Bootsdrama: Kein Prozess in Sicht

Im Fall des Bieler Bootsunglücks vom Juli 2010 ist noch immer keine Anklage erhoben worden, obwohl es einen Tatverdächtigen gibt. Die Resultate von Zusatzgutachten stehen noch aus.

Der Unfall ist im Wasser passiert - die Beweisführung sei deshalb schwierig, heisst es bei der Staatswanwaltschaft.

Der Unfall ist im Wasser passiert - die Beweisführung sei deshalb schwierig, heisst es bei der Staatswanwaltschaft. Bild: Valérie Chételat

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Eigentlich hätte im Fall des Bootsdramas, bei dem im Juli 2010 auf dem Bielersee eine junge Frau von einem Luxusboot überfahren wurde, die Staatsanwaltschaft diesen Herbst Anklage erheben wollen. Der Abschluss der Untersuchung zögert sich aber weiter hinaus, wie die regionale Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland gestern mitteilte.

Der Grund: Im Frühling haben die Untersuchungsbehörden weitere Gutachten in Auftrag gegeben; die Resultate waren ursprünglich für diesen Herbst angekündigt worden, liegen aber noch immer nicht vor. Die Untersuchungen seien technisch sehr aufwendig, argumentiert die Staatsanwaltschaft. Die Gutachten sollen nun im «ersten Quartal 2012» eintreffen. Mit einer Anklage ist wohl nicht vor dem Sommer zu rechnen. Bis zu einer Gerichtsverhandlung würde es nochmals mehrere Monate dauern. Die Untersuchungsbehörden gehen zum jetzigen Zeitpunkt aber davon aus, dass der Fall zur Anklage gebracht wird (siehe Interview links).

Hauptverdächtiger ist weiterhin ein 75-jähriger Unternehmer aus der Region Biel. Er war am 11. Juli 2010 zum besagten Zeitpunkt mit einem Boot der Marke Boesch auf dem Bielersee unterwegs – jenem Bootstyp also, nachdem die Polizei aufgrund der Zeugenaussagen fahndete. Der Mann bestreitet, die 24-Jährige überfahren zu haben, und will nichts «Aussergewöhnliches» bemerkt haben. Und die Spuren am Schiff können die Tat nicht endgültig klären.

Beschädigte Schiffsschraube

Durch eine Indiskretion im «SonntagsBlick» ist im Frühling bekannt geworden, dass gemäss einem Gutachten das Boot als mögliche «Tatwaffe» zumindest infrage kommen könnte. Experten des Forensischen Instituts Zürich haben sich dabei einem Analogieverfahren bedient: Sie verglichen die Bielersee-Schraube mit jener eines Bootes, das bei einem Unfall von 1993 auf dem Zürichsee involviert war. Die Schrauben bestehen aus ähnlichem Material und sind ähnlich hart und gross. Fazit der Gutachter: Die Beschädigung der Schiffsschraube vom Bielersee weise ähnliche Merkmale auf wie jene vom Zürichsee.

Missgeschick der Kantonspolizei?

Zu keinem Resultat führten dagegen die Analyse von Partikeln, die auf der Schraube gefunden wurden – auch weil die Menge zu gering war. Der «Blick» stellte dazu eine brisante These auf: Die Berner Kantonspolizei habe wichtiges Beweismaterial auf der Schraube weggeputzt. Die Forensiker fanden nämlich Kreidespray-Reste, die für ein 3-D-Scanning aufgesprüht wurden. Gemäss «Blick» soll die Polizei erst den Kreidespray aufgetragen – und danach erst nach Blutspuren gesucht haben. (Der Bund)

Erstellt: 15.12.2011, 07:47 Uhr

Interview

Christof Scheurer ist Mediensprecher der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern. Im Fall des Bieler Bootsdramas untersucht die regionale Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland.


Im Laufe der Ermittlungen geriet ein damals 74-jähriger Unternehmer unter dringenden Tatverdacht. Besteht dieser noch?
Ja, der dringende Tatverdacht ist noch
immer vorhanden.

War der Mann je in Untersuchungshaft?
Nein, der Beschuldigte sass nie in Untersuchungshaft.

Es wurden im Frühling weitere Gutachten in Auftrag gegeben. Weil noch keine Resultate vorliegen, ist bislang keine Anklage erhoben worden. Welche fehlenden Erkenntnisse
sollen diese Zusatzgutachten genau zutage führen?

Dazu können wir nichts sagen.

Im Frühling lagen drei Gutachten auf dem Tisch – wie viele sind es heute?

Das geben wir nicht bekannt. Aus einem Gutachten ergeben sich manchmal weitere Folgegutachten – das ist der Grund für die Erweiterung.

Die Staatsanwaltschaft spricht von technisch sehr aufwendigen Untersuchungen. Laien können sich schlecht vorstellen, was man in dieser langen Zeit alles untersuchen
kann ...

Man muss sich vorstellen: Dieser Vorfall
hat sich im Wasser zugetragen. Die Beweiserhebung und die Auswertung sind viel schwieriger und komplexer.

Der «Blick» hat den Verdacht geäussert, dass die Berner Kantonspolizei aus Versehen die Schiffsschraube putzte und so wichtiges Beweismaterial vernichtete. Stimmt das?
Dazu kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen.

Kann man denn überhaupt noch davon ausgehen, dass es in diesem Fall überhaupt noch zu einem Prozess kommt?
Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, dass die Untersuchungen zu einer Anklage führen. Das definitive Resultat wird erst beim Abschluss der Untersuchung vorliegen.

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