Das Wasserwerk schliesst Ende Jahr

Nachtleben

Das Ende einer Ära: Die Wasserwerk-Betreiber kapitulieren – und kritisieren die Lärmmessungen des Kantons.

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Es wurde befürchtet, nun scheint es besiegelt: Das Wasserwerk, den ältesten Club in der Matte, gibt es nur noch bis Ende Jahr. «Die Betreiber haben uns mitgeteilt, dass sie den Konzert- und Discobetrieb auf Ende Jahr einstellen werden», sagte Regierungsstatthalter Christoph Lerch am Mittwoch auf Anfrage.

«Das stimmt», sagt Urs Imhof, der im Wasserwerk für das Musikprogramm zuständig ist. Falls sich die Situation nicht doch noch kurzfristig grundsätzlich verändere, etwa durch politischen Druck, werde das Wasserwerk Ende Jahr geschlossen. Imhofs Kollege, Albert Gomez, einer der Betreiber des Wasserwerks, spricht von «allfälligen rechtlichen Möglichkeiten», die man abklären werde. Allzu grosse Hoffnungen aber machen sich die beiden nicht mehr. «So wie es aussieht, ist das das Ende für das Wasserwerk», sagt Imhof.

«Erhebliche Störungen»

Die Betreiber haben die Notbremse gezogen, nachdem sie vom Regierungsstatthalteramt den Bescheid erhalten hatten, ihrem Gesuch um eine Überzeitbewilligung bis fünf Uhr morgens werde wohl nicht stattgegeben. Sie zogen das Gesuch daraufhin zurück.

Die Hauptursache für den negativen Bescheid des Regierungsstatthalteramtes ist laut Lerch die zu laute Musik. Das Regierungsstatthalteramt hat die kantonale Lärmfachstelle Anfang Jahr beauftragt, den vom Wasserwerk verursachtem Lärm zu messen. Diese sei zum Schluss gekommen, dass die «Musikbeschallungen» zu «erheblichen Störungen» in der Nachbarschaft führten. Der sekundäre Lärm – jener, der nicht direkt durch die Musik, sondern durch die Ausgehenden verursacht wird – sorge zudem für «geringfügige Störungen». Den Betreibern wurde daraufhin nahegelegt, die Räume höchstens noch mit 80 Dezibel zu beschallen – laut Imhof entspricht dies «Hintergrundmusik in einer Bar». DJs oder gar Bands so leise spielen zu lassen, mache keinen Sinn.

Neben der Lärmprüfung hat das Regierungsstatthalteramt auch den Widerstand der Anwohner in die Beurteilung einbezogen. Die Einsprachen, die gegen die Überzeitbewilligung und die Bewilligung des Fumoirs eingingen, hätten «sicher eine Rolle gespielt», sagt Lerch. 21 Privatpersonen sowie der Matte-Leist und jener der unteren Altstadt hatten Einsprache erhoben.

Klage wegen Lärmtest-Ötzi

Gomez moniert, dass die Annahmen der Lärmfachstelle auf den Messungen an einem einzigen Tag beruhten. Diesen beschreibt er so: Am 11. Januar, einem Dienstag, sei er des Nachts ins Wasserwerk bestellt worden. Dann hätten die Lärmtester Musik vom österreichischen «Künstler» DJ Ötzi aufgelegt, ihn angewiesen, die Anlage auf 100 Dezibel aufzudrehen und in einer Wohnung oberhalb des Lokals die Lautstärke gemessen. Die Messung sei also nicht während des Betriebs vorgenommen worden, sondern während das Lokal leer war. Und ausserdem bei 100 Dezibel statt der 93, die beim nächtlichen Betrieb erlaubt sind.

Ausserdem bezweifle er, ob die drei mit der Aufgabe betrauten Polizisten überhaupt etwas von der Materie verstünden. Bittere Pointe für Gomez: Er erhielt für den zu lauten Ötzi auch noch eine Lärmklage. Gomez ist nicht der Erste, der die Messmethoden des Kantons anzweifelt. Im Falle des Sous-Souls in der Altstadt stellt ein Expertenbericht eines Bauakustikerbüros den Berechnungen der Lärmfachstelle ein schlechtes Zeugnis aus.

Christoph Lerch bestätigt, dass nur in der Nacht vom 11. auf den 12. Januar Messungen vorgenommen wurden und der Lärm also nie bei laufendem Betrieb gemessen wurde. «Das entspricht dem normalen, standardisierten Vorgehen der Kantonspolizei.»

Von Regula Mader ermutigt

Gomez und Imhof sagen, sie seien auch deshalb enttäuscht, weil sie sich 2009 erst nach einem Gespräch mit der damaligen Regierungsstatthalterin Regula Mader für eine Neueröffnung entschieden hatten. «Sie sagte uns damals, wir hätten gute Chancen, in nützlicher Frist eine generelle Überzeitbewilligung zu erhalten». Nicht zuletzt aufgrund dieser Aussicht habe man sich überhaupt entschieden, es zu wagen, sagt Imhof.

Das Wasserwerk darf die verbleibenden 23 Samstage des Jahres bis um 3 Uhr geöffnet haben. Der 23. Samstag wird Silvester sein. Dann gehen die Lichter wohl aus – nach 18 Jahren, in denen nachmalige Weltattraktionen wie Moby, The Prodigy oder The Roots das Lokal beehrt haben.

Der Bund

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