Bärtschi & Burren: Bärtschi und das WM-Toto

Bärtschi hätte es wissen müssen. Wie immer bei einem grossen Turnier würde einer seiner Arbeitskollegen spätestens am Vortag noch auf die Idee kommen, ein Abteilungstoto mit lustigen Preisen zu veranstalten.

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Bärtschi hatte sich zwar vorgenommen, alle entsprechenden Anzeichen zu ignorieren. Doch es kam, wie es kommen musste: Schnyder aus Büro 146 lauerte ihm eines Morgens beim Kopiergerät auf und sprach ihn an: Er, Bärtschi, sei doch Fussballfan, da wolle er bestimmt auch beim Tippspiel mitmachen, bevor es zu spät sei. Bärtschi verfluchte Schnyder innerlich, machte aber gute Miene zum bösen Spiel und füllte brav die Liste aus.

Südafrika - Mexiko. Ein typisches Eröffnungsspiel, dachte Bärtschi, der Gastgeber würde durchaus Chancen haben. Er sah aber Vorteile für das nominell stärkere Team. Also 1:2. England - USA. Burren hatte ihn so lange davon überzeugt, dass seine Inselaffen es diesmal schaffen, dass Bärtschi es nun selber glaubte. 2:0. Deutschland - Australien. Bärtschi ahnte, dass die Deutschen als klassische Turniermannschaft einmal mehr einen harzigen Start erwischen würden. Er tippte deshalb auf ein 2:2. Beim Spiel Spanien - Schweiz gab sich Bärtschi keinen Illusionen hin. Benaglios Vorderleute würden gegen den Europameister keine Chance haben. Bärtschi notierte folgerichtig ein 2:0.

Südafrika hat Heimvorteil, also müssten sie gewinnen, dachte Schnyder, andererseits ist Fussball in Mexiko extrem populär. Etwas unschlüssig tippte er 1:1. Amerika ist immer und überall vorne dabei, das wusste Schnyder noch von Olympia. Aber er hatte auch gehört, dass England zu den Favoriten zählt. Also tippte er nochmals 1:1. Deutschland gegen Australien? Schnyder schmunzelte, als er sah, dass Australien auch mit dabei ist, und tippte ein überzeugtes 4:0. Spanien - Schweiz. Da musste Schnyder natürlich auf die Schweiz setzen, ganz klar. Obwohl, es würde wahrscheinlich knapp werden. Also 0:1.

Bärtschi hasste das Abteilungstoto. Irgendein unqualifizierter Idiot würde gewinnen, wie immer. Und Mitte Juli würde der Idiot das Interesse an Fussball wieder für mindestens zwei Jahre verloren haben.

Der Bund

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