«Das ist eine Umgehung des Minarettverbots»

Die Muslime im Haus der Religionen planen den Bau einer Kuppel, die nachts beleuchtet ist. Für die stadtberner SVP Grund genug, Alarm zu schlagen.

Das Profil der Kuppel am Europaplatz.

Das Profil der Kuppel am Europaplatz.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Sie hat einen Durchmesser von bloss drei bis vier Metern und ist ebenso hoch. Aber für den Muslimischen Verein im Haus der Religionen am Europaplatz ist die geplante Kuppel aus Mauerwerk und Metall von grosser Bedeutung. Die Kuppel habe zwar mit Gottesdienst und Gebet nichts zu tun, sagt Imam Mustafa Memeti. «Aber es geht darum, das Geschehen im Innern gegen aussen transparent zu machen.» Die Kuppel erhöhe die Attraktivität der Moschee.

Von Anfang an geplant

Das Gewölbe wird nicht das einzige religiöse Bauwerk auf dem Dach des Hauses der Religionen sein. Gleich nebenan ist seit der Eröffnung der Institution vor vier Jahren die Spitze eines hinduistischen Tempels sichtbar.

Die Kuppel der Muslime war ebenfalls von Anfang an Bestandteil der Planung für das Haus der Religionen. Aber dem Muslimischen Verein fehlte damals das nötige Geld. Und die Teilnahme der Gruppierung am interreligiösen Projekt war innerhalb der muslimischen Gemeinschaften in der Schweiz umstritten. «Das hat sich in der Zwischenzeit geändert», sagt Imam Memeti.

Beliebtes Freitagsgebet

Seit einiger Zeit sei die Moschee mit ihren 300 bis 400 Plätzen mehr als voll beim Freitagsgebet. Die Betenden kämen mittlerweile aus der ganzen Schweiz angereist. Die Kuppel zeige ihnen den Weg in die Moschee, sagt Memeti.

Obwohl die Mehrheit der Vereinsmitglieder einst albanischer Herkunft war, stammt nur noch knapp die Hälfte der Besucher des Freitagsgebets aus den Ländern des Balkans. Weitere 15 Prozent sind arabischer Muttersprache und die restlichen 35 Prozent der Besucher verteilen sich auf die Herkunftsregionen Türkei, Ostasien und Afrika. «Unsere Moschee ist offen gegenüber allen», sagt Memeti.

Mit der steigenden Popularität sei aber auch die Durchführung von Zeremonien anspruchsvoller geworden. So werde das einst nur auf Albanisch gehaltene Freitagsgebet mittlerweile auch in Arabisch und Deutsch gehalten, sagt der Imam.

Ja zu Schweizer Werten

Trotz der vielfältigen Herkunft der Gläubigen spricht Memeti von einem Wir-Gefühl beim Freitagsgebet, das eine Art Keimzelle bilden könnte für einen schweizerischen Islam, der auf der Achtung der Grundrechte und der Bereitschaft zum Kompromiss basiere. «Wir stehen hinter den Schweizer Werten.»

Daher sei es selbstverständlich, dass das Baugesuch für die Kuppel auch mit den Vertretern der anderen Religionen im Verein und mit dem Stiftungsrat des Hauses der Religionen abgesprochen worden sei, sagt der Imam. Letzteres wird von Stiftungratspräsident Giorgio Albisetti bestätigt. «Der Stiftungsrat steht hinter dem Baugesuch.» Die Kuppel auf dem Dach sei für den muslimischen Verein ähnlich wichtig, wie es die benachbarte Tempelspitze für die hinduistische Gemeinschaft sei. «Eine Kuppel gehört einfach zu einer Moschee.»

Für die anderen religiösen Gemeinschaften sei die Sichtbarkeit gegen aussen nicht derart zentral, weshalb es auch keine weiteren Bauvorhaben auf dem Dach mehr gebe, sagt Albisetti.

SVP prüft Einsprache

Die SVP vermag das alles nicht so recht zu überzeugen. Stadtrat Henri-Charles Beuchat (SVP) stört sich nicht nur an der Kuppel, sondern auch am säulenartigen Wahrzeichen mit Halbmond, das neben dem Gewölbe steht. «Das ist eine Umgehung des Minarettverbots.»

Die SVP werde jedenfalls eine Einsprache gegen das Projekt prüfen. «Wir werden uns mit Händen und Füssen gegen das Bauvorhaben wehren», sagt Beuchat.

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