Stadt Bern

CVP-Politiker Bossart ist tot

Er schaffte den Aufstieg vom Kaufmann zum Finanzdirektor der Stadt Bern. Und er wollte mit China gross ins Geschäft kommen: Josef Bossart. Am 24. März starb er in Bern.

Zurück von der China-Reise 1987: Finanzdirektor Josef Bossart gibt sich als optimistischer Wirtschaftsförderer. (Hansueli Trachsel)

Zurück von der China-Reise 1987: Finanzdirektor Josef Bossart gibt sich als optimistischer Wirtschaftsförderer. (Hansueli Trachsel)

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Es war ein denkwürdiger Moment in der Berner Stadtpolitik, als Josef Bossart, langjähriger Finanzdirektor, nach erfolgreicher Wiederwahl als Gemeinderat vor versammelter Presse überraschend seinen Rücktritt bekannt gab. Es war der 26. Januar 1993. Am Tag zuvor war Bossart im zweiten Wahlgang um das Stadtpräsidium gegen den Sozialdemokraten Klaus Baumgartner unterlegen. Für den CVP-Mann ging hiermit eine Politikerkarriere zu Ende. Die Kämpfernatur ersparte sich so auch die Schmach einer Versetzung von der Finanzdirektion auf die Fürsorge- und Gesundheitsdirektion. Das RGM-Bündnis als Wahlsiegerin wollte fortan selber über das Schlüsseldepartement Finanzen bestimmen.

Bossarts Prophezeiung, die er im Wahlkampf geäussert hatte, ging in Erfüllung: «Wer das Terrain kampflos dem RGM-Bündnis überlässt, wird jahrelang, wenn nicht über mehrere Legislaturperioden hinweg, keinen bürgerlichen Stadtpräsidenten mehr sehen.»

Am 18. Juli 1929 in Luzern geboren, absolvierte Josef Bossart zunächst eine kaufmännische Lehre in einem Import-Export-Geschäft. Er erwarb an der Wirtefachschule Luzern zudem den Fähigkeitsausweis für Betriebe mit Alkoholausschank, den er für den elterlichen Gastgewerbetrieb benötigte. Er war mehrere Jahre in einem eidgenössischen Militärbetrieb und in der Folge bei der Eidgenössischen Preiskontrolle tätig, zuletzt als Abteilungschef.

Mit einem «Augenzwinkern»

Der joviale Nicht-Akademiker verhalf der kleinen CVP in der Stadt Bern zu ansehnlichem Erfolg: Von 1977 bis 1984 sass er im Stadtparlament. In dieser Zeit besass die CVP noch fünf Sitze, später verlor sie ihre Fraktionsstärke. Einer seiner drei Söhne, Konrad, sass von 1993 bis 2000 für die CVP im Stadtrat.

Anfang 1985 übernahm Josef Bossart die Finanzdirektion. Er war prägende Figur der «Vierer-Mit»-Regierung unter bürgerlicher Vorherrschaft. Im Gemeinderat wurde «Sepp» für seine unkomplizierte Art geschätzt. Geschäfte, für die heute langwierige Verfahren nötig sind, habe er damals gewissermassen mit einem «Augenzwinkern» durchgewinkt, erinnert sich ein ehemaliger Kaderangestellter. Nach der politischen Wende 1992 waren bei der RGM-Regierung Schuldenabbau und Reorganisation der Stadtverwaltung angesagt.

Die hohen Defizite hätten alle angerichtet, inklusive das Parlament, sagt alt Stadtpräsident Klaus Baumgartner rückblickend. Seinen Rivalen und Kollegen Bossart, mit dem er vier Jahre zusammenarbeitete, würdigt Baumgartner als gewieften und humorvollen Politiker.

Bossart engagierte sich auch für Sportvereine: Er war Finanzchef des SCB und Präsident des FC Bern. Zwei Grossprojekte aber, für die er sich ins Zeug legte, scheiterten: so das interdisziplinäre Forschungszentrum des Designers Luigi Colani und die Geschäftsbeziehungen mit China. Das Wirtschaftsprojekt verhalf dem unermüdlichen Mitte-Politiker immerhin zu einer zehntägigen Reise ins Reich der Mitte. (Der Bund)

Erstellt: 27.03.2009, 08:27 Uhr

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