Der schönste Weiler im Kanton Bern

Bühlikofen in Zollikofen gehört zu den schönsten Weilern im Kanton Bern. Erstmals erwähnt wurde das Gut im 13. Jahrhundert – zu den Besitzern gehörten Rudolf von Erlach und Hans Franz Nägeli.

^Das malerische Schlössli in Bühlikofen wurde um 1616 von Johann Frisching erbaut. (Valérie Chételat)

^Das malerische Schlössli in Bühlikofen wurde um 1616 von Johann Frisching erbaut. (Valérie Chételat)

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Beim europäischen Tag des Denkmals im Jahr 2000 standen malerische Weiler rund um Bern im Zentrum des Interesses. Bundesrätin Ruth Dreifuss führte damals zur Eröffnung Gäste aus über 30 Nationen durch Herzwil, Liebewil und Bühlikofen sowie in die Wohlei. Bühlikofen in der Gemeinde Zollikofen gehört denn auch zu den schönsten und am besten erhaltenen Weilern im Kanton Bern und liegt oberhalb von Schloss Reichenbach auf einer Kuppe mit einer formidablen Aussicht in Richtung Stadt Bern und Alpen. Das Ensemble mit zwei Bauernhäusern, Schlössli, Spycher, weiteren Wohngebäuden und Stallungen ist denkmalgeschützt.

Heerführer als Gutsherr

Wohl kein anderer hat sich so eingehend mit der langen Geschichte des Weilers befasst wie Bernhard Junger, pensionierter Sekundarlehrer in Zollikofen. Auf einer mehrere Meter langen Papierrolle hat er alle Handänderungen seit dem 13. Jahrhundert, als Bühlikofen zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde, säuberlich aufgezeichnet, mit Namen und Querverweisen. «Das Gut hat eine ungeheuer lange Geschichte», sagt der 79-jährige Dorfchronist. Junger hat zudem über 30 alte Kaufbriefe transkribiert, die Landwirt Peter Meister auf seinem Bauernhof gefunden hatte. Es kostete Junger manche Stunde, die alte Schrift zu entziffern.

Die erste urkundliche Erwähnung: 1278 verkauften die Edlen von Bremgarten den Hof Bühlikofen an Werner von Rheinfelden. Dessen Tochter war mit Ulrich von Erlach verheiratet, dessen Sohn Rudolf wiederum ist als siegreicher Heerführer der Berner und Eidgenossen in der Schlacht von Laupen in die Geschichte eingegangen. Von Erlach strebte als Herr von Reichenbach danach, seinen Besitz zu erweitern. Er kaufte 1342 auch einen Teil der Mühle und der Säge, die im nahe gelegenen Graben am Chräbsbach errichtet worden waren. Der Bach fliesst bei Schloss Reichenbach in die Aare.

Eine Art Lust- und Jagdschloss

Zwischen 1573 und 1575 kaufte Hans Franz Nägeli, der Eroberer der Waadt und frühere Berner Schultheiss, im Alter von über 70 Jahren das Gut. Im 17. Jahrhundert konnte Johann Frisching Bühlikofen übernehmen. Dieser liess um 1616 das Schlössli bauen, was durch einen Backstein mit der entsprechenden Jahrzahl verbürgt ist. Zudem sei das Holz des Türpfostens untersucht worden, sagt Junger. «Die dendrochronologische Untersuchung bestätigte die vermutete Bauzeit.» Es ist anzunehmen, dass es sich um eine Art Lust- und Jagdschloss handelte. Bei der Renovation des Schlosses mit seinem markanten achteckigen Türmlein im 20. Jahrhundert kamen Wandmalereien mit mythologischen Szenen zum Vorschein. Ein Teil der Balken sei mit Ochsenblut eingefärbt worden, aus welchem Grund, sei ihm jedoch nicht bekannt, erklärt Junger.

Gleich neben dem Schlössli liess Frisching ein Wohnhaus erbauen, das mit dem Schlössli durch eine kleine gedeckte Brücke verbunden war. Das Wohnhaus wurde im Laufe der Jahrhunderte stark verändert und präsentiert sich heute in ganz anderer Form. Älter als das Schlössli ist der Spycher, der teilweise original erhalten ist. Die heute noch bestehenden Bauernhäuser stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (siehe auch Artikel unten). Es handelt sich um grosse Riegbauten mit grosser Ründe. Eine Inschrift auf dem Balken über dem Stall stellt den Hof unter Gottes Schutz und erbittet seine Hilfe. Wie es damals auf Bühlikofen aussah, zeigt ein Bild des Malers Albrecht Kauw. Junger hat das Gemälde originalgetreu nachgemalt, in etwas grösserem Format. Schon damals sind neben dem Schlössli ein Bauernhof und weitere Gebäude zu sehen. An der Aare steht noch das alte, eher burgartige Schloss Reichenbach. Junger spekuliert, dass der fruchtbare Moränenhügel möglicherweise auch schon früher landwirtschaftlich genutzt wurde. «Vielleicht gab es hier auch schon zu römischen Zeiten ein Landgut, wer weiss?»

Helikopterflug als Dank

Junger verweist auf die Siedlungen aus römischer und keltischer Zeit auf der anderen Seite der Aare auf der Engehalbinsel. Beim Steinibach, direkt unterhalb der ARA Worblental, habe eine Römerbrücke bestanden. Möglich sei auch, dass es bei Reichenbach wie heute einen Fährbetrieb gegeben habe.

Bernhard Junger verspürte stets den Drang, der lokalen Geschichte nachzuspüren. Immer war er dabei auch mit seiner Kamera unterwegs, mehrmals machte er auch Aufnahmen aus der Luft. «In meinem Archiv sind mittlerweile 7500 Dias», sagt der ehemalige Delegierte für Kulturgüterschutz. Junger steuerte auch das Bildmaterial für die Dorfchronik bei. Die Aufnahmen stellt er der Gemeinde Zollikofen zur Verfügung.

Als Geschenk hat er einen Gutschein für einen Helikopterflug erhalten. «Da habe ich vom Gemeindepräsidenten auch noch eine Tiefflugbewilligung verlangt.» So knatterte der rüstige Hobbyfotograf erst kürzlich in einem «Gschtältli», aus der Türe des Helikopters gelehnt, über Bühlikofen hinweg und schoss neue Flugbilder. (Der Bund)

Erstellt: 19.07.2010, 08:22 Uhr

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