Einlochen mit der Fingerspitze

Zur Eröffnung der Spielwarenmesse «Suisse Toy» auf dem BEA-Gelände wurden acht Spiele prämiert. Darunter das Fingerbillardspiel «Yago Pool», das neben Geschick auch strategisches Denken verlangt.

Zur Eröffnung der Spielwarenmesse «Suisse Toy» auf dem BEA-Gelände wurden acht Spiele prämiert. (Valérie Chételat)

Zur Eröffnung der Spielwarenmesse «Suisse Toy» auf dem BEA-Gelände wurden acht Spiele prämiert. (Valérie Chételat)

Das Spiel gefalle ihm sehr gut, sagt der achtjährige Fabian Gerber aus Untersteckholz bei Langenthal. Er ist einer der Ersten, die sich in der Messehalle 220 im «Yago Pool» versuchen. Er finde eigentlich alle Spiele spannend, bei denen es ums «Zielen und Treffen» gehe, erklärt Fabian. Gegen seine Mutter zieht er allerdings den Kürzeren. «Er muss auch lernen, zu verlieren», meint diese schmunzelnd.Mix aus Billard und «Vier gewinnt»«Yago Pool» kann als eine Kreuzung beschrieben werden zwischen Poolbillard ohne Queue und dem Spiel «Vier gewinnt». Neben Geschicklichkeit ist auch strategisches Können gefragt. In das mit feinem Teppich bespannte «Yago Pool»-Spielbrett sind in der einen Hälfte neun Löcher eingelassen, in drei Linien zu je drei Löchern zu einem Quadrat angeordnet. Mit den Fingerspitzen müssen die roten und gelben Kugeln in die Löcher befördert werden. Das gelingt nicht auf Anhieb: Etwas zu stark gespielt, rollt die Kugel übers Ziel hinaus, tippt man sie zu schwach an, «verhungert» sie unterwegs. Und natürlich muss auch die Richtung stimmen. Schafft es ein Spieler, drei Kugeln in einer Linie zu platzieren oder fünf der neun Löcher mit seinen Kugeln zu füllen, kriegt er einen Punkt. Zwanzig Jahre Planung Zwanzig Jahre lang trug Peter Brönnimann die Idee eines billardähnlichen Tischspiels mit sich herum. «Viele Leute möchten zu Hause Billard spielen, haben aber zu wenig Platz oder Geld, um sich einen Billardtisch anzuschaffen», sagt Brönnimann. Die Tischbillards, die es in Warenhäusern zu kaufen gibt, seien jedoch «kaum zu gebrauchen». Brönnimann machte sich deshalb daran, ein qualitativ hochstehendes Brettspiel zu kreieren, ein Spiel, das «kein Seich ist», aber dennoch klein genug, um hinter dem Schrank zu verschwinden, wenn es nicht benutzt wird. «Spätestens wenn ich pensioniert bin, mache ich ein Spiel», habe er seinen Söhnen stets gesagt. Im Mai 2006 bauten Brönnimann und sein Sohn Yves einen ersten Prototyp, auf Holzunterlage und mit Hindernissen. «Nicht tauglich», urteilt Yves heute. Auf einem Campingplatz in Italien kam den beiden dann zwei Jahr später die entscheidende Idee, «wie gottgegeben», erinnert sich Peter: Die Kugeln sollten nicht ganz in die Löcher hineinfallen, sondern darin stecken bleiben. Für das Spiel bedeutete das: Die eingelochten Kugeln stellen für das Versenken weiterer Kugeln ein Hindernis dar, das Geschicklichkeitsspiel wird auch zum Strategiespiel. Einen weiteren Vorteil sieht Yves Brönnimann darin, dass «Yago Pool» in unterschiedlichen Varianten gespielt werden könne und so für Anfänger wie auch für Fortgeschrittene attraktiv sei. «Die Anordnung der Löcher ist geschützt, darauf haben wir ein Patent», sagt Vater Peter. Demnächst möchten er und sein Sohn ihr Spiel in grösseren Dimensionen realisieren. Ihnen schwebt die Idee vor, eine Platte zu bauen, die auf einen Billardtisch gelegt werden könnte. Stolz auf die AuszeichnungPeter Brönnimann, der zum Broterwerb in Kriens aus Steinen Grabmale fertigt, ist stolz, dass er und sein Sohn, die das Spiel in ihrer Freizeit entwickelt und realisiert haben, mit einem Suisse-Toy-Award gekürt wurden (siehe Kasten). «Die meisten anderen Gewinner waren grosse Firmen wie Nintendo oder Lego», sagt Peter Brönnimann. Von der Auszeichnung erhofft er sich, dass «Yago Pool» bekannter wird und sich das auch in den Verkäufen niederschlägt. Denn: «Bis jetzt haben wir draufgelegt. Das Material und die Werkzeuge sind nicht günstig.»>

Der Bund

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