CVP will eine «Puff-Zone»

Stadt Bern

Prostituierte sollen ihrem Gewerbe legal in Wohnwagen und nicht auf der Strasse nachgehen, schlägt eine CVP-Motion vor, die heute im Stadtrat eingereicht wird. Bei Fachleuten bleiben Fragen offen.

Strassenstrich auf der Kleinen Schanze: Die CVP will ihn auflösen. (Archivbild: Franziska Scheidegger)

Strassenstrich auf der Kleinen Schanze: Die CVP will ihn auflösen. (Archivbild: Franziska Scheidegger)

Markus Dütschler

Eine Alternative zum Strassenstrich fordert eine Motion: eine «Puff-Zone», in der Prostituierte in Wohnmobilen oder Wohnwagen legal ihr Gewerbe ausüben können. Absender des Vorstosses, der heute im Stadtrat eingereicht wird, ist die CVP. Stadtrat Henri-Charles Beuchat, bis vor Kurzem Präsident der Stadtpartei, hat das heikle Thema aufgegriffen, da sich «Berns Lustmeilen auf dünnem Eis bewegen», wie es in der Begründung heisst. Die Menschen auf dem Strassenstrich sollen «vor Ausbeutung geschützt werden». Es sei ein ethisches Problem, so Beuchat. Im Blick sei nicht die «grundsätzlich zulässige Prostitution», sondern ihre «Auswüchse und Begleiterscheinungen» wie Gewalt, illegaler Aufenthalt, Ausbeutung oder der störende Suchverkehr motorisierter Freier.Beuchat fordert den Gemeinderat auf, «ausserhalb der Wohnzone» Strassenabschnitte zu bezeichnen, an denen «Parkplatz-Sex» legal wäre, der sich in Wohnmobilen oder Wohnwagen abspielt. Als Vorteile nennt Beuchat: Die Fremdenpolizei könnte dort gut kontrollieren, Hilfsorganisationen wie Xenia oder Contact-Netz könnten Prävention betreiben. Der «illegale Strassenstrich» auf der Taubenstrasse sollte laut Stadtrat Beuchat aufgelöst werden.«Etwas viel hineingepackt»Die Stiftung Contact-Netz betreibt schon jetzt eine mobile Beratungsstelle für «drogenkonsumierende Sexarbeiterinnen»: Dreimal wöchentlich ist der Bus von «La Strada» bei der Kleinen Schanze präsent. Sie anerkenne den guten Willen der Motion, sagt Projektleiterin Karin Würsch, aber es sei «schon etwas viel hineingepackt». In der immer noch gültigen Verordnung über die Strassenprostitution von 2003 sei geregelt, wo die Frauen stehen dürften, im «Strada»-Bus würden sie darüber informiert. «Wenn sie ausserhalb der Zone erwischt werden, bezahlen sie eine Busse.» Es gebe dort «keine Szene, die aus dem Ruder läuft». Würsch verweist auf eine Motion auf kantonaler Ebene, die ein neues Prostitutionsgesetz verlangt. Es sei vernünftig, erst einmal diese Resultate abzuwarten.Martha Wigger von der Prostituierten-Beratungsstelle Xenia sagt, die Problematik von Frauen in Salons oder auf dem Autostrich sei ganz anders gelagert als bei drogenabhängigen Prostituierten: «Man darf das nicht vermischen.» Eine offene Frage ist für Fachleute auch, wie Drogen-Prostituierte zu einem teuren Wohnmobil kämen. Bereits 2003 war der Strassenstrich diskutiert worden. Im Vordergrund standen Parkplatzboxen mit Sichtschutz nach holländischem Vorbild: das «Utrechter Modell». In Bern wollte niemand eine solche Einrichtung in der Nähe haben, die Standortsuche verlief ergebnislos.Gemeinderat Reto Nause (cvp) sagte, er estimiere den Mut, ein heikles Thema aufzugreifen, selbst wenn noch nicht jede offene Frage beantwortet sei.

Der Bund

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