Die alten Mätteler sterben aus

Dieses Wochenende feiert der Matteänglisch-Club das 50-Jahr-Jubiläum. Sein Präsident Peter Hafen lebt nicht mehr in der Berner Matte. Der Faszination des Matteänglisch und des Mattedialekts kann er sich aber nicht entziehen.

Sein Herz schlägt für beide Aareufer: Peter Hafen auf der Untertorbrücke. (Adrian Moser)

Sein Herz schlägt für beide Aareufer: Peter Hafen auf der Untertorbrücke. (Adrian Moser)

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Sein Grossvater war ein «Mattegieu», einer der berüchtigten Buben aus dem Mattequartier, die mit ihren Streichen in Erzählungen weiterleben. Als er ins Matteschulhaus wechselte, musste Peter Hafens Vater das Matteänglisch gewissermassen als Bedingung für die Aufnahme im Quartier lernen. Noch als Hafen aufwuchs, hiess es: «E rächte Bueb geit nid i d Matte.» «Damals hatte man immer noch etwas Angst vor den ,Mattegiele‘. Sie waren schon etwas rauer als andere», sagt Hafen.

Führungen und Kurse

Heute lebt der 62-jährige Berner zwar auf der anderen Aareseite. Doch im Matteänglisch-Club setzt er sich weiterhin für die alten Sprachen der Matte, das Matteänglisch und den Mattedialekt, ein. Seit neun Jahren ist Hafen Präsident des «Mäc», wie sich der Club abkürzt. Für die rund 380 Mitglieder organisiert er Vorträge und Kurse in Matteänglisch, bietet historische Führungen durch das Quartier und die Stadt Bern an. «Nur mit der Sprache kann man die Mitglieder nicht ködern», sagt Hafen.

Mattedialekt schon ausgestorben

Hafen sprach selber noch den Mattedialekt. Dieses Mattenberndeutsch wird häufig mit Matteänglisch verwechselt. «Man wusste damals nicht, dass das etwas Besonderes ist», sagt er. Als vor 50 Jahren der Club gegründet wurde, um das Matteänglisch zu schützen, fehlte dieses Bewusstsein für den Dialekt. «Die Erziehungsbehörden haben ihn erfolgreich ausgerottet.»

Die Regeln des Matteänglisch aber hat der Club festgehalten. Seither kann jeder nachlesen, wie der Silbendreh der Spielsprache funktioniert. Die frühere Geheimsprache der «Mätteler» ist für alle entschlüsselt. Ein Bruch mit der Geschichte der Sprache? «Man kann es so sehen», sagt Hafen. «Aber um die vergangene Jahrhundertwende begann die Sprache zu verschwinden. Wenn man sein Erbe bewahren will, muss man das Matteänglisch öffentlich machen.»

Kaum noch fliessend

Doch heute sprechen nur noch wenige Club-Mitglieder Matteänglisch. Gerade noch für eine Begrüssung reiche die Sprachkenntnis der meisten aus. Bei der Mehrheit der Clubmitglieder überwiege ohnehin die Sympathie für das Mattequartier und ihr sprachliches Kuriosum, sagt der Präsident. Auch Peter Hafen hat aus linguistischem Interesse zur Sprache der Matte zurückgefunden. «Alles, was berndeutsch ist, interessiert mich», sagt er. Bisweilen korrigiere er sogar seine Freunde, wenn sie im Dialekt nicht korrekt sprächen. «Über die neuen Sprachgewohnheiten kann ich mich richtig aufregen.»

Die Matte verändert sich

Eine Geheimsprache ist das Matteänglisch nicht mehr. Abgrenzen wolle sich keiner, der es heute spricht, sagt Hafen. «Höchstens damit angeben», scherzt er. Vielmehr wolle man eine verlorene Sprache in Erinnerung behalten. Von den «Originalen», welche die Sprache natürlich gelernt haben, sind nur wenige übrig. Denn das Mattequartier verändere sich. «Die alten Mätteler sterben aus. Wir haben gleichzeitig viele Junge, die hierher ziehen», sagt Hafen. Trotzdem werde das Matteänglisch überleben. Wie auch der Charakter des Quartiers: «Die Matte ist ein Dorf. Dieser Nimbus wird überdauern.»















> (Der Bund)

Erstellt: 12.10.2009, 15:08 Uhr

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