Die Höhle hoch über der Aare

In Oltigen in der Gemeinde Radelfingen ist das «Güggelisloch» dank dem Dorfverein wieder begehbar. Auf dem Felsen stand im Mittelalter eine Burg, die 1410 von revoltierenden Bauern zerstört wurde.

Der Eingang zum «Güggelisloch» – für die Begehung empfiehlt es sich, eine Taschenlampe mitzunehmen.

Der Eingang zum «Güggelisloch» – für die Begehung empfiehlt es sich, eine Taschenlampe mitzunehmen. Bild: Valérie Chételat

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Hoch auf der Runtigenfluh, beim Zusammenfluss von Aare und Saane, thronte im Mittelalter eine mächtige Burg. Hier an diesem früher strategisch wichtigen Ort walteten die Herren von Oltigen. Dem letzten Grafen, Hugo von Montbéliard (Mömpel- oder Mümpelgard), der seine Untertanen piesackte, machte die aufgebrachte Landbevölkerung im Mai 1410 den Garaus. Der böse Zwingherr wurde getötet, die Festung gestürmt, angezündet und geschleift.

Heute ist von der Burg nicht mehr viel zu sehen, doch Hügel, Erhebungen und Einschnitte im Wald deuten die einstige Anlage an. Das «Güggelisloch», eine Höhle durch den Burgfelsen, ist dank den Bemühungen des Dorfvereins wieder begehbar, nur an einer Stelle muss man den Kopf leicht einziehen. Rund 150 Kubikmeter Sand wurden mit einem kleinen Bagger und von Hand aus der Höhle genommen. Ein rund 60 Meter langer Gang führt durch den Sandsteinfelsen, beim Ausgang in schwindelerregender Höhe über der Aare sichert ein Geländer die Begehung. Über einen kleinen, schmalen Pfad gelangt man von dort durch die Felsen hinauf zum mutmasslichen Burggraben.

Geheimnisvolles Loch im Gang

In der Mitte des Ganges befindet sich ein Loch, vielleicht ein früherer Sodbrunnen, der mit Brettern abgedeckt ist. Auch der Beginn eines Seitengangs wurde entdeckt. Weitere Grabarbeiten würden sich lohnen, sagen alteingesessene Oltiger. Oltigen zählt derzeit knapp 70 Einwohnerinnen und Einwohner und gehört zur Gemeinde Radelfingen. Welchem Zweck das Loch diente und wann genau der Gang, der bis zu zwei Meter hoch ist, angelegt wurde, ist unklar.

Der Name hat aber offenbar nichts damit zu tun, dass man aus dem Loch Richtung Aare oder Saane, die früher einen etwas anderen Verlauf nahm, «güggelen» kann. In einem Buch über Oltigen heisst es, der Geländename sei möglicherweise entweder von der «Gügge», der Wasserkröte, oder dem «Gugger», dem Kuckuck, herzuleiten. Auf dem Hügel wurden auch einige Burgsteine ausgegraben, die wohl aus der Zeit um das Jahr 1000 stammen könnten.

Für die Dorfbevölkerung blieben die Ereignisse durch all die Jahrhunderte präsent, obwohl sie die spärlichen schriftlichen Aufzeichnungen nicht kannten. Das Wissen über den letzten Grafen und über den Aufstand wurde mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Einige der Bauernfamilien sind wahrscheinlich mit den bei der Untersuchung namentlich bezeichneten Aufrührern verwandt. Letztes Jahr wurde zum 600-Jahr-Jubiläum des Bauernaufstandes ein Fest veranstaltet.

Früher gab es eine Brücke

Die Burg lag an einem wichtigen Ort, denn Aare und Saane wurden stark als Handelsroute genutzt, und der Transport auf dem Wasser war während Jahrhunderten die bevorzugte, weil effizienteste Methode. Bei Oltigen bestand die einzige Aarebrücke zwischen Bern und Aarberg. Gemäss dem historischen Lexikon der Schweiz wurde die Brücke 1226 urkundlich erwähnt, 1379 wurde sie, vielleicht durch Hochwasser, zerstört. Ein Übergang über den Fluss ist erneut für die Zeit von 1430 bis 1452 bezeugt. Bei Oltigen wurden Eichenpfähle im Wasser entdeckt.

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg kamen ganze Heerscharen von Pfadfindern aus Bern und der Umgebung und hielten im Gelände ihre Lager ab. 1953 fanden Pfadfinder aus Bümpliz über den ganzen Burghügel verstreut Mörtelreste. Grössere Funde sind nicht zu verzeichnen. Die Steine sind im Laufe der Jahrhunderte von den Ortsbewohnern zum Bau ihrer Häuser verwendet worden. Für die Pfadfinder und die Schulkinder aus der Gemeinde waren der Burghügel und das «Güggelisloch» ein Eldorado. Bäuchlings rutschten sie durch den Gang und gruben nach Schätzen. Nun, da die Höhle freigelegt ist, werden wohl einige von ihnen zurückkommen und wehmutsvoll an die «Abenteuer» ihrer Kindheit auf der Runtigenfluh zurückdenken. (Der Bund)

Erstellt: 08.08.2011, 12:54 Uhr

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