Der Sprache den Sinn ausgetrieben

Kein Freund erzählbarer Geschichten: Am Weihnachtstag ist Rolf Geissbühler gestorben.

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«Ein Autor, der seit einem Vierteljahrhundert in konsequenter Selbstbeschränkung und mit aussergewöhnlicher Kompromisslosigkeit von Bern aus den Kosmos buchstabiert.» Das waren die Worte der Jury, die 1994 den Grossen Literaturpreis des Kantons Bern Rolf Geissbühler verlieh, zusammen mit Paul Nizon. Berner beide, doch während Nizon in Paris zur grossen Nummer geworden war, zu einem Publikums- und Weltgewandten, für den Bern und die Schweiz nur noch insofern zählten, als er sie hinter sich gelassen hatte, blieb Geissbühler immer daheim. Und immer ein Fall für die Kenner.

Geboren 1941 in Bern, zunächst Werbetexter, debütierte er 1969 mit «Äpfel, Birnen und Lattich» und wurde dann mit konkreter Poesie und Hörspielen bekannt; in den Achtzigerjahren folgten mehrere Veröffentlichungen experimenteller Prosa. Vor allem mit dem dreiteiligen Zyklus «Aufsatz» (1981–1989) und dem Prosawerk «Opera» (1994, alle bei Zytglogge) verschrieb sich Geissbühler einem keinerlei Publikumskonzessionen duldenden Umgang mit der Sprache: Sprache nicht als Vehikel erzählbarer Geschichten, sondern als reine Form, die keine Inhalte mehr bindet. In «Opera» zerstäuben grammatikalische Spiele und Buchstabenvertauschungen die Sätze und Wörter so lange, bis sich ihr Sinn verflüchtigt. Übrig bleibt die Sprache selbst; sie wird Figur, bereit, neue Bedeutung anzunehmen.

«Opera» war Rolf Geissbühlers letztes Buch. Seither ist es still um ihn geworden. Am frühen Morgen des 25. Dezember ist er im Wohn- und Pflegeheim Frienisberg gestorben. (Der Bund)

Erstellt: 02.01.2011, 09:42 Uhr

Rolf Geissbühler. (zvg)

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