Berner Wikipedia-Autor wird grosse Ehre zuteil

Der Berner Forscher und Wikipedianer Nando Stöcklin wird im September einen Preis in der Sparte Bildungswesen entgegennehmen – stellvertretend für Wikipedia-Gründer Jimmy Wales.

Wissensfülle aus dem Computer: Wikipedia-Autor Nando Stöcklin. (Adrian Moser)

Wissensfülle aus dem Computer: Wikipedia-Autor Nando Stöcklin. (Adrian Moser)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am 21. September erhält Wikipedia-Gründer Jimmy Wales für die Verdienste seiner Online-Enzyklopädie im Bereich Bildung und Beruf den Leonardo European Corporate Learning Award, ein Bildungspreis, der alljährlich an der Wirtschaftsmesse Zukunft Personal in Köln verliehen wird. Der vom «Forbes Magazine» zur zwölftbekanntesten Person des Internets gekürte Amerikaner nimmt die Auszeichnung allerdings nicht selbst entgegen, sondern entsendet einen Mann, der nach Wales’ Meinung ebenso am Erfolg von Wikipedia beteiligt ist: Nando Stöcklin. Der Berner Wissenschaftler beschäftigt sich seit fünf Jahren mit der Frage, wie das Online-Nachschlagewerk Wikipedia sinnvoll in der Schule genutzt werden kann, und ist Mitautor bei über 6000 Wikipedia-Artikeln.

Hobby und Beruf sind eins

«Es ist eine Ehre», sagt Stöcklin, «und eine Überraschung zugleich.» Dass ausgerechnet er ausgewählt worden ist, die Auszeichnung in Köln entgegenzunehmen, wertet er als Zeichen der Anerkennung für seine Forschungsarbeit. «Es ist schön, dass meine Arbeit über die Landesgrenze hinweg wahrgenommen wird.» Seit 2006 geht er in seinem Büro im Untergeschoss an der Muesmattstrasse 29 der Frage nach, welche Auswirkungen Wikipedia auf den Schulalltag hat und wie die Online-Wissensabfrage clever in den Unterricht eingebaut werden kann. Mit seiner Forschungsarbeit hat er einen Weg gefunden, Hobby und Beruf zu verbinden. Denn auch in seiner Freizeit beschäftigt sich Stöcklin mit Wikipedia. Er ist einer von über 6700 Autoren im deutschsprachigen Raum, seit 2004 Wikipedia-Administrator und Presseverantwortlicher in der Deutschschweiz.

Angefangen hat Stöcklin bei Wikipedia 2003. Damals hätten noch keine 40'000 Artikel existiert. Heute ist sein Einstandswerk, der Artikel zum «Volk des stehenden Steins», den Oneida-Indianern, in der Datenbank einer von über 1,2 Millionen deutschsprachiger Artikel. Rund 150 stammen aus seiner Feder, an über 6000 Artikeln hat er mitgearbeitet. «Insgesamt habe ich 18'159 Änderungen gemacht in der deutschsprachigen Wikipedia.» Das Verfassen von Artikeln vergleicht Stöcklin mit der Eroberung des Wilden Westens. Gleich einem Claim, den man seinerzeit in den weiten Prärien abgesteckt hat, entscheide sich ein Autor für ein Thema, das er bearbeiten wolle. Als er vor acht Jahren damit anfing, war die «Begriffslandschaft» noch so gut wie unbeackert. Heute gibt es zwar eine grosse Fülle an bereits bearbeiteten Stichwörtern. Gleichwohl finden sich noch viele Begriffe, die in der Internet-Enzyklopädie noch keinen Eintrag haben. So zum Beispiel der Leonardo European Corporate Learning Award.

Neugier und Umgang vermitteln

Um sich bei Wikipedia einzubringen und noch Begriffe aufzustöbern, die im wahrsten Sinne des Wortes ein «unbeschriebenes Blatt» sind, brauche es vor allem eines: Neugier. Sich einem Thema voll und ganz zu widmen, sich damit auseinanderzusetzen und das zusammengetragene Wissen anderen Nutzern zur Verfügung zu stellen, sei reizvoll für einen Wikipedianer. Dadurch, dass andere aktiv an den Texten mitschreiben können, ergebe sich ein doppelter Lerneffekt: Man erweitere seinen Horizont und profitiere vom Wissen anderer.

Die Begeisterung für das Online-Nachschlagewerk ist das eine, der richtige Umgang das andere. Diesen vermittelt Stöcklin in Referaten, Kursen und Lehrveranstaltungen. Es sei ähnlich wie seinerzeit bei der Einführung der Taschenrechner: Pessimisten hätten befürchtet, die Schüler könnten fortan nicht mehr kopfrechnen. Wikipedia wird vorgeworfen, Leute mit Halbwissen bedienten sich im Computer an einem Artikel, den sie gar nicht richtig verstünden. Wichtig sei, so Stöcklin, dass neue Dienste wie Wikipedia in den Unterricht integriert und als Basis vorausgesetzt würden. «So schult man den sinnvollen Umgang mit dem Dienst und kann erst noch zu anspruchsvolleren Aufgaben übergehen.» (Der Bund)

Erstellt: 29.06.2011, 10:06 Uhr

Paid Post

Tipps für eine einfache und sichere Tourplanung

Das Smartphone ist auf gutem Weg, die Skitourenplanung zu erobern. Möglichkeiten und Grenzen der digitalen Helfer.

Kommentare

Werbung

Immobilien

Die Welt in Bildern

Mit geschwellter Brust: Ein Mann aus Indien zeigt bei einem Wettbewerb für die beeindruckendste Gesichtsbehaarung stolz seinen Schnurrbart. Der Wettbewerb fand am Rande des jährlichen Kamel Festivals in der nordindischen Wüstenstadt Pushkar statt. (20. November 2018)
(Bild: Himanshu SHARMA ) Mehr...