Die Stadt Bern stellt sich klar hinter ihre grossen Kulturinstitutionen

Die Bevölkerung nimmt die fünf Kulturverträge haushoch an – und gibt damit grünes Licht für die Fusion von Symphonieorchester und Stadttheater.

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Es war ein Abstimmungssonntag für starke Adjektive – zumindest, was die Kulturpolitik angeht: «Sensationell» nannte Alexander Tschäppät (SP) das Abstimmungsergebnis zu den Kulturverträgen gestern vor den Medien. Die Zustimmung zu allen fünf Vorlagen sei unerwartet hoch ausgefallen.

Erstmals haben die Stadtberner einzeln über die Verträge der fünf grossen Institutionen für die nächste Subventionsperiode befinden können. Und die Ja-Anteile sind durchwegs überraschend klar: von 72,8 (Dampfzentrale) bis 88,7 Prozent (Historisches Museum).

Am meisten zu diskutieren gab im Vorfeld der Leistungsvertrag mit dem Konzert Theater Bern – dem Zusammenschluss zwischen dem Berner Symphonieorchester (BSO) und dem Stadttheater. Nun kann die Fusion wie geplant über die Bühne gehen. Eine satte Mehrheit von 78,1 Prozent der Bernerinnen und Berner will die neue Organisation von 2012 bis 2015 mit 14,5 Millionen pro Jahr unterstützen. Die Stadt übernimmt dabei 39 Prozent der Subventionsgelder (Regionsgemeinden 11, Kanton 50 Prozent). Wäre die Vorlage abgelehnt worden, wären die Subventionsgeber vor einem Scherbenhaufen gestanden, sind doch die Verträge mit den beiden alten Institutionen bereits gekündigt. «Es hätte keinen Plan B gegeben, wir hätten ein Notfallszenario aufgleisen müssen», beteuert Tschäppät.

Der Stadtpräsident deutet das Resultat auch als Vertrauensbeweis in die Projektgruppe unter Alt-Ständerat Hans Lauri und «Mister Euro 08» Marcel Brülhart, welche die Zusammenführung leiten. Mit «grosser Freude» nimmt Lauri das Resultat zur Kenntnis, es sei aber auch eine Verpflichtung, das Projekt nun zu einem guten Ende zu führen. Er habe zwar mit einem positiven Resultat gerechnet, nicht aber in dieser Höhe. «Als Politiker habe ich nie ein solches Ergebnis einfahren können», meint Lauri, der sieben Jahre in der Kantonsregierung sass, augenzwinkernd. Schon diese Woche werde nun die neue Stiftung definitiv gegründet. «Der ganze Prozess wird aber noch zwei, drei Jahre dauern, bis wir künstlerisch und betrieblich dort sind, wo wir gerne hinmöchten.»

Debatte über Inhalte gefordert

Mit Freude reagiert auch die Kulturszene: «Dass wir geschlossen hinter allen fünf Verträgen gestanden sind, hat zu diesem sehr guten Resultat beigetragen», meint Christian Pauli, Co-Leiter der Dampfzentrale und Präsident des Vereins Be-Kult, der die Berner Kulturveranstalter vertritt. Pauli glaubt aber, dass nun vermehrt wieder kritische Stimmen zu hören sein werden, und fordert eine Debatte über die inhaltliche Ausrichtung der neuen Institution.

Zwar gab es im Vorfeld etliche kritische Stimmen, die Opposition gegen das Konzert Theater Bern war aber relativ gering – im Parlament lehnten den Vertrag lediglich einzelne bürgerliche Exponenten sowie die Grünliberale Partei (GLP) ab. Die GLP bedauert denn auch in einer Mitteilung, dass «damit ein die Stadt überproportional belastender Verteilschlüssel und das Giesskannenprinzip in der Kulturpolitik für weitere vier Jahre zementiert werden». Und auch FDP-Stadtrat Pascal Rub ist enttäuscht über das klare Ja. Er befürchte, die Stadt habe dadurch ihre Position in den Verhandlungen über die Sanierungskosten geschwächt. 2015 soll das Stadttheater für 45 Millionen Franken renoviert werden – ob die Regionsgemeinden ihren Anteil leisten, ist unklar.

Als allfälliger Wackelkandidat galt im Vorfeld auch die Dampfzentrale. Über deren Leistungsvertrag ist zum ersten Mal abgestimmt worden, weil neu die Miete zu den Subventionen angerechnet wird. Den jährlich knapp 2 Millionen Franken Subventionen stimmten 72,8 Prozent zu – auch hier sprechen sich alle Stadtteile für ein Ja aus. Co-Leiter Pauli freut sich, biete doch die Dampfzentrale mit ihrer Ausrichtung auf zeitgenössische Musik und Tanz nicht nur einfache Kost: «Das ist fast ein Wahnsinn.»

Die beiden im Vorfeld unbestrittenen Verträge mit dem Historischen Museum (88,7 Prozent) und dem Kunstmuseum (84,6 Prozent) passierten wie erwartet. Nicht ganz so hoch war die Zustimmung zum Zentrum Paul Klee. Der Vertrag mit dem ZPK, das in der Vergangenheit immer wieder mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, erreicht 74,2 Prozent Ja-Stimmen. (Der Bund)

Erstellt: 16.05.2011, 07:56 Uhr

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Quelle: Stadt Bern

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