«Endlich bewegen sich die Privatspitäler»

Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud begrüsst die enge Kooperation der Privatspitäler Sonnenhof und Lindenhof.

Begrüsst den Entscheid der Privatspitäler: Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud.

Begrüsst den Entscheid der Privatspitäler: Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud.

(Bild: Valérie Chételat)

Regierungsrat Perrenoud sagte zur geplanten Kooperation der Spitäler Lindenhof, Sonnenhof und Engeried vor den Medien in Bern, sie sei vergleichbar mit dem zur Diskussion stehenden Zusammenschluss des Inselspitals und des «Spital Netz Bern». «Endlich bewegen sich die Privatspitäler», so Perrenoud.

Mit dem Zusammenschluss dieser öffentlich finanzierten Spitäler will der Kanton Bern Synergien nutzen und damit Kosten senken.

Die kantonale Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) legt zum zweiten Mal nach 2007 eine auf vier Jahre ausgelegte Spitalversorgungsplanung vor. Die GEF bezeichnet sie als «zentrales Steuerungsinstrument für die Spitalversorgung und das Rettungswesen im Kanton Bern».

Ziel der Planung ist, im Kanton Bern eine flächendeckende, qualitativ gute, bedarfsgerechte und wirtschaftlich tragbare Spitalversorgung sicherzustellen. Zu den im dicken Wälzer vermerkten elf Zielen gehört auch, dass Bern bei den Gesundheitskosten unter den Universitätskantonen die Kostenführerschaft hält.

Zehn Prozent Kostensenkung liegt drin

Das vom Regierungsrat Ende August genehmigte Dokument bestimmt zwar nicht, welche Spitäler auf die kantonale Spitalliste 2012 kommen und somit Anrecht haben auf Abgeltung ihrer Leistungen. Diese Liste wird erst im Oktober publiziert. Die Spitalversorgungsplanung ist aber die Grundlage für die neue Spitalliste.

Perrenoud ging denn auch vor den Medien selber auf die Frage ein, ob im Kanton Bern weitere Spitalschliessungen nötig seien, und sagte: «Ja, es hat zu viele Spitäler». Nicht der Kanton werde aber Spitäler schliessen. Diese Kompetenz liege heute bei den Regionalen Spitalzentren.

Mit dem Instrument der Spitalliste und indem er dort die maximal zulässige Leistungsmenge pro Leistungserbringer aufführen wird, verfügt der Kanton aber über zwei Instrumente, um gegen zu viel Angebot und damit hohe Kosten bei den Spitälern vorzugehen.

Perrenoud und die Vorsteherin des kantonalen Spitalamts, Annamaria Müller Imboden, machten am Donnerstag deutlich, dass der Kanton diese Instrumente auch anwenden will. Das liege im Interesse der Bürger, sagte etwa Perrenoud.

Der Kanton Bern hat in einer kantonsübergreifenden Analyse der Fallkosten der Akutspitäler ein Sparpotenzial von zehn Prozent festgestellt - ohne dass die Qualität darunter leide, wie es in einer Medienmitteilung heisst.

Dezentrale Konzentration

Perrenoud will deshalb die Strategie der «dezentralen Konzentration» von Angeboten der Grundversorgung weiterverfolgen. Wenn wieder in einem «Täli» ein Spital verschwinde, müsse man nicht gleich den Teufel an die Wand malen, sagte Perrenoud: Auch mit Gesundheitszentren werde die Grundversorgung sichergestellt.

Mit einem Rechtsgutachten hat die GEF die Rechtmässigkeit der Mengensteuerung überprüfen lassen. Resultat: Die Mengenbegrenzung via Spitallliste ist nicht nur gesetzeskonform, sie entspricht auch den Zielen des Krankenversicherungsgesetzes (KVG). Nötig ist nun noch eine Einführungsverordnung zum KVG, die derzeit entsteht und per 1. Januar 2012 in Kraft gesetzt werden soll.

Deutliche Mehrkosten für den Kanton Bern

In der Versorgungsplanung 2007-2010 hatte der Kanton Bern noch prognostiziert, dass die ambulante und stationäre Behandlung im Kanton Bern wesentlich zunehmen werde. In der neuen Planung geht der Kanton nun von einer Zunahme der stationären Behandlungen um 5,5 Prozent in den Jahren 2008-2014 aus.

Mit den entsprechenden Kostenfolgen: 2014 dürfte die Spitalversorgung den Kanton Bern 1,261 Milliarden Franken kosten gegenüber 967 Millionen gemäss Budget 2011. Allerdings ist der Hauptgrund für diese Erhöhung die KVG-Revision mit einer Mehrbelastung des Kantons Bern von 263 Millionen Franken ab nächstem Jahr.

bs/sda

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