Bümpliz steigt als bester Zweiter auf

Bümpliz hat es geschafft. Die Stadtberner bewahrten gegen Thuns U-21-Auswahl ruhig Blut und siegten 3:1. Sie wollen das Abenteuer 1. Liga mit dem Aufstiegsteam in Angriff nehmen.

Keiner kann dem Champagner entrinnen: Die Spieler des SC Bümpliz 78 feiern ausgelassen den Aufstieg in die 1. Liga. (Marcel Bieri)

Keiner kann dem Champagner entrinnen: Die Spieler des SC Bümpliz 78 feiern ausgelassen den Aufstieg in die 1. Liga. (Marcel Bieri)

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Hans-Ulrich von Gunten hat praktisch keine Sicht aufs Spielfeld. Der Aufstiegsheld von 1990 steht hinter dem Garderobengebäude am Grill und wendet fleissig Bratwürste und Hamburger. Von der Partie, die für den SC Bümpliz 78 (SCB) über den Aufstieg in die 1. Liga entscheidet, bekommt er nur etwas mit, wenn er durch die Glastüre in seinem Rücken blickt.

Hautnah am Geschehen sind dafür Daniel Aebi und Roger Aemmer, zwei Ex-Teamkollegen des langjährigen Bümplizer-Stammgoalies. Aebi coacht den SCB, Aemmer ist sein Assistent. Das Duo kann die Anspannung nicht verbergen. Als die jungen Thuner früh in Führung gehen, senken sich auf der SCB-Ersatzbank kurz die Köpfe. Schon bald ist wieder Spannung in Aebis Körper. Mit ruhiger Stimme versucht er sein Team von der Seitenlinie aus zu dirigieren. Er wird später sagen, er habe sehr viel Vertrauen in diese Gruppe. Die angesprochene Gruppe lenkt das Spiel noch vor der Pause in die von ihr gewünschte Bahn. Kevin Blank und Jan Kamarys machen aus dem 0:1 ein 2:1. Ein paar SCB-Anhänger pusten tüchtig in ihre Vuvuzelas, die sie an einer Quartier-Tankstelle zu einem Spottpreis erstanden haben.

Die Bläser sorgen auch in der zweiten Halbzeit für die akustischen Höhepunkte. Vollends aus dem Häuschen geraten sie und ihre Entourage nach dem 3:1, welches wiederum Kamarys erzielt (61.). Sie wissen: Der Sieg ist den Bümplizern kaum mehr zu entreissen. Die Gewissheit gibt ihnen der Gegner aus Thun, der nach furiosem Auftakt stark abgebaut hat und sich nicht mit letzter Konsequenz gegen die vierte Saisonniederlage aufzubäumen scheint. Den Aufstieg hatte sich Thun schon gesichert. «Bei uns war etwas die Luft draussen, obwohl wir unbedingt Schweizer Amateurmeister werden wollten», bestätigt Thun-Trainer Martin Schmidt. Für den Walliser, der zu Mainz 05 wechselt und dort die zweite Equipe trainieren wird, überwiegen trotz der Enttäuschung ganz am Schluss die positiven Eindrücke: «Wir haben teilweise sehr gut gespielt, und drei meiner Spieler haben den Sprung ins Kader unserer Super-League-Elf geschafft.»

Finanzieller Kraftakt

Wenige Minuten vor 18 Uhr wird auf der Bodenweid ausgelassen gefeiert. Ausser sich vor Freude hüpfen über 20 blau-weiss gekleidete junge Männer im Kreis herum. Dazu singen sie: «Aufsteiger! Aufsteiger! Wir sind alle Aufsteigerjungs!» Das Trainerduo Aebi/Aemmer steht etwas abseits des Trubels – und kriegt dennoch vom Champagner ab, der eifrig verspritzt wird von den überglücklichen Siegern. Keiner kann entrinnen.

Weniger wild geht es in der Buvette zu, wohin sich die «SCB-Familie» nach dem Schlusspfiff verzogen hat. Bei Bier und Wurst wird über das Spiel, die Chancen und Gefahren des Aufstiegs sowie das Abenteuer 1. Liga gesprochen. Die meisten haben die Zeit in der 1. Liga noch nicht vergessen, obschon die letzte Relegation 10 Jahre zurückliegt. Sie haben auch die finanziellen Probleme nicht vergessen, die diese Stärkeklasse dem Klub zuletzt bescherte. Dennoch steht für die Vereinsspitze ausser Zweifel, dass der Schritt nach oben gemacht wird. «Es ist finanziell ein Kraftakt, doch dank guten Sponsorenverträgen sollten wir die Kurve kriegen», sagt Präsident Stephan Balmer. Er spricht von einem «Supererfolg einer Equipe, deren Stärke unter anderem ihr starker Zusammenhalt ist». Was Balmer nicht minder freut: Dass vom 24-Mann-Kader 14 Mann der klubeigenen Juniorenabteilung entstammen.

Auch Aebi streicht den Teamgeist hervor: «Die Jungs mögen sich und wollten diesen Aufstieg unbedingt erreichen.» Er weiss, dass er und seine Gruppe in der nächsten Saison hartes Brot zu kauen bekommen. Die Konkurrenz ist finanziell um einiges potenter und – zumindest was die U-21-Auswahlen angeht – auch kompetitiver. Gleichwohl wird sich der SCB nicht verstecken müssen. In seinen Reihen stehen mit Jan Kamarys, Arno Haldemann, Bajram Avdilji, den Brüdern Dany und Kevin Blank, Raphael Walter, Marc Pfister und Alain Maurer einige sehr gute Fussballer.

Die frisch gebackenen Aufsteiger haben die Festivitäten unterdessen in die Kabinenräumlichkeiten und vor die Buvette verlegt. Es wird gelacht, gejohlt, getrötet und gescherzt. Als Sportchef Eduard Helfer, der wegen eines Familienanlasses den Saisonhöhepunkt verpasst hat, auf dem Festplatz auftaucht, wird er von den Spielern mit Indianergeschrei empfangen. Alle wollen sie etwas von «Edu», der zu den Klub-Doyens gehört. Hans-Ulrich von Gunten, der noch immer hinter dem Grill steht, gehen Bilder der Aufstiegsparty von 1990 durch den Kopf. «Es ist nicht viel anders als bei uns damals. Solche Erfolgsmomente erlebt man nicht oft. Deshalb sollte man sie ausgiebig geniessen.» (Der Bund)

Erstellt: 14.06.2010, 11:02 Uhr

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