«Der Erfolg wird zu einem Problem»

Mathias Tromp, Geschäftsführer des neu gegründeten Lötschbergkomitees über den unerwarteten Erfolg des Lötschbergtunnels.

Mathias Tromp, ehemaliger Direktor des Bahnunternehmens BLS, ist Geschäftsführer des neu gegründeten Lötschbergkomitees und BDP-Grossrat. (Keystone)

Mathias Tromp, ehemaliger Direktor des Bahnunternehmens BLS, ist Geschäftsführer des neu gegründeten Lötschbergkomitees und BDP-Grossrat. (Keystone)

Herr Tromp, der Lötschbergtunnel wurde primär für den Güterverkehr gebaut, hat nun aber vor allem Erfolg bei Sonnenhungrigen aus den Kantonen Bern und Wallis. Wurden die Prioritäten falsch gesetzt?
Nein, es hat einfach niemand mit so einem Erfolg gerechnet. Der öffentliche Verkehr kommt an – und zwar sowohl der Güterverkehr als auch der Fernverkehr und die S-Bahn. Darüber sollten wir uns freuen, auch wenn der Erfolg jetzt wegen der erreichten Kapazitätsgrenze zu einem Problem wird. Der Personenverkehr hat den Güterverkehr verdrängt. Davon profitiert der Tourismus – und so gesehen ist der Lötschberg keine regionale, sondern eine nationale Angelegenheit. Oder sogar eine internationale: Wir brauchen auch dringend schnellere Verbindungen nach Italien.

Alle Ihre angepeilten Ausbauprojekte zusammen werden wohl fast neun Milliarden Franken kosten. Schweizweit ist der Investitionsbedarf beim öffentlichen Verkehr riesig. Die Erfüllung Ihrer Wünsche hat deshalb kaum Chancen.
Wir müssen uns nicht bloss für die nahe Zukunft, sondern für die nächsten 20 bis 25 Jahre in Stellung bringen. Der Bund sieht bei den Investitionen in den öffentlichen Verkehr ja kein fixes Programm mehr vor, sondern 4-Jahres-Tranchen. Jetzt geht es darum, wer was bekommt im Rahmen der ersten Tranche. Wir wollen dabei sein. Wenn dann die zweite Tranche kommt, müssen wir wieder antreten und so weiter.

Wenn Sie ehrlich sind, müssen Sie zugeben: In unserem Land gibt es noch grössere Engpässe als die Lötschbergachse, etwa zwischen Genf und Lausanne. Müsste man nicht zuerst diese entschärfen?
Ich sage kein Wort gegen den Ausbau der Strecke Lausanne–Genf, das ist für mich die Nummer eins in der Schweiz. Wir treten auch nicht gegen diesen Engpass an. Aber wer nicht für seine Anliegen kämpft, wird links liegen gelassen. Das wollen wir vermeiden.

Sie sind Mitglied der BDP, einer Partei, welche die Staatsausgaben tief halten möchte. Wenn nun jede Region ihre ÖV-Maximalvariante erkämpft, wird es aber sehr teuer.
Vielleicht kann eben niemand seine Maximalvariante ins Trockene bringen. Jetzt geht es erst einmal darum, sich Gehör zu verschaffen, zu sagen: Uns gibt es, auch wir haben ein Recht auf einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs.

Müsste auch der Kanton Bern einen finanziellen Beitrag an den Lötschbergausbau leisten?
Ich denke, das könnte eines Tages nötig werden, damit die ganze Sache ins Rollen kommt.

Ist Ihr Amt als Geschäftsführer des Lötschbergkomitees eine Art persönliches Steckenpferd?
Nein, das ist kein Steckenpferd. Man hat mich gefragt, ob ich mitmachen möchte. Als Pensionierter, der die Materie und die Beteiligten gut kennt, gefiel mir diese Aussicht. Ich mache aber bewusst nichts mehr für die BLS, meine neue Teilzeit-Aufgabe ist die Sicherstellung der politischen Unterstützung für einen Ausbau der Lötschbergachse.

Der Bund

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