«Es ist mir egal, nun als Spassbremse dazustehen»

Verhinderte Pop-Up-Bar

Der Berner Baudirektor Christoph Neuhaus (SVP) hält am Verbot für die Sommerbar Peter Flamingo fest. Doch wenn die Stadt volle Verantwortung übernimmt, könnte doch noch eine Bewilligung folgen.

«Wir können keinen privaten Bar-Event sponsern und gleichzeitig schiffts in die Schulhäuser»: Christoph Neuhaus (SVP), Baudirektor des Kantons Bern.

«Wir können keinen privaten Bar-Event sponsern und gleichzeitig schiffts in die Schulhäuser»: Christoph Neuhaus (SVP), Baudirektor des Kantons Bern.

(Bild: Nicole Philipp)

Herr Neuhaus, ihr Entscheid gegen eine weitere Bewilligung für Peter Flamingo auf Einsteinterrasse sorgt in der Stadt Bern für Unmut. Kritisiert wird vor allem die Begründung: Der Barbetrieb fand während zwei Jahren ohne Probleme statt, nun soll dies aus statischen Gründen plötzlich nicht mehr möglich sein. Wäre die Terrasse bei einer Neuauflage von Peter Flamingo denn einsturzgefährdet? Die Terrasse ist stabil. Aber die beiden Ausgaben von Peter Flamingo haben gezeigt, dass sie leidet, denn Bodenplatten und Regenrinnen sind beschädigt. Würden wir Peter Flamingo weiter zulassen, wären weitere Schäden zu erwarten und die Lebensdauer der Terrasse würde sich verkürzen. Aber die Stadt ist die Bewilligungsbehörde. Wenn sie will, kann Sie trotz unserer Haltung den Anlass bewilligen. Sie muss dann allerdings die volle Verantwortung übernehmen.

Die Einsteinterrasse stammt aus den 60-er Jahren, die Sanierung würde in einigen Jahren wohl ohnehin notwendig. Eine Gesamtertüchtigung würde heute um die drei Millionen Franken kosten. Eine Sanierung steht bei einem normalen Gebrauch durch Fussgänger frühestens in zwanzig Jahren an. Der Kanton muss zum Geld der Steuerzahler Sorge tragen. Es geht nicht, dass wir mit einer Millionen-Investition, die jetzt unnötig ist, indirekt als Sponsor für einen privaten Event auftreten.

Einmal abgesehen von bautechnischen und finanziellen Erwägungen: Gemeinderat Reto Nause sieht Peter Flamingo als Erfolg bei den Bemühungen, das Gebiet der Einsteinterasse zu beleben und im Sommer sicherer zu machen. Nun machen Sie der Stadt Bern ein Strich durch die Rechnung. Wenn Reto Nause sich ärgert, dann muss ich ihn daran erinnern: vereinbart ist gemäss Nutzungsvertrag mit der Stadt bei der Uni ein Grossanlass - heuer findet ab 17. Mai wieder das Sommer Beach statt. Peter Flamingo war auf Grund dieses Vertrags von Anfang an als Pilotversuch geplant. Nun hat sich gezeigt, dass dieser aus den erwähnten Gründen nicht weitergeführt werden kann. Da hilft alles Lärmen und Jammern nichts. Ich lebe gut damit, wenn ich deshalb nun als Spassbremse dastehe. Der Stadt steht es aber selbstverständlich frei, selber das nötige Geld für die Sanierung in die Hand zu nehmen oder einen anderen geeigneten Ort anzubieten - da gibt es in Bern einige.

Wäre eine vorgezogene Sanierung der Terrasse mit einer Kostenbeteiligung der Stadt kein Kompromiss, der eine Win-Win-Situation schaffen könnte? Noch einmal: Im Kanton Bern stehen in den kommenden Jahren viele wichtige Investitionen und Sanierungen an. Zwischen 2023 bis und mit 2027 fehlen dafür zurzeit 500 bis 700 Millionen Franken. Der Kanton baut in Bern für die Insel, will den Campus der Fachhochschule realisieren oder das Gymnasium Neufeld endlich erweitern sowie renovieren und einiges mehr - das kostet alles viel Geld. Da weigere ich mich gerne mal kurz drei Millionen Franken aufzuwerfen, um eine Terrasse für eine Sommerbar aufzumotzen. Irgendwann regnet es sonst in Schulhäuser rein.

DerBund.ch/Newsnet

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