hätten eingesehen, dass nicht alles richtig gemacht wurde, sagte Fürsprecher Friedli. In der gerichtlichen Vereinbarung gebe es aber diesbezüglich keine Eingeständnisse.

Keine Entschuldigung für Friedli

«Es geht nur ums Geld», sagte Friedli nach den Verhandlungen. Dabei wäre es schön, wenn sich Stähli und der ehemalige FC-Thun-Präsident Kurt Weder bei ihrem ehemaligen Spieler entschuldigen würden. «Ich habe Friedli nicht entlassen», sagte dazu Stähli. Die Klubführung, die nach dem Skandal praktisch vollständig neu besetzt wurde, habe Altlasten übernommen. Eine Entschuldigung seinerseits wäre ein blosses Lippenbekenntnis, sagte Stähli. Dem ehemaligen Spieler würde wohl nur eine Entschuldigung Weders, des ehemaligen Vizepräsidenten Beat Germann und des ehemaligen Sportchefs Reto Gertschen etwas bringen.

Diese drei Männer hatten auf ihren Posten die Verantwortung für den Klub inne, als der Sexskandal im November 2007 aufflog. Die Polizei führte bei 21 Männern Hausdurchsuchungen durch und befragte die Angeschuldigten. Sie standen im Verdacht, mit einem 15-jährigen Mädchen Sex gehabt zu haben, was als Offizialdelikt gilt. Friedli wurde lediglich als Zeuge einvernommen, er war an den Vergehungen nicht beteiligt gewesen. Schliesslich mussten sich acht Personen, davon waren sechs aktuelle oder ehemalige Spieler des FC Thun, vor Gericht verantworten. Ausgesprochen wurden Geldstrafen und Bussen. (Der Bund)

Erstellt: 24.03.2010, 07:52 Uhr

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