Bauakustiker entlasten das Sous Soul

Die Berner Lärmfachstelle misst in den Nachbarwohnungen des Sous Soul erhöhte Lärmwerte. Doch laut einem Expertenbericht stehen die Messungen der Polizei auf wackligen Beinen.

Lärmimmissionen sind während eines Konzerts nicht zu vermeiden: Die Tequila Boys auf der Bühne des Sous Soul. (zvg)

Lärmimmissionen sind während eines Konzerts nicht zu vermeiden: Die Tequila Boys auf der Bühne des Sous Soul. (zvg)

Hanna Jordi

Gegen das Sous Soul in der Berner Altstadt ist seit 2009 eine Lärmklage von Bewohnern der Nachbarliegenschaft hängig. Eine Stellungnahme des Bauakustikerbüros Grolimund & Partner könnte das Verfahren nun in Bewegung bringen: Das dem «Bund» vorliegende Schreiben stellt dem Sous Soul ein gutes Zeugnis aus – selbst bei einer Lautstärke von 100 Dezibel im Club würden die Richtliniengrenzwerte für benachbarte Bauten noch eingehalten, so der Bericht. Damit widersprechen die Experten einem Gutachten der Lärmfachstelle des Kantons Bern, welches das Regierungsstatthalteramt 2009 in Auftrag gegeben hatte. Dieses besagt, dass der Club seine Veranstaltungen bei maximal 90 Dezibel abhalten dürfe, wenn er die Nerven der Nachbarn nicht zu sehr belasten wolle.

Ein Entscheid im Verfahren steht noch aus, könnte für das Sous Soul aber weitreichende Folgen haben: Sollte Regierungsstatthalter Christoph Lerch (SP) eine Dezibelbegrenzung unter den derzeit geltenden 93 Dezibel verfügen, sehen sich die Betreiber gezwungen, ihren Club zu schliessen.

Schon ein Atemzug sorgt für Lärm

Ende 2009 mass die Lärmfachstelle des Kantons Bern die Immission des Sous Soul in den zwei am stärksten betroffenen Schlafzimmern der Junkerngasse 3. Weil für die Lärmwerte ausserhalb von Gastwirtschaftslokalen keine gesetzlichen Grenzwerte existieren, orientierten sie sich an den Richtlinien des Cercle Bruit, der Vereinigung von Schweizer Lärmschutzfachleuten. Diese dienen den Behörden als Instrument, um die subjektive Lärmbelastung zu beurteilen. Bei einem Emissionspegel von 96 Dezibel im Club messen die Beamten in dieser Nacht 19,2 Dezibel: Die Musik sei laut hörbar. Ab 22 Uhr sei der Pegel des Clubs folglich auf 90 Dezibel zu drosseln.

Dieselben Messungen dienten auch den Bauakustikern von Grolimund & Partner als Grundlage. Allerdings bringen sie ihre Vorbehalte gegenüber der Aussagekraft der Werte deutlich zum Ausdruck. Messungen im Bereich von unter 20 Dezibel seien «mit Vorsicht zu behandeln»: «Schon kleinste Störgeräusche wie ein lauter Atemzug oder ein entfernt vorbeifahrendes Fahrzeug können das Messergebnis um einige Dezibel verfälschen», so die Experten. Des Weiteren kommen sie zu einem gänzlich anderen Schluss, was die Lärmüberschreitung in der Nachbarwohnung angeht: «Die Anforderung der Cercle-Bruit-Richtlinie ist selbst bei einem Sendepegel in der Bar von 100 Dezibel erfüllt.»

Grund für die widersprüchliche Beurteilung der beiden Fachstellen ist eine unterschiedliche Lesart der Messwerte: Während sich die Lärmfachstelle auf einen Dezibelgrenzwert von 19 beruft, legen ihn die Bauakustiker bei 23 fest. Dem Grundgeräuschepegel in den Schlafzimmern werde in der Beurteilung der Polizei zu wenig Rechnung getragen, geht aus dem Bericht hervor. Der Maximalwert sei daher bei 23 Dezibel anzusetzen, und dieser werde in den betreffenden Schlafzimmern zu keinem Zeitpunkt überschritten. Weder die Lärmfachstelle noch Grolimund & Partner wollten zum Fall Sous Soul konkret Stellung nehmen. Die wesentlichen Erkenntnisse gingen aus ihrer Stellungnahme hervor, liess Andreas Bergmann von Grolimund & Partner verlauten.

Für Sous-Soul-Betreiber Flo Eichenberger bringt der Bericht der Bauakustiker keine neuen Erkenntnisse. «Dass wir objektiv keine Grenzwerte überschreiten, war uns längst klar – auch wir haben Lärmmessungen angestellt», sagt er. «Die Situation ist unbefriedigend: Selbst wenn wir uns im Rahmen der bewilligten Dezibel bewegen, sind wir angreifbar für Lärmklagen.» Als Nächstes steht der Liegenschaft an der Junkerngasse 3 eine Begehung durch den Regierungsstatthalter und weitere Beteiligte bevor: Als entscheidende Instanz wird Lerch vor Ort beurteilen, ob der Lärm für die Anwohner zumutbar ist oder nicht.

Der Bund

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