Budget-Wunder im Kantonslabor

Das Berner Kantonslabor hätte eine Million Franken einsparen sollen. Plötzlich sind es nur noch 400 000.

Der Erlenbacher BDP-Grossrat Peter Eberhart zielte mit seiner Motion auf die 16 Profi-Lebensmittelkontrolleure.

Der Erlenbacher BDP-Grossrat Peter Eberhart zielte mit seiner Motion auf die 16 Profi-Lebensmittelkontrolleure. Bild: Adrian Moser

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Noch im Frühling schien es, als stünde das kantonale Laboratorium mit seinen 75 Angestellten vor einer Implosion: Es hatte den Auftrag, sein Jahresbudget von gut 9 Millionen Franken auf 8 Millionen zu reduzieren. Im Dezember 2010 hatte der Grosse Rat dem Labor diese Rosskur verordnet. Der Erlenbacher BDP-Grossrat Peter Eberhart zielte mit seiner Motion auf die 16 Profi-Lebensmittelkontrolleure. Diese würden sich, etwa auf Bauernmärkten, zu sehr um Nebensächlichkeiten kümmern, argumentierte er.

Nun die Überraschung: Statt über drastische Massnahmen zu informieren, verkündete der Kanton gestern, die Reorganisation und Optimierung der Abläufe hätten ohne Entlassungen abgeschlossen werden können. In der Mitteilung ist die Rede von einer vakanten Stelle, die nicht mehr besetzt wurde, von Pensenreduktionen und von einer «konsequenten Überprüfung aller Ausgaben»: Doch die Antwort, wie es mit diesen doch sanften Massnahmen möglich war, ein veritables Budgetwunder zu vollbringen, findet sich nirgends.

Auf Nachfrage hin bringt Otmar Deflorin, Chef des Laboratoriums, Licht ins Dunkel: Genau genommen habe das Labor nicht eine Million Franken, sondern bloss 400 000 Franken einsparen müssen, sagt er. Möglich war dies, weil das Labor, das auf Anfang 2008 umstrukturiert wurde, seither etwas Luft im Budget hatte. 2009 lag der Aufwand bloss bei 8,3, ein Jahr später bei 8,4 Millionen Franken.

Aber warum wurde die Luft nicht längst abgelassen? Deflorin versichert, dies wäre in nächster Zeit «von uns aus» geschehen. Nach der Kantonalisierung 2008 – damals wurden die 200 Kontrolleure der Gemeinden durch Profis ersetzt – sei es mangels Erfahrungswerten «sehr schwierig» geworden zu budgetieren. Die Budgets seien zudem mit Blick auf mehrere Jahre erstellt worden.

Motionär: «Total nicht fair»

Grundsätzlich habe er sein Ziel erreicht, sagt Peter Eberhart auf Anfrage: «Das Labor kümmere sich vermehrt um das Wesentliche.» Die Reorganisation hat zur Folge, dass gemäss Mitteilung «noch stärker» risikoorientierte Inspektionen vorgenommen werden. Das heisst, bei Betrieben mit kleinen Risiken erfolgen die Kontrollen nicht mehr regelmässig. Dorfmärkte werden ebenfalls nicht mehr routinemässig überprüft.

Es sei für ihn aber enttäuschend zu erfahren, mit welch grossen Budget-Reserven hier geplant worden sei, sagt Eberhart. Dem Parlament gegenüber sei es «total nicht fair», dass hier nicht von selbst nach unten korrigiert wurde. Für die Verwaltung werde dies ein Eigentor, sagt er. Mit Blick auf dieses «Paradebeispiel» werde im Grossen Rat der Druck auf die Globalbudgets stark zunehmen. (Der Bund)

Erstellt: 01.09.2011, 06:58 Uhr

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