Das Aare-Stägli der «letzten Chance»

Wer den letzten Ausstieg aus der Aare im Marzili verpasst, ist nicht verloren, erlebt aber womöglich Unannehmlichkeiten.

Die wohl beliebteste Ausstiegsstelle aus der Aare: Das letzte Stägli im Marzili.

Die wohl beliebteste Ausstiegsstelle aus der Aare: Das letzte Stägli im Marzili. Bild: Valérie Chételat

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer der schönen grünen Aare entlangspaziert oder -joggt, stösst immer wieder auf sie: die Ausstiegsstellen mit den roten Geländern – kurz, die Stägli. Einige dieser Stägli haben sogar einen eigenen Namen. So zum Beispiel dasjenige unmittelbar oberhalb der hydrografischen Messstation Schönau: das Türmli. Oder die Tellplatte. «So hiess oder heisst (?) der Unterwassersporen beim ehemaligen Einlauf der Fischzuchtanstalt Eichholz», wie der passionierte Aareschwimmer Peter Gygax in seinem Buch «Marzili – Berner Welt am Aareufer» schrieb. Bei der Tellplatte könne man sich bei geeignetem Wasserstand, «herrlich gegen die Strömung stemmen». Und auf dem Gelände des Marzilibads sprechen Kenner vom «grossen Bunker» oder dem «ersten» oder «zweiten Geranium».

Doch die bekannteste Ausstiegsstelle auf dem Marziligebiet ist zweifelsohne das letzte Stägli. Viele Marziligängerinnen und -gänger sprechen von der «letzten Chance», sagt Marzilikenner Gygax. Das tönt bedrohlich. Doch Gygax relativiert: Es gebe auch nach dem letzten Stägli noch zahlreiche Ausstiegsmöglichkeiten, «bevor man dann bei der Schwelle landet». Es sei wohl vielmehr die letzte Möglichkeit, auf dem Marziligelände auszusteigen, ohne weit zurücklaufen zu müssen. Es sei daher auch viel weniger der Nervenkitzel, der die Aareschwimmer beim letzten Stägli aussteigen lasse: «Es geht vielmehr darum, den Aareschwumm so lange wie möglich auszukosten», sagt Gygax.

Eine Aussage, die zahlreiche Schwimmerinnen und Schwimmer an einem heissen Sommertag bestätigen: «Warum früher aussteigen, wenn man bis hier runterschwimmen kann?», fragt ein junger Mann rhetorisch. Zudem gebe es kein besseres Stägli, um auszusteigen, fügt seine Begleiterin an. Sie lasse sich jeweils auf dem Rücken schwimmend herantreiben, damit sie dann schnell «zuechesliden» könne. Und: «Hier hat es auch gleich drei Duschen.» Einen ganz anderen Grund gibt ein älterer Herr an: «Ich steige jeweils hier aus, weil mein Arbeitsplatz gleich in der Nähe ist. Also der Jasstisch.»

Die Chance nach der letzten Chance

Und was, wenn man die «letzte Chance» dennoch mal verpasst? Ihm sei es einmal passiert, sagt ein sportlicher Mann knapp über 50. Das Problem sei gewesen, dass die Schwimmer vor ihm viel zu früh abgebremst hätten. Dadurch sei es zu einem «huere Stau» gekommen, wobei er das rote Geländer nicht mehr erwischt habe. Schlimm sei das aber nicht gewesen, er habe sich einige Meter weiter unten an einem «Chemp» festhalten können – «das ging tipptopp». Es sei auch immer wieder vorgekommen, dass er jemanden davor bewahrt habe, das letzte Stägli zu verpassen. Das letzte Mal habe er Anfang Juli «einen solchen Laueri» aus der Aare gezogen.

Auch sie habe das letzte Stägli einmal verpasst, sagt eine Frau. Der Grund war kein alltäglicher: Sie habe beim zweitletzten Ausstieg eine Bekannte gesehen, die sie nicht habe grüssen wollen. So habe sie sich vom Ufer weggedreht und wie eine Wilde zu «schwadere» begonnen – und in der Hektik den letzten Ausstieg verpasst. Sie habe dann durch das Loch beim Bueber aussteigen müssen. «Ich musste durch diese ‹grusig läii› Brühe schwimmen, wobei mich die Männer auch noch böse anschauten.» Das sei wohl die gerechte Strafe gewesen.

Peter Gygax, der immer in der Aare ist, «wenn die Wassertemperatur im zweistelligen Bereich ist», steigt kaum je beim letzten Stägli aus. Er ziehe es vor, bis zum Bueber zu schwimmen. Auch, weil er es witzig finde, wenn die Leute komisch schauten. So heisse es oft: «Jesses, wo wott de dä häre?» (Der Bund)

Erstellt: 09.08.2010, 11:10 Uhr

Werbung

Immobilien

Kommentare

Blogs

Outdoor Langlauftipps für Anfänger

Geldblog So sicher ist Ihr Freizügigkeitsgeld

Paid Post

Wo Cougars nach Sex suchen

Casual-Dating-Seiten bieten viele Überraschungen. Der 32-Jährige Simon aus Uster berichtet.

Die Welt in Bildern

Hi Fisch! Vor Hawaii lebt dieser Haifisch Namens Deep Blue. Wer mutig ist und lange die Luft anhalten kann, darf ihn unter Wasser streicheln (15. Januar 2019).
(Bild: JuanSharks) Mehr...