Die positiven Seiten der Fankultur

Wenn über Fans berichtet wird, dann meist im Zusammenhang mit Ausschreitungen. Das will ein Fanprojekt ändern – neben den Fans von YB und SCB sind auch die Polizei und Bernmobil dabei.

Fanvertreter Renato Stefani, SCB-Mann Peter Bischoff und Fandelegierte Su Elsener. (Valérie Chételat)

Fanvertreter Renato Stefani, SCB-Mann Peter Bischoff und Fandelegierte Su Elsener. (Valérie Chételat)

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Renato Stefani weiss, wie böse Buben ticken, er war selber mal einer. Aber jetzt hat er Familie, ist älter geworden – und ruhiger. Stefani gehört nun zu den Fans, die sich zu benehmen wissen: Er ist Präsident des Fanklubs Mutzebügler und Vertreter der offiziellen Fanklubs (OFC) des Berner Schlittschuhclubs. Diese 26 Fanklubs haben eine Vereinbarung mit dem Verein unterschrieben, in der sie sich unter anderem dazu verpflichten, keine Gewalt auszuüben und keine Petarden im Stadion zu zünden.

Es sind auch diese Fans, die sich am Fanprojekt «Sport fägt . . . mit de Fans no meh!» beteiligen. Das Projekt ist von den beiden Berner Sportklubs SCB und YB gemeinsam mit den Fans lanciert worden. Mit an Bord sind auch andere Player, die bei der Durchführung der Spiele beteiligt sind: die Stadionbetreiber, Bernmobil – und die Kantonspolizei. Das Projekt will die positiven Seiten der Fankultur fördern. Gestern ist es an den Präventionstagen der Kantonspolizei an einem Info-Stand zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Auch Stefani steht hinter dem Stand. Sehr viel halte er von diesem Projekt, sagt er. «So bekommt die Presse auch mal Wind davon, dass positive Sachen passieren.» Und Stefani zeigt auf grossformatige Bilder, die Choreografien der Fans zeigen. Es sind Dokumente der immensen Arbeit, die im Hintergrund geleistet wird. Da ist etwa die Choreo, die in einem Spiel gegen Langnau vor Weihnachten organisiert wurde: Ein haushoher Tannenbaum aus Folie prangt an der «Wand», der imposanten Stehplatzrampe in der Bern-Arena. Alleine der Stern, der auf dem Baum thronte, habe einen Durchmesser von sechs Metern gehabt, schwärmt Stefani.

Solche Choreos sind aufwendig: Mehrere Tage arbeiten die Fans an einer solchen Aktion, finanziert werden sie von der Kurve selbst – mit Sammelaktionen, durch ein Magazin und über ein «Lädeli», wo die Fanklubs ihre Artikel verkaufen. Über Choreos werde kaum je berichtet, stellt Stefani fest. Kommt es aber zu Schlägereien, Ausschreitungen und Problemen mit Pyro, sei die Presse stets zur Stelle.

«Ein gutes Spiel lebt von den Fans, nicht von den Schlägereien», sagt auch Peter Bischoff, der beim SCB eine wichtige Figur ist – und auch in der Fankurve ein respektierter Mann. Auf Bischoffs Visitenkarte steht «Head of Event Logistics»: Er ist zuständig für einen reibungsfreien Verlauf der Spiele. Damit dies möglich sei, brauche es einen Austausch der verschiedenen Beteiligten. Das neue Fanprojekt sei auch eine Art Forum, in dem man sich etwa mit Polizei und Bernmobil austauschen könne. Vierteljährlich wolle man sich innerhalb der Projektgruppe treffen. Weitere konkrete Aktionen werden zurzeit erst angedacht.

Hüpfen: Ein Problem für Trams

Bei einem solchen Austausch kämen Bedürfnisse und Probleme zum Vorschein, die vorher nicht bekannt gewesen seien, bestätigt auch Su Elsener, die Fanbeauftragte des SCB. Etwa, dass es für Bernmobil ein Problem darstellt, wenn Fans im Trams hüpfen. Zudem sollten die Fans merken, dass auch die Polizei oder die Verkehrsbetriebe Teil der Veranstaltung seien. «Dadurch wächst der Respekt», glaubt Elsener. Laut der Fandelegierten hätten die hartgesottenen Fans auch fast beim Projekt mitgemacht, der Teil der Fans also, welche die OFC-Vereinbarung nicht unterschrieben haben – und sich unter dem Dach «Szene Bern» vereinigen. Da es kürzlich zu einigen Stadionverboten gekommen sei, habe man sich im Moment nicht mit der Polizei ins Boot setzen wollen. Mit einem solchen Projekt sei es tatsächlich schwierig, die Risikofans zu erreichen, räumt Elsener ein. Und trotzdem sei es wichtig, den Dialog mit der Polizei aufzunehmen, auch als Zeichen gegenüber polizeiskeptischen Fankreisen. «Sie sollen sehen, dass wir auch mit der Polizei reden – dieser Dialog soll zur Gewohnheit werden.»

Ist das Projekt auch eine Vorwärtsstrategie der Klubs in Sachen Sicherheitskosten? Schliesslich müssen sich YB und SCB daran lediglich mit 60 000 Franken pro Jahr beteiligen. Elsener gibt sich diplomatisch: «Wir wollen einfach zeigen, was in Sachen Prävention alles gemacht wird – und den Fokus mal nicht auf Kameras und Zäune richten.» (Der Bund)

Erstellt: 26.08.2010, 08:01 Uhr

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