Dubs erhält den «Wohlener Hecht»

Erwin Dubs engagiert sich für Hinterkappelen. Und ist dabei «nicht nur bequem».

Für einmal nicht in der Gemeinde unterwegs: Erwin Dubs. (Adrian Moser)

Für einmal nicht in der Gemeinde unterwegs: Erwin Dubs. (Adrian Moser)

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Erwin Dubs ist ein Zugezogener. Als Dreissigjähriger hatte es ihn wegen der Schreinermeisterausbildung von Zürich nach Bern verschlagen, wo ihn die neuen Mitmenschen oft zur Weissglut brachten mit ihrer Behäbigkeit und ihrem ewigen «auso ig hätt mi nid drfür». Dennoch wurde er sesshaft, und zwar im Kappelenring: Die Lage über dem Wohlensee hatte es der Familie Dubs angetan.

Inzwischen hat sich Erwin Dubs längst vom Zugezogenen zu einem waschechten Wohlener gewandelt, einem unüberhörbaren Gemeindemitglied, zu einem, das sich sehr wohl «drfür het». Sei es als Präsident des Tennisclubs, als Vize des Familiengartenvereins oder als Präsident des Chappele-Leists. Für seine besonderen Verdienste in der Gemeinde wurde er gestern an der Gemeindeversammlung mit dem «Wohlener Hecht» ausgezeichnet, einem Preis, der jährlich von der Kommission für Bildung und Kultur vergeben wird.

Mit dem Leist zum Hecht

An der Gemeindeversammlung lobte Cristina Camponovo (SP plus), Vorsteherin des Departements für Bildung und Kultur, vor allem Dubs’ Bereitschaft, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Dies tut er vornehmlich in seiner Funktion als Präsident des Chappele-Leists, einem gemeinnützigen Verein, der sich den Erhalt der Lebensqualität in Hinterkappelen auf die Fahne geschrieben hat: Der Verein mit 200 Mitgliedern holt mit dem «Kulturgöpel» Theater und Kabarett ins Dorf, veranstaltet Anlässe vom Dorffest bis zum Kerzenziehen und mischt in der Gemeindepolitik mit.

Er sei hocherfreut gewesen, als er von seiner Nomination für den «Hecht» durch Wohlener Gemeindebürger erfahren habe, sagt Dubs: «Das zeigt mir, dass es registriert wird, wenn man sich einsetzt.» Als er in den 1970er-Jahren angefragt wurde, ob er gewillt sei, das Leist-Präsidium zu übernehmen, sagte er sofort zu. «Ich hatte ein Interesse daran, Kontakte im Kappelenring und im alten Dorfteil zu knüpfen», sagt Dubs. Ausserdem gefalle ihm die Steigbügelfunktion: «Ich möchte der sein, der zuhört, Begehren zusammenträgt und kommuniziert. Viele rufen nur aus, ohne etwas zu unternehmen.» Wenn der Chappele-Leist Begehren zusammenträgt, dann äussert sich dies oft in Form von Einsprachen. So scheiterte etwa das Projekt für ein neues Clubhaus des Ruderclubs Wohlensee 2005 am Widerstand der Kappelenring-Bewohner. Das sorgte am Aareufer für Unmut: Der Chappele-Leist gebärde sich gern als «Verhinderer», schallte es vom Clubhaus herauf.

«Ich habe eine dicke Haut»

Dubs nimmt das in Kauf. In einem Dorf, das durch seine Lage am Naherholungsgebiet viele verschiedene Interessengruppen beherbergt, trete man immer jemandem auf die Zehen. «Ich habe eine dicke Haut», sagt er. Auch die Gemeinde kriegt Dubs’ unverblümte Art hin und wieder zu spüren: In Bezug auf die Realisierung des seit Jahren umstrittenen Uferwegstücks am Wohlensee warf Dubs der Gemeinde Verzögerungstaktik vor. Ob es wohl klug ist, einem der einflussreichsten Gemeindemitglieder mit einem Preis zu noch mehr Gewicht zu verhelfen? Camponovo, Vertreterin des gescholtenen Gemeinderats, findet dies sehr wohl: «Natürlich ist Dubs nicht nur bequem für uns. Doch solche Leute braucht eine Gemeinde unbedingt, sonst würde es am Ende noch langweilig», erklärt sie.

Wo Dubs seine kommunikative Ader und sein Flair fürs Lobbyieren herhat, kann er selbst nicht genau festmachen. «In der Schule war ich eigentlich eher scheu», erinnert er sich. Ob er seine Freude am Einflussnehmen nie in eine politische Karriere habe stecken wollen? Der 66-Jährige winkt ab: «Die Politik ist mir zu eng. Ich will an der Gemeindeversammlung etwas sagen können, ohne mich nach einem Parteibüchlein zu richten», sagt er. Lieber engagiere er sich weiterhin auf der anderen Seite der Gemeindepolitik.

Obwohl inzwischen pensioniert, ist Dubs kaum je mit einem Buch auf dem Sofa anzutreffen. Wenn er sich nicht seinen Ämtern widmet, fährt er Ski, spielt Tennis, pflegt den Schrebergarten oder ist anderweitig unterwegs. Am Vorabend der Gemeindeversammlung etwa stand bei ihm ein weiterer wichtiger Termin an: ein Meeting im Wald, er angetan mit Bart, Rute und rotem Mantel. Als Samichlaus belohnt Dubs die braven Kinder Hinterkappelens nämlich alljährlich mit Nüssli und Mandarinli. (Der Bund)

Erstellt: 08.12.2010, 09:41 Uhr

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